Unsere neue Serie: Wir prä­sen­tieren jeden Tag das aktu­elle Mann­schafts­foto eines Bun­des­li­gisten und zeigen in unserer Bil­der­ga­lerie die schönsten his­to­ri­schen Schüsse. Heute: der VfB Stutt­gart.

1.
Der neue Star
Heißt Wil­liam Kvist, kam vom FC Kopen­hagen und sieht aus, als würde er morgen als Frontman einer däni­schen Boy­band am Euro­vi­sion Song Con­test teil­nehmen. Heute posiert er noch mit ver­knif­fenem Lächeln (mitt­lere Reihe, 4. v. l.), viel­leicht weil ihm die Erwar­tungs­hal­tung unheim­lich ist. Sport­di­rektor Fredi Bobic sprach über den 20-fachen Natio­nal­spieler: Die Rea­li­sie­rung dieses Trans­fers war ein wich­tiger Bau­stein in unseren Pla­nungen. Wir haben immer wieder betont, dass wir bereit sind, bei einem Transfer auch finan­ziell in Vor­leis­tung zu gehen. Das haben wir bei Wil­liam getan.“ In der würt­tem­ber­gi­schen Lan­des­haupt­stadt ver­sucht man gar nicht erst, den Druck vom Neuen zu nehmen. Bobic‘ Worte klingen nach Droh­ge­bärde. Ent­täusch‘ uns nicht, sonst …

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2.
Wer ist er denn?
… wirst du aus­ran­giert und lan­dest im Kro­ko­dils­kostüm von Fritzle! Das will keiner, wes­halb die Frage drängt, wer sich denn aktuell im Mas­kott­chen ver­steckt. Sean Dundee? Nein, kann nicht sein, gibt das Plüsch­reptil auf seiner Home­page doch Ur-Schwä­bisch als Natio­na­lität an. Jens Leh­mann viel­leicht? Die Größe würde passen, auch war die ehe­ma­lige deut­sche Nummer 1 für eine große Klappe bekannt. Allein, Fritzle greift für die Fort­be­we­gung auf sein Fritzle-Mobil zurück, einen gepimpten Benz, sehr normal und damit zu normal für Heli­ko­pternarr Leh­mann. Der ziel­füh­rende Hin­weis findet sich, kryp­tisch ver­steckt, bei einer Reise durch die bewegte Ver­gan­gen­heit von Fritzle: In dem Ei, aus dem ich geschlüpft bin, hing ein Poster von unserer Meis­ter­mann­schaft von 1992.“ Aha. Chris­toph Daum ist es, der nach seinem geschei­terten Frank­furter Expe­ri­ment über den Umweg Mas­kott­chen in der Bun­des­liga Fuß zu fassen ver­sucht. Wei­tere Beweis­füh­rung: Fritzle bringt die Stim­mung zum Kochen“ (Daum: großer Moti­vator), tritt als Wal­king-Act auf (Daum: Glas­scherben, glü­hende Kohlen) und findet als Par­ty­ka­none“ (Daum: Kokain-Affäre) wirk­lich keinen Weg zu weit“ (Daum: Fener­bahce Istanbul, Weg zurück an die Spitze). 

3.
Eine kleine Stil­kritik
Zuge­geben, es gibt schlim­mere Set­tings für das Mann­schafts­foto als das vom VfB Stutt­gart gewählte. Es gibt aber auch schi­ckere. Die roten Dächer im Hin­ter­grund gemahnen sehr an Jugend­her­berge, an Dop­pel­stock­betten und Zap­fen­streich. Viel­leicht will Trainer Bruno Lab­badia so eine Rück­be­sin­nung auf alte, unver­brauchte Werte schaffen. Cacau gefällt das defi­nitiv, er grinst ent­rückt aus dem Zen­trum des Bildes, wird also auch in der kom­menden Saison – zumal Kapitän Mat­t­hieu Del­pierre einmal mehr ver­letzt aus­fällt – Fix­punkt des Stutt­garter Spiels bleiben. Und sonst? Posiert der fünf­fache Meister sehr akkurat auf­ge­reiht, erschre­cken nur die leucht­knickstab­b­unten Tor­wart­tri­kots das Auge des Betrach­ters, hat sich Arthur Boka (untere Reihe, 4. v. l.) den Schmerz über die Tren­nung von Gina-Lisa mit Was­ser­stoff­blond weg­zu­färben ver­sucht. Summa sum­marum: nett. Leider ist das manchmal der kleine Bruder von etwas anderem.

4.
Was fehlt?
Es fehlt ein Auf­bruchs­si­gnal. Wo sind das Zei­chen großen Wan­dels, wo die opti­sche Hau­ruck-Rhe­torik, die das ver­korkste letzte Jahr ver­gessen machen kann? Der VfB Stutt­gart kom­mu­ni­ziert einen Neu­an­fang nach außen, gibt auf dem Foto aber noch wenig Anlass für den unbe­dingten Glauben daran. Die Mann­schaft blieb im Gros unver­än­dert, das Trikot sieht immer­gleich aus, Bruno Lab­badia grinst sein Bruno-Lab­badia-Grinsen. Dabei liegt die Zäsur nahe: Am 17. Juli 2011 wurde Gerd Mäuser ins Prä­si­den­tenamt gewählt! Mit einem nicht ganz rei­bungs­losen Ergebnis von 58,7 Pro­zent der Stimmen! Als ehe­ma­liger Por­sche-Manager! Nach acht Jahren Erwin Staudt! Es wäre so ein­fach gewesen, mit neuen Ufern zu koket­tieren.

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5.
Pro­gnose 2011/12
Der VfB Stutt­gart ver­patzt die Hin­runde in großem Stil, Bruno Lab­badia muss in der Win­ter­pause gehen, Thomas Doll wird als neuer Trainer vor­ge­stellt, hat dann nur super­wenig Zeit, die Mann­schaft ken­nen­zu­lernen“, sieht trotzdem rie­sige Fort­schritte und eine neue Men­ta­lität, alle ziehen toll mit“. Stutt­gart spielt die beste Rück­runde der Ver­eins­ge­schichte und schafft fast noch die Europa League. Platz 7.