Mario Götze, was für Ziele hat ein Jung­profi wie Sie nach so einer gran­diosen Spiel­zeit. Besser geht es doch nicht, oder?

Mario Götze: Und ob. Zunächst mal möchte ich schleu­nigst meinen linken Fuß und mein Kopf­ball­spiel ver­bes­sern. Und ich muss zusehen, wie im letzten Jahr ver­let­zungs­frei zu bleiben. Sie sehen, es gibt einiges zu tun.

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Vor einigen Monaten sagten Sie, es sei schwer zu rea­li­sieren, was gerade um sie herum pas­siere. Ist es Ihnen mit etwas Abstand gelungen?

Mario Götze: Nicht wirk­lich. Nach der Meis­ter­schaft bin ich direkt wieder zur Natio­nal­mann­schaft gefahren, da blieb wenig Zeit zur Besin­nung.

Beschreiben Sie doch mal das Grund­ge­fühl, das Sie in dieser Saison begleitet hat. Totale Freude über das was abläuft oder auch ein biss­chen Unsi­cher­heit?

Mario Götze: Es ist nicht so ein­fach, das klar zu sor­tieren. Aber gene­rell ist es per­fekt gelaufen, denn ich habe mein Umfeld behalten. Ich wohne nach wie vor zu Hause, muss dort wenig machen und kann mich voll und ganz auf Fuß­ball kon­zen­trieren. Gerade weil ich neben dem Fuß­ball kaum Stress habe, fällt mir alles ziem­lich leicht.

Was heißt: wenig machen?

Mario Götze: Meine Mutter macht nach wie vor meine Wäsche, und ich werde auch bekocht.

Und Sie gedenken auch nicht, daran was zu ändern?

Mario Götze: Ich habe mir zumin­dest noch keine Gedanken über einen Auszug gemacht. 

Was hat sich in Ihrem Leben in den ver­gan­genen 365 Tagen grund­le­gend ver­än­dert?

Mario Götze: Wenn man in die Stadt geht oder gene­rell in die Öffent­lich­keit tritt, ist es schon alles anders. Natür­lich bemerke ich die Blicke und werde oft ange­spro­chen.

Und der kör­per­liche Ver­schleiß? Selbst Spieler aus der Kreis­liga wissen, dass der Sprung aus der A‑Jugend in den Her­ren­be­reich der schwie­rigste ist.

Mario Götze: Mein Glück war, dass ich bereits in der vor­letzten Saison fünf Ein­sätze für den BVB in der Bun­des­liga hatte, bei denen ich den extremen Unter­schied bemerkte. Des­halb habe ich in der zurück­lie­genden Saison täg­lich an meinem Körper gear­beitet, um ver­let­zungs­frei zu bleiben. Das hat ganz gut geklappt.

Und sonst?

Mario Götze: Ich emp­finde relativ wenig Druck. Wenn etwas klappt, dann klappt’s, und wenn nicht, dann beim nächsten Mal. Natür­lich wird es nicht so ein­fach sein, gleich an die ver­gan­gene Saison anzu­schließen, aber wir werden sehen. Ich bin ganz zuver­sicht­lich.

Alle fragen sich, wann der große Knall bei Borussia kommt und der außer­ge­wöhn­liche Mann­schafts­geist anfängt, unter den Eitel­keiten Ein­zelner zu leiden.

Mario Götze: Die Gefahr sehe ich nicht. Dadurch, dass die meisten ver­trag­lich noch lange an den Verein gebunden sind und wir Typen in unserer Mann­schaft haben, die nicht zu sol­chen Aktionen neigen, muss man keine Befürch­tungen haben, dass irgend­einer plötz­lich auf­hört zu laufen.

Haben Sie mal mit Nuri Sahin dar­über gespro­chen, worauf sich ein junger Spieler gefasst machen muss, wenn er sich in der Bun­des­liga eta­bliert. Sahin hat sein früher Erfolg zwi­schen­zeit­lich ein wenig zu schaffen gemacht.

Mario Götze: Jeder ver­ar­beitet solche Situa­tionen indi­vi­duell. Mit Nuri Sahin habe ich dar­über nicht gespro­chen. Ich habe meine Eltern und meinen Berater, die bei mir ab und zu auf die Bremse treten. Mir ist klar, dass dass ich erst ein Jahr hinter mir habe und das meiste noch vor mir liegt.

Sahin war der jüngste Spieler der Bun­des­li­ga­ge­schichte. Nach einer erfolg­rei­chen Früh­phase, kam er in die Krise und ver­suchte schließ­lich in den Nie­der­landen einen Neu­start. Setzen Sie sich mit sol­chen Ent­wick­lungen aus­ein­ander?

Mario Götze: Jede Kar­riere ver­läuft anders, und man muss jede Situa­tion indi­vi­duell betrachten. Mein Vor­teil gegen­über Nuri damals ist, dass jetzt kein Trai­ner­wechsel beim BVB statt­findet und unsere Mann­schaft größ­ten­teils zusam­men­bleibt. Ich muss mich also nicht groß­artig umstellen.

Lars Ricken war auch ein großes Talent, das durch sein Tor im Cham­pions League Finale 1997 in die Geschichte des BVB ein­ging. Seine Kar­riere fing sehr gut an und sta­gnierte später. Denken Sie über so etwas nach?

Mario Götze: Momentan nicht, nein. Es war mein erstes Jahr und mein Ziel ist, stetig besser zu werden. Und über­haupt: Lars Ricken kann auf eine groß­ar­tige Kar­riere zurück­bli­cken. Dass eine Lauf­bahn nicht immer nur kon­ti­nu­ier­lich nach oben geht, ist wohl normal. Ronald­inho war Welt­fuß­baller und ist auch nicht mehr so stark, wie er mal war. Oder denken Sie nur an Adriano… Aber es gibt auch Spieler, die über lange Zeit ihre Leis­tung gebracht haben, etwa Lionel Messi oder Zine­dine Zidane. Es hängt von jedem selbst ab. Kurz: Ich hoffe ein­fach, dass es nicht irgend­wann so sein wird, dass ich run­ter­schalte.

Wor­über spre­chen Sie mit ihren Eltern hin­sicht­lich Ihrer Lauf­bahn?

Mario Götze: Viel­leicht ist es gerade ein Vor­teil, dass es auch andere Dinge inner­halb der Familie gibt, über die wir spre­chen. Ich habe zwei Brüder, um die müssen sich meine Eltern genauso küm­mern. Mein Eltern­haus gibt mir die Zeit und die Ruhe, über die Ereig­nisse um mich zu reflek­tieren. Aber natür­lich spreche ich ins­be­son­dere mit meinem Vater viel dar­über, was anderen Spie­lern fehlt und welche Vor­teile sich daraus ergeben, dass ich noch ziem­lich jung bin und zu Hause wohne.

Ihr Vater ist Pro­fessor für Daten­technik im Fach­be­reich Elek­tro­technik. Und ein Fuß­ball-Nerd?

Mario Götze: Als Nerd würde ich ihn nicht unbe­dingt bezeichnen, aber natür­lich kennt er sich aus.

Er hat gesagt: Der Junge war nicht mehr an der Schule zu halten.“

Mario Götze: Ich habe mit meinem Vater viel dis­ku­tiert, ob es richtig ist, die Schule zu beenden. Ich wollte auf­hören, um meinen Körper zu ver­bes­sern und mehr Zeit zu haben, daran zu arbeiten.

Was er nicht so beson­ders fand.

Mario Götze: Natür­lich war er nicht begeis­tert. Er wollte schon, dass ich das Abi mache. Das wollte er auch bei meinem Bruder, und der hat’s durch­ge­zogen. Wir hatten schon in der elften Klasse Dis­kus­sionen dar­über, dass ich auf­hören möchte. Im End­ef­fekt war es aus meiner Sicht jetzt die rich­tige Ent­schei­dung nach der zwölften Klasse mit dem Fach­ab­itur zu beenden. 

Die Sorge Ihres Vaters ist berech­tigt. Ein Fuß­baller schwebt immer in der Gefahr, dass die Kar­riere durch eine Ver­let­zung jäh beendet wird. Hat Ihnen Ihr Vater das Ver­spre­chen abge­rungen, dass Sie sich neben dem Fuß­ball für alle Fälle wei­ter­bilden?

Mario Götze: Er sagt schon, dass ich auch was für meinen Kopf tun solle. Es ist aber nicht so, dass ich nun nebenbei stu­dieren muss. Ich bin sicher, dass diese Erkenntnis irgend­wann von selbst reift. Theo­re­tisch kann ich bis Mitte 30 spielen, ich habe also noch ein biss­chen Zeit, mir Gedanken zu machen, wie es für mich mal wei­ter­geht.

Von wem haben Sie eigent­lich das Talent? Ihr Bruder ist eben­falls Profi.

Mario Götze: Von meinem Vater hätte ich höchs­tens das schu­li­sche Talent erben können, habe ich aber nicht. (lacht) Im Ernst: Mein Bruder und ich haben schon immer Fuß­ball gespielt. Das Talent muss wohl von Gott gegeben sein.


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