Blau-weiß gestreift ist er noch immer. Nur, dass die Abstu­fungen feiner sind und längs ver­laufen. Er trägt ein läs­siges Ober­hemd zur Jeans, die Ärmel hat er hoch­ge­krem­pelt, schließ­lich ist er zum Arbeiten hier. Bis auf die Brille erin­nern seine Züge ohne Zweifel an die Panini-Bilder von damals. Auch im ergrauten Zustand fällt ihm das Haar noch etwas tiefer in den Nacken. Sein Lachen ist breit, kräftig der Hän­de­druck. Will­kommen“, sagt der Ex-Libero des MSV Duis­burg.

Und will­kommen fühlt sich der Kunde, bei Kees Bregman, Män­ner­fri­seur“. So steht es auf dem Schau­fenster: eine klare Ansage. Kein Chez Kees“, keine Allüren, kein Schnick­schnack. So wie man Bregman, der inzwi­schen 63 ist, auch im Wedau­s­ta­dion kannte und schätzte. Es riecht nicht nach auf­dring­li­chen Sprays, die Kund­schaft sind keine Möch­te­gern-Ronaldos, die sich Leo­par­den­muster in den Schlä­fen­flaum zwir­beln lassen. Ich bin ein Nach­bar­schafts­fri­seur­chen“, sagt der Hau­degen im Ams­ter­damer Plau­derton und klap­pert mit dem Arbeits­gerät.

Draußen eilen die Autos dem Zubringer ent­gegen. Bos en Lommer, zu deutsch Wald und Schatten“, ist ein unschein­bares Viertel im Westen Ams­ter­dams. Farb­lose Wohn­blocks, etwas Ein­zel­handel, ein marok­ka­ni­scher Gemü­se­laden mit Halal-Schlacht­be­trieb. Die Frauen tragen Kopf­tuch, weit ent­fernt sind die Grachten, die Tou­risten aus aller Welt ver­irren sich nicht hierhin. Wäre der MSV Duis­burg ein Stadt­teil, er könnte Bos en Lommer heißen.

In seinem Fri­sier­salon hängen Bilder von Kaltz und Keegan

Seine Ver­gan­gen­heit lässt sich seit fast zwei Jahr­zehnten in Kees Breg­mans Fri­seur­stube begut­achten. Eine Galerie aus Schwarz-Weiß-Fotos zieht sich an den Wänden ent­lang. Bun­des­liga-Bilder der Sieb­ziger und Acht­ziger, Zwei­kämpfe mit Man­fred Kaltz oder Kevin Keegan, und diese Szene aus dem August 1976, als Bregman im ersten Sai­son­heim­spiel gegen Bayern in eine Flanke sprang und zum Aus­gleich traf. 5:2 war der End­stand, Bregman hat den Zei­tungs­be­richt auf­be­wahrt.

Unter dem Spiegel hängt der ver­gilbte Aus­schnitt aus einer ein­hei­mi­schen Fuß­ball­zeit­schrift: eine Liste nie­der­län­di­scher Tor­schützen gegen Bayern Mün­chen. Ich steh auf Platz drei“, sagt Bregman und grinst. Hinter Heinz van Haaren und Willi Lip­pens.“ Als Goal­getter war er vom FC Haarlem einst nach Den Haag und dann nach Duis­burg gekommen, im Sommer 1974, als Kicker aus dem Oran­je­land nach der WM in Mode waren. Acht Spiele vor Sai­son­ende sah Detlef Pirsig die Rote Karte und wurde lange gesperrt. Sie wussten nicht, wer letzter Mann spielen sollte, also sagte ich, ich mach es. Trainer Wil­li­bert Kremer wollte erst nicht, aber offenbar spielte ich gut.“

Ich bin ein Spät­zünder, auch in der Liebe“

Erst nach Pir­sigs Abschied wurde der wasch­echte Ams­ter­damer zum all­seits bekannten Libero Bregman“. 27 war ich, und mein Stern stieg. Aber ich bin ein­fach ein Spät­zünder. Auch in der Liebe. Meine Freundin ist 39.“ Bregman, der nun auch nicht gerade wie 63 wirkt, wurde erst mit 23 Profi. Da hatte er nach der Lehre schon vier Jahre als Fri­seur auf dem Buckel.

Wäh­rend er erzählt, nimmt er mit Kamm und Schere Maß. Das Radio spielt nie­der­län­di­sche Lieder, ab und an singt er mit. Bregman mag seinen Beruf. Der Laden läuft ganz gut, die Haare müssen sich die Leute schließ­lich auch in Kri­sen­zeiten schneiden lassen, meint er. Auch bei so man­chem Mit­spieler legte er damals Hand an. Rudi Seliger habe ich einmal ver­sägt, da war er sauer!“

Fast die ganze Stadt war auf den Beinen – Geweldig!“

Die schönste Erin­ne­rung? Bregman muss nicht lange nach­denken. Das Pokal­fi­nale 1975. Obwohl wir ver­loren, bekamen wir einen Emp­fang. Fast die ganze Stadt war da! Geweldig!“ Auch die Erin­ne­rungs­me­daille bewahrt er in seinem kleinen Museum auf. Noch immer hat er Kon­takt zu Ber­nard Dietz und Detlef Pirsig. Wenn er zu Besuch ist, wird er auf der Straße erkannt, und auch in der Tra­di­ti­ons­mann­schaft kickte er schon mal mit – aus­ge­rechnet gegen Schalke. Apropos: Zum Pokal­end­spiel zwi­schen dem MSV und Schalke will sich auch Libero Bregman“ Samstag auf den Weg nach Berlin machen.