Im per­so­nellen Bereich gab es die eine oder andere Über­ra­schung: Wäh­rend Roman Wei­den­feller ins Tor der Borussia zurück­kehrte und der Koreaner Young-Pyo Lee sein Bun­des­liga-Debüt für Dort­mund auf der linken Defen­siv­seite fei­erte, berief Schalkes Trainer Fred Rutten den Derby-Spe­zia­listen Gerald Asa­moah für Ivan Rakitic in die Startelf.



Den Kurz­trip in den Signal-Iduna-Park nicht mit­ma­chen durfte zudem der Nie­der­länder Orlando Enge­laar, der statt­dessen nach über­stan­dener Innen­band­deh­nung im Knie in der Regio­nal­liga-Mann­schaft der Königs­blauen im Aus­wärts­spiel in Kleve Spiel­praxis sam­melte. Bei den Schal­kern schnup­perten übri­gens gleich zwei Spieler erst­mals Bun­des­liga-Luft: Angreifer Jef­ferson Farfan und der erst 19-jäh­rige Tor­hüter Ralf Fähr­mann.

Bes­seren Start erwischten die Dort­munder

Den bes­seren Start ins 132. Revier­derby erwischten die Dort­munder. Jakub Blasz­c­zy­kowski trug in der 4. Minute einen hüb­schen und vor allem flotten Angriff über die rechte Seite vor und passte auf den im Straf­raum völlig frei­ste­henden Mohamed Zidan, doch der konnte sein Glück offenbar kaum fassen und ver­stol­perte die Ein­schuss­mög­lich­keit. Keine 120 Sekunden später gab’s den ersten klei­neren Auf­reger vor der Süd­tri­büne: Gerald Asa­moah flankte von rechts auf Heiko Wes­ter­mann (der als Schalker All­zweck­waffe diesmal im Mit­tel­feld zum Zuge kam), doch BVB-Innen­ver­tei­diger Neven Subotic klärte vor dem Jung-Natio­nal­spieler.

Eine eigent­lich harm­lose Szene führte schließ­lich in der 20. Minute zur 1:0‑Führung des FC Schalke 04. Mit­tel­stürmer Kevin Kuranyi behaup­tete im Straf­raum ein wenig umständ­lich mit dem Rücken zum Tor den hüp­fenden Ball, als Subotic zu unge­stüm zulangte: Der nur wenige Meter ent­fernt pos­tierte Schieds­richter Lutz Wagner zeigte unmiss­ver­ständ­lich auf den Punkt: Hand­elf­meter. Dem eigent­lich vor­ge­se­henen Schützen Rafinha nahm ein anderer Schalker die Ver­ant­wor­tung ab. Farfan schnappte sich das Spiel­gerät und ver­wan­delte sicher.

Die Dort­munder zeigten sich aber nur kurz beein­druckt: Zunächst hatte der wieder einmal flei­ßige Blasz­c­zy­kowski eine pas­sable Chance, sein Links­schuss aus knapp 16 Metern Distanz war für Schalkes Fähr­mann aber nur ein Appe­tit­happen. Kurz darauf ging Flo­rian Kringe bei einem Zwei­kampf mit Mar­celo Bordon im Schalker Straf­raum zu Boden, Referee Wagner zeigte jedoch mit seinen Hand­flä­chen nach oben und ließ wei­ter­spielen. Im direkten Gegenzug trieb Heiko Wes­ter­mann mit langen Schritten die Dort­munder Defen­sive vor sich her, spielte dann klug auf den mit nach vorn gestürmten Rafinha, der aus spitzem Winkel an Roman Wei­den­feller zum 2:0 (35.) vor­bei­schob.

Königs­blaue hätten alles klar machen können

In der zweiten Halb­zeit brachte Dort­munds Trainer Jürgen Klopp Stürmer Alex­ander Frei für den ange­schla­genen Nelson Valdez, was sich aber zunächst noch nicht bezahlt machen sollte. Die Schalker blieben näm­lich am Drü­cker. In der 54. Minute verlor die BVB-Abwehr bei einer Flanke von Fabian Ernst die Ori­en­tie­rung, eine Kopf­ball­ver­län­ge­rung von Kuranyi nutzte Wes­ter­mann zum 3:0. Die Königs­blauen hätten in der 63. Minute eigent­lich alles klar machen können, doch Kuranyi vergab frei­ste­hend aus kurzer Distanz. Und nun begann das eigent­liche Derby.

Einen Eck­stoß von Alex­ander Frei köpfte Neven Subotic sehens­wert zum 1:3 (66.) ein. Damit aber nicht genug: Nur vier Minuten später brachte Frei seine Borussia auf 2:3 heran. Der wun­der­schöne Links­schuss des Schweizer Natio­nal­spie­lers in den Win­kelwar für Fähr­mann unhaltbar. Bei den Schal­kern begann nun das große Flat­tern, und zwei Königs­blaue hatten ihre Nerven offenbar gar nicht mehr im Griff. Chris­tian Pander säbelte Flo­rian Kringe um, und sah dafür die Gelb-Rote Karte, in der 75. Minute stieg Fabian Ernst über­hart gegen Blasz­c­zy­kowski ein und durfte eben­falls die Sani­tär­räume des Signal-Iduna-Parks auf­su­chen.

Schalke nur noch mit neun Spie­lern – und noch eine Vier­tel­stunde zu spielen. Wäh­rend der BVB die zweite Luft bekam, bemühten sich die Gel­sen­kir­chener, den knappen Vor­sprung zu halten. Doch das gelang nicht. In der 88. Minute gab Lutz Wagner zum zweiten Mal wegen Hand­spiels einen Elf­meter. Der Übel­täter diesmal: der Schalker Innen­ver­tei­diger Mladen Krstajic. Alex­ander Frei ließ sich die Chance nicht ent­gehen und ver­wan­delte zum hoch­ver­dienten 3:3. »Man hätte das Spiel nicht mehr aus der Hand geben dürfen«, sagte ein ent­täuschter Heiko Wes­ter­mann, »wir mussten ja sogar das 4:0 machen und hatten dazu eine 1000-pro­zen­tige Chance. Es ist beson­ders bitter, dass wir dann noch das 3:3 durch einen Elf­meter bekommen.« Durch­atmen dagegen auf Dort­munder Seite. »Dieses Unent­schieden fühlt sich wie ein Sieg an«, sagte BVB-Kapitän Sebas­tian Kehl, »ich fand uns auch in den ersten 60 Minuten gar nicht so schlecht.«