Seite 2: Keine Frage der Ehre für den BVB und den FC

Doch der BVB und der FC hatten ihre Sai­son­ziele erreicht. Für ihre Profis war es am letzten Spieltag offenbar keine Frage der Ehre mehr, nicht nur den eigenen, son­dern auch allen anderen Fuß­ball­fans zu beweisen, warum sie diesen Beruf ergriffen haben. Dass es ihrem mora­li­schen Wer­te­ver­ständnis ent­spricht, fair zu bleiben und Gerech­tig­keit walten zu
lassen.

Diesen Job über­nahmen für sie Klubs, die deutsch­land­weit eine wei­teraus gerin­gere Wahr­neh­mung haben. Der 1. FC Union hatte bereits vor zwei Wochen den Nicht­ab­stieg im Schul­ter­schluss mit den Fans gefeiert. Viele mun­kelten, nachdem die Ber­liner wegen des Ver­stoßes gegen die Hygie­ne­auf­lagen bestraft wurden, sie hätten sich gedank­lich bereits in die Som­mer­fri­sche begeben. Statt­dessen aber zwang der Klub in einer Hit­ze­schlacht in der Alten Förs­terei die robusten Düs­sel­dorfer derart in Knie, dass man beim Zusehen fast den Ein­druck bekam, nicht For­tuna, son­dern Union fürchte um die Rele­ga­tion. Hol­stein Kiel holte bei seinem letzten Heim­spiel gegen den Club“ sogar einen Rück­stand wieder auf, obwohl die Nord­deut­schen sich bereits seit Wochen mit der kom­menden Zweit­li­ga­saison befassen können. So wenig ging es für die Störche“ weder nach oben noch nach unten in der Tabelle.

Noch höher ist der gest­rige 3:0‑Heimsieg der Arminia aus Bie­le­feld zu bewerten. Nach elf Jahren Absti­nenz war dem Klub vor zwei Wochen die Rück­kehr in die erste Liga gelungen. Eine Sen­sa­tion! Dort warten neben Erst­li­ga­fuß­ball auch satte TV-Geld-Aus­schüt­tungen. Doch der Ver­tei­lungs­schlüssel der DFL sorgt dafür, dass bei einem Wie­der­auf­stieg des Ex-Dinos HSV der Anteil an den Medi­en­rechten der Bie­le­felder rund zwei Mil­lionen Euro nied­riger wäre, als wenn der 1. FC Hei­den­heim mit­auf­steigen würde. Im letzten Heim­spiel gegen das Team von Frank Schmidt hatten es die Arminen also in der eigenen Hand, Kasse zu machen. Und nie­mand hätte es ihnen – gemäß Watzkes Argu­men­ta­tion – wohl übel genommen, wenn sich der Klub vor leeren Rängen mit einer knappen Nie­der­lage in die Som­mer­pause ver­ab­schieden hätte. Doch es ging den DSC-Spie­lern offenbar nicht darum, noch mehr Geld ein­zu­spielen, son­dern um pro­fanen sport­li­chen Ehr­geiz. Sprich: die bei­nahe makel­lose Heim­bi­lanz in dieser Saison nicht mehr zu beschä­digen. Das Resultat: ein 3:0‑Heimsieg gegen Hei­den­heim.

Chan­centod Dennis Diek­meier schießt ein bild­schönes Tor

Nach dem Last-Minute-Sieg des Klubs von der Ostalb am 33. Spieltag gegen den direkten Kon­kur­renten aus Ham­burg dis­ku­tierten sich alle Experten die Köpfe heiß, wie sich die Hei­den­heimer in Bie­le­feld schlagen würden. Dass sich der SV Sand­hausen, gest­riger Gegner des HSV, am Volks­park um irgend­einen Ehren­preis bewerben würde, zog nie­mand in Betracht. Dabei spielt der Klub aus der zweit­kleinsten Bun­des­li­ga­stadt (14 000 Ein­wohner, ca. 30 regel­mä­ßige Aus­wärts­fahrer) nun bereits seit neun Jahren in der zweiten Liga und erweist sich Jahr für Jahr als zuneh­mend reni­tent auch in Auf­ein­an­der­treffen mit großen Geg­nern. Die Folge: Mit 5:1 deklas­sierte die Mann­schaft von Uwe Koschinat den Ham­burger SV im eigenen Sta­dion. Als Ursache für den Kamp­fes­willen der Seinen hatte der Coach vor Anpfiff ange­geben, als der SV im Vor­jahr am letzten Spieltag um den Klas­sen­er­halt bangte, hätte der 1. FC Hei­den­heim im für ihn bedeu­tungs­losen Match gegen den FC Ingol­stadt schließ­lich auch alles gegeben. Der FCI musste nach einer 4:2‑Niederlage in die 3. Liga. Nun revan­chierten sich die Sand­häuser. Sie schnürten den HSV zeit­weise regel­recht in der eigenen Hälfte ein, spielten teil­weise bild­schöne Tore heraus (das letzte noch dazu durch den Ex-Ham­burger Chan­centod Dennis Diek­meier) und halfen dem 1. FC Hei­den­heim trotz saf­tiger Aus­wärts­schlappe in Ost­west­falen nach­haltig beim Ver­bleib auf dem Rele­ga­ti­ons­rang.

Für alle diese Klubs und ihre Profis war es keine Frage, sich für den Gewinn der Gol­denen Ananas“ zu schinden, ganz ohne sport­li­ches oder finan­zi­ellen Anreiz, und so dem ursprüng­li­chen Motiv dieses Spiels zu ent­spre­chen: Alles dafür zu tun, den Platz als Sieger zu ver­lassen. Hans Joa­chim Watzke und etli­chen BVB-Spieler war dieser natür­liche Antrieb des Fuß­bal­lers, dieses alles ver­bin­dende Fun­da­ment, am Samstag offen­kundig ent­fallen. Das Sai­son­ziel war erreicht, alles andere dadurch neben­säch­lich. Naja, und dann fehlte den Dort­mun­dern ja auch das Keifen der aus­ver­kauften Süd­tri­büne, um daran erin­nert zu werden, worum es im Rasen­viereck geht. Pffff, echte Liebe!

Des­halb auf­rechter Dank im Sinne des Fuß­balls, liebe Arminen, Unioner, Kieler und Sand­häuser. Danke, dass ihr auch ohne Anfeue­rungs­rufe aus der Kurve alles gegeben habt und Euch damit um die Glaub­wür­dig­keit des Pro­fi­fuß­balls ver­dient macht.