Seite 2: „Mir genügten wenige Augenblicke, um sein Talent zu erkennen“

Als Scout bekam er früh einen Ein­druck von Dybalas Wil­lens­stärke. Mir genügten wenige Augen­blicke, um sein Talent zu erkennen und wir for­derten sofort seinen Pass von Newell’s an.“ Sein alter Klub schickte die For­mu­lare inner­halb von drei Tagen zu, aber Dybala, 10 Jahre alt, wei­gerte sich ins Internat nach Cor­doba zu ziehen. Die Familie auf­zu­geben kam für ihn nicht infrage. Das ist bis heute so geblieben, auch in Turin wohnt er zusammen mit seiner Mutter und den zwei Brü­dern in einem Haus.

Lieber fuhr er mit Vater Adolfo stets die 55 Kilo­meter pro Strecke von seinem Hei­matort Laguna Larga in die große Stadt. Auf ihren Fahrten träumten die beiden den gemein­samen Traum vom Pro­fi­fuß­ball. Der Vater hatte es nie bis ganz nach oben geschafft, aber er wusste, welch außer­ge­wöhn­liche Bega­bung sein Sohn war. Adolfo Dybala sah ihn nie in der ersten Liga spielen. Er starb, als Paulo gerade 15 Jahre alt war. Ein ent­schei­dender Moment in der Kar­riere des Sohnes. Er ent­schied sich, doch ins Internat zu ziehen und setzte nun alles daran, Profi zu werden. Mit 17 debü­tierte er in der ersten Mann­schaft von Insti­tuto, die zu diesem Zeit­punkt in der zweiten Liga spielte. Mit 19 folgte der Wechsel zu US Palermo, mit 21 zu Juventus Turin. Eine Kar­riere wie am Reiß­brett. Paulo bringt nichts aus der Ruhe, er fügt sich überall schnell ein. Keine Ahnung von wem er das hat, wir anderen sind nicht so“, sagt sein Bruder Gus­tavo.

Grät­schen von Gat­tuso

Selbst von den Unstim­mig­keiten bei seinem Transfer von Argen­ti­nien nach Ita­lien ließ er sich nicht ablenken. Palermo zahlte 12 Mil­lionen US-Dollar, Insti­tuto erhielt aber nur 3, ein dubioser Zwi­schen­händler hatte sich die Rechte an Dybala gesi­chert. Auch die harte Schule seines ersten Trai­ners in Europa, Gen­naro Gat­tuso, machte ihm nichts aus. Milans ehe­ma­liges Rau­bein senste den 1, 77 Meter kleinen und nur 70 Kilo leichten Neu­zu­gang bei jedem Trai­nings­spiel per­sön­lich um, damit dieser sich schneller an die Härten des euro­päi­schen Fuß­balls gewöhnt. 

Palermos Prä­si­dent Mau­rizio Zam­pa­rini zeigte sich beein­druckt von Dybalas Lern­willen und tönte: Er kann sich in einen 30-Mil­lionen-Euro-Spieler ver­wan­deln, so talen­tiert ist er.“ Das war als Kom­pli­ment gemeint, auch wenn es sich aus heu­tiger Sicht so anhört, als hätte er Dybala unter­schätzt.