Mike Dean? Wo auch immer du in Fuß­ball-Eng­land zu Gast bist – wenn du diesen Namen erwähnst, ern­test du genervtes Augen­rollen. Bes­ten­falls.

Keinem Fan, keinem Trainer und erst recht keinem Spieler würde jemals ein lobendes Wort zu Dean über die Lippen kommen, denn: Der 50-Jäh­rige ist der mit Abstand unbe­lieb­teste Unpar­tei­ische der Pre­mier League. Erst recht, seitdem Red Mike“, wie er wenig lie­be­voll genannt wird, am Montag als erster Referee in der Liga-Geschichte den 100. Platz­ver­weis seiner Kar­riere aus­ge­spro­chen hat. Es traf Man­chester Uniteds Ashley Young, beim bit­teren 1:2 gegen die Wol­ver­hampton Wan­de­rers.

Die Ent­schei­dung an sich (Gelb-Rot wegen wie­der­holten Foul­spiels) war diesmal nicht zu bemän­geln. Young hatte Wol­ver­hamp­tons Diogo Jota mit offener Sohle brutal erwischt, knapp unter­halb der Knie­scheibe. 90 Pro­zent aller Bun­des­liga-Schiris hätten hierfür wohl glatt Rot gezeigt. Selbst United-Coach Ole Gunnar Sol­sk­jaer kon­ze­dierte hin­terher: Gelb-Rot war schon war ver­tretbar. Ashley hätte in dieser Situa­tion nicht so hinein grät­schen dürfen.“

No-Look-Boo­king“

Was die Fans in Eng­land jedoch – wieder mal – auf­regte, war der Genuss, den Mike Dean beim Kar­ten­ver­teilen offen zur Schau stellt: ein allzu ener­gi­scher Sprint zum Tatort, eine akku­rate Punkt­brem­sung, bevor der Schiri gemes­senen Schrittes auf den Übel­täter zusteuert.

Wäh­rend­dessen langt Dean mit geübten Fin­gern in seine Brust­ta­sche, um die Karte in einer ein­zigen flie­ßenden Bewe­gung her­aus­zu­fi­schen und sie dem Bestraften fast bei­läufig unter die Nase zu reiben – ohne diesen auch nur eines Bli­ckes zu wür­digen. Eng­lands Bou­le­vard erfand eigens für Dean den Begriff No-Look-Boo­king“ (frei über­setzt: Ver­war­nung, ohne hin­zu­schauen).

Nach Rot oder Gelb-Rot lässt Red Mike“ meist noch ein über­be­tontes Ach­sel­zu­cken folgen, als wolle er sagen: Wenn ihr nicht hören wollt, müsst ihr eben fühlen.