Seite 2: Korruption, Habgier, Machtgelüste?

Der Fuß­baller F.B.“ war zum Tat­zeit­punkt genau genommen kein aktiver Spieler mehr, son­dern der zur Licht­ge­stalt empor­ge­stie­gene Ex-Kicker Franz Becken­bauer. Er gehört in dem ange­strebten Ver­fahren nicht zu den Beschul­digten, weil sein Ver­fahren wegen seines labilen Gesund­heits­zu­stands von den wei­teren Beschul­digten abge­trennt wurde. Nach Angaben des Frank­furter OLG drohen den Ange­klagten Frei­heits­strafen bis zu fünf Jahren oder Geld­strafen.

Im Juli hatte bereits die Schweizer Bun­des­an­walt­schaft Anklage erhoben, weil ver­mutet wird, dass Niers­bach, Zwan­ziger, Schmidt und Linsi arg­listig über den eigent­li­chen Zweck einer Zah­lung in der Höhe von 6,7 Mil­lionen Euro getäuscht“ haben sollen. Schmidt, Linsi und Zwan­ziger ständen in Ver­dacht sich des Betrugs in Mit­tä­ter­schaft“ schuldig gemacht zu haben, Niers­bach soll Bei­hilfe zum Betrug“ geleistet haben, so heißt es in der Erklä­rung der Schweizer Bun­des­an­walt­schaft. Theo Zwan­ziger, der seit län­gerem mit ver­schie­denen Klagen um die Wie­der­her­stel­lung seines Anse­hens kämpft, ließ nach der Ankün­di­gung des OLG, ein Ver­fahren ein­zu­leiten, post­wen­dend durch seinen Anwalt mit­teilen: Weder die Tat­sache noch der Inhalt des Beschlusses ändern etwas an der von hier aus ver­tre­tenen Rechts­auf­fas­sung, wonach die Vor­würfe gegen meinen Man­danten unbe­gründet sind“.

Kor­rup­tion, Hab­gier, Macht­ge­lüste?

An der Aus­gangs­lage hat sich nichts geän­dert hat. Immer noch ist unklar, wer genau von den 6,7 Mil­lionen Euro pro­fi­tiert hat und zu wel­chem Zweck genau sie ver­wendet wurden. Klar scheint nur, dass der DFB und damit ein sehr kleiner Kreis von Funk­tio­nären – wobei auch unklar ist, wer genau – die Ver­wen­dung des Geldes falsch dekla­riert und sich damit der Bei­hilfe zur Steu­er­hin­ter­zie­hung schuldig gemacht haben könnte. Ob es sich dabei um die nun Ange­klagten han­delt, ob diesen dabei ein Vor­satz nach­zu­weisen ist oder ob sie daran mit­ge­wirkt haben die Umstände der Zah­lung zu ver­tu­schen, muss das Ver­fahren klären. Es ist davon aus­zu­gehen, dass es lange dauern wird, bis wirk­lich alle Schat­tie­rungen der Vor­gänge aus­ge­leuchtet sind und die Schuld­frage geklärt ist.

Den­noch wäre es wün­schens­wert, dass die Gerichte zu einem Ergebnis kommen und die Schul­digen, wenn es sie gibt, ihrer gerechten Strafe zuführen. Nicht nur, um end­lich Gerech­tig­keit walten zu lassen, son­dern auch, um Klar­heit zu bekommen, inwie­weit Kor­rup­tion, Hab­gier, Bestech­lich­keit und Macht­ge­lüste bei der Ver­gabe der Welt­meis­ter­schaft 2006 eine Rolle gespielt haben. Denn sollte die Öffent­lich­keit end­lich erfahren, wer wirk­lich unter Vor­satz das Recht gebeugt und damit sein Amt und das in ihn gesetzte Ver­trauen ver­letzt hat, würde es allen, die dabei waren, wieder leichter fallen, sich mit unver­stelltem Blick daran zu erin­nern, von welch‘ posi­tiver Seite sich Deutsch­land und viele seiner Bür­ge­rinnen und Bürger in diesen sechs Wochen im Sommer 2006 der Welt­öf­fent­lich­keit prä­sen­tiert haben.