Diese Geschichte ist so unglaub­lich und so span­nend wie ein Mär­chen aus 1001 Nacht“: Volkan Kahraman (38), tür­kisch-stäm­miger Ex-Natio­nal­ki­cker Öster­reichs, könnte bei den heu­tigen Wahlen ins öster­rei­chi­sche Par­la­ment ein­ziehen – und das auch noch für die katho­lisch-kon­ser­vativ geprägte Öster­rei­chi­sche Volks­partei (ÖVP), eine Art alpen­län­di­sche Schwes­ter­or­ga­ni­sa­tion von CDU und CSU. Na und? Es gehe doch schließ­lich darum, Brü­cken zu bauen, anstatt Mauern der Into­le­ranz zu ziehen“, sagt Kahraman. Vor allem in einem so kul­tur­rei­chen Land wie Öster­reich.“

Der Austro-Türke“

Schon als Teen­ager spielte Kahraman, der als Profi u.a. bei Feye­noord Rot­terdam, Trab­zon­spor und Aus­tria Wien unter Ver­trag stand, für sein Geburts­land Öster­reich. In seinem Leis­tungs­nach­weis stehen drei Ein­sätze im U16-Natio­nal­team. Damals zählte er als Austro-Türke“ noch zu den Vor­rei­tern des Multi-Kulti. In der U21-Aus­wahl (25 Ein­sätze) galt Kahraman später als großer fuß­bal­le­ri­scher Hoff­nungs­träger der Alpen­re­pu­blik. Im A‑Nationalteam, wo er 2002 als 22-Jäh­riger unter dem dama­ligen Natio­nal­coach Hans Krankl debü­tierte, blieb Kahraman jedoch der große Durch­bruch ver­wehrt. Nach drei Ein­sätzen wurde er nicht mehr berufen – auch, weil seine Klub­kar­riere, die ihn bereits als 16-Jäh­rigen zu Feye­noord geführt hatte, später ins Sto­cken geriet. Im Herbst seiner Lauf­bahn tin­gelte der offen­sive Mit­tel­feld­spieler noch durch die unter­klas­sigen Ligen Öster­reichs. Es war eine span­nende und lehr­reiche Zeit für Volkan Kahraman, die ihn mit dem Erfolg, aber auch mit dem Miss­erfolg bekannt gemacht hat.

Einige Weis­heiten aus dem Sport hat der heu­tige Dritt­liga-Coach mit hin­über in die Politik gebracht. Beim Fuß­ball küm­mert es keinen, ob du groß, klein, Öster­rei­cher oder Aus­länder bist. Das ein­zige, was wirk­lich zählt, ist, ob du deine volle Leis­tung gebracht hast und gut mit deinen Team­kol­legen zusam­men­ge­spielt hast“, sagt der Linksfuß, der poli­tisch eher auf Mitte-Rechts schwört.

Alter­na­tive für Öster­reich

Denn Kahraman kan­di­diert in seinem Heimat-Wahl­kreis Wien-Süd (Sim­me­ring, Favo­riten, Meid­ling), wo es die kon­ser­va­tive ÖVP tra­di­tio­nell schwer hat. Viele der dort lebenden alt­ein­ge­ses­senen Arbeiter wählen die sozi­al­de­mo­kra­ti­sche SPÖ. Viele andere im armen Wiener Süden, der so reich ist an Migranten, wählen lieber die FPÖ. Die Rechts­po­pu­listen könnten laut Umfragen öster­reich­weit auf rund 25 Pro­zent der Stimmen kommen. Kahraman will eine Alter­na­tive für Öster­reich sein. Sein Lieb­lings­thema ist das Zusam­men­leben der Kul­turen, kurz: Inte­gra­tion.