Seite 4: Bei Aachen hat er nicht gut überlegt

Fünf Mal in seiner Lauf­bahn bekam er vor­zeitig seine Papiere. Doch in der zurück­lie­genden Saison erlebte er die Höchst­strafe: Nach dem 7. Spieltag wurde er beim Tabel­len­vor­letzten der zweiten Liga, VfL Bochum, gefeuert. Nur wenige Tage später heu­erte er beim Schluss­licht in Aachen an, wo man ihm nach dem 28. Spieltag eben­falls den Lauf­pass gab. Fun­kels Team hatte achtmal in Folge nicht gewonnen. Das Pro­ze­dere in dieser schick­sal­haften Spiel­zeit aber über­raschte ihn auf seine alten Tage. Zunächst weil ihm nie in den Sinn gekommen wäre, dass ihn die Bochumer so früh in der Saison feuern. Denn er hatte es allen VfL-Ent­schei­dern vor­ge­rechnet, wie schwer die Hin­runde wird. Auf­grund der Rele­ga­ti­ons­spiele fehlten der Mann­schaft zwei Wochen Vor­be­rei­tung. Mit Antar Yahia hatte Funkel seinen zen­tralen Mann in der Abwehr ver­loren. Er sagt: Jeder im Vor­stand wusste, dass wir es in den ersten Wochen der Saison schwer haben werden.“ Geschenkt. Als am Tag nach der Nie­der­lage in Dresden VfL-Manager Jens Todt gegen 21.30 Uhr anrief und um ein Treffen in Düs­sel­dorf bat, schwante es ihm. Die Begrün­dung lau­tete, der Auf­sichtsrat hätte sich gegen den Trainer aus­ge­spro­chen. Das kannte Funkel aus seiner Zeit bei Ein­tracht Frank­furt anders. Dort war Heri­bert Bruch­hagen, den er in freund­schaft­li­cher Ver­bun­den­heit bis heute Heri“ nennt, dreimal gegen die For­de­rung des Auf­sichts­rates ange­gangen und hatte ihn im Amt belassen. In Bochum folgte die Geschäfts­füh­rung den Auf­sichts­räten. Funkel ver­steht es nicht: Die Beur­lau­bung in Bochum war unnötig. Hätte Werner Alte­goer noch im Auf­sichtsrat gesessen, wäre ich nie ent­lassen worden.“

Mir fiel erst nach Amts­an­tritt auf, dass wir über­haupt keine Offen­siv­qua­li­täten hatten“

Der Rauch um seine Ent­las­sung hatte sich noch nicht ver­zogen, da rief Fun­kels Ex-Spieler aus Uer­dinger Zeit an, Eric Meijer. Der Manager von Ale­mannia Aachen bear­bei­tete ihn mit all seiner Über­zeu­gungs­kraft. Die Ver­su­chung war zu groß. Funkel glaubte, nicht viel ver­lieren zu können. Beim kurzen Blick auf den Kader fiel ihm nichts gra­vie­rend Nega­tives auf. Eine solide Zweit­li­ga­s­ta­tion, ein Tra­di­ti­ons­klub. Dazu die Nähe zu seinem Wohnort in Kre­feld. Keine War­te­zeit bis zum nächsten Job. Seine Lebens­ge­fährtin fand das Angebot eben­falls schlüssig. Doch da bin ich wohl etwas zu vor­eilig an die Sache her­an­ge­gangen und habe nicht gut genug über­legt“, sagt er rück­bli­ckend. Denn die Infra­struktur bei den Aache­nern mit nur einem ein­zigen Trai­nings­platz ließ arg zu wün­schen übrig. 

In der Vie­rer­kette ver­letzten sich drei wich­tige Spieler. Außerdem fiel mir erst nach Amts­an­tritt auf, dass wir über­haupt keine Offen­siv­qua­li­täten hatten.“ Im Angriff stand mit Ben­jamin Auer zwar noch die Gali­ons­figur, aber mit Zoltan Stieber, Marco Höger und Tolgay Arslan war dem Klub die gesamte Krea­tiv­ab­tei­lung ver­lustig gegangen. Der flüch­tige Blick auf den Kader rächte sich. Funkel gelang es nicht, die Trend­wende zu schaffen. Der Druck stieg. Ange­stellte der Geschäfts­stelle klopften an seine Tür, um sich nach den Chancen des Klas­sen­er­halts zu erkun­digen. Wenn ich in die Gesichter blickte, sah ich, wie die Men­schen um ihren Job fürch­teten.“ Am 1. April 2012 saß er im Auto auf dem Park­platz der Galopp­renn­bahn in Köln-Wei­den­pesch, als wieder sein Telefon klin­gelte. Einige Reporter hatten ihn schon behel­ligt. Nun war Erik Meijer dran und teilte ihm direkt mit, dass sich die Ale­mannia von ihm trennen werde. Funkel reagierte unge­wohnt erzürnt über dieses Ver­halten: Ent­täu­schend, dass so was am Telefon pas­siert. Nor­ma­ler­weise trifft man sich und setzt sich zusammen. Aber so ist es nun mal …“

Ich will noch einmal in die Bun­des­liga“

Auf der Ter­rasse im mal­lor­qui­ni­schen Nobel­hotel legt Fried­helm Funkel den Skat bei­seite und blickt prü­fend in sein Blatt. Mit 58 gehört ein Trainer noch nicht zum alten Eisen, aber im Westen hat er langsam aber sicher alle Mit­tel­klas­se­klubs gehabt. Dass ihm die beiden jüngsten Ent­las­sungen geschadet haben, kann er sich nicht vor­stellen. Dafür hat er zu lange solide gear­beitet und sich nichts zuschulden kommen lassen. Die Ein­ge­weihten wissen alle, was ich kann und was sie von mir bekommen. Die machen sich keine Gedanken über mein Image.“ Ein kon­kretes Angebot liegt bis jetzt aber noch nicht vor. Den Sommer über wird er von einem Club­hotel ins nächste reisen und an Fuß­ball­talks teil­nehmen. Was wünscht sich einer wie er, der seit 40 Jahren nichts anderes als deut­schen Pro­fi­fuß­ball gesehen hat? Welt­reisen, Zeit zum Angeln, einen Spit­zen­klub? Fried­helm Funkel sagt: Ich will einmal noch in die Bun­des­liga. Das ist das Geilste.“ Die Karten werden noch mal neu gemischt.

*Dieser Text erschien erst­mals 2012 in 11FREUNDE