Zum ersten Mal habe ich Julian Brandt spielen gesehen, als er 14 oder 15 Jahre alt war. Ver­mut­lich war es bei einem der Län­der­tur­niere in der Sport­schule Wedau oder Kai­serau, wo er für Nie­der­sachsen gespielt hat. Ganz genau kann ich mich daran nicht mehr erin­nern, was ich aber genau weiß: Ich wollte ihn sofort für Han­nover 96 haben! Denn ich habe auf Anhieb einen zukünf­tigen Bun­des­li­ga­spieler in ihm gesehen. Es gibt näm­lich selbst in diesem jungen Alter etwas, das an einer sol­chen Vor­aus­sage kaum Zweifel bestehen lässt, außer eine schwere Ver­let­zung bremst die Kar­riere.

Julian Brandt war schon damals unglaub­lich schnell mit dem Ball am Fuß, beid­füßig und hatte eine Super­prä­zi­sion beim Abschluss. Seine Schuss­technik rechts wie links war über­ra­gend, und diese Fähig­keiten sind im Laufe der Jahre natür­lich noch besser geworden. Außerdem konnte man bei ihm die Cha­rak­ter­ei­gen­schaften sehen, die man braucht, um sich in der Bun­des­liga durch­zu­setzen. Wenn man so jung und so gut ist, wie er das damals war, will man es am liebsten mit allen elf Geg­nern auf­nehmen. Wenn er sich dabei ver­hed­derte und den Ball verlor, setzte er nach. Da spielte kein Egoist, son­dern ein Team­player.

Ich habe ihn im Laufe der Jahre oft in Jugend­mann­schaften spielen sehen und kann mich an keinen Tag erin­nern, an dem ich nicht gedacht habe: Mensch, hat der heute wieder klasse gespielt. Es gab sogar mal einen 5:0‑Sieg der Wolfs­burger Nach­wuchs­mann­schaft in Han­nover, bei dem er uns allein abge­schossen hat. Ich musste mich zusam­men­reißen, ihm nicht öffent­lich zu applau­dieren.