Es ist unmög­lich, die Augen vor dem Drama der Migranten und Flücht­linge zu ver­schließen, die ver­su­chen, euro­päi­schen Boden zu betreten.“

Diese Worte rich­tete Jorge Nuno Pinto da Costa, Prä­si­dent des FC Porto, am ver­gan­genen Freitag an UEFA-Chef Michel Pla­tini und prä­sen­tierte eine Idee: Sein Verein werde pro ver­kauftem Ticket für das erste Cham­pions-League-Heim­spiel gegen Chelsea jeweils einen Euro zugunsten von Flücht­lingen spenden. Alle 32 Klubs der Königs­klasse rief er dazu auf, es dem por­tu­gie­si­schen Verein gleich­zutun. Wenn im Schnitt 40.000 Zuschauer die Par­tien besu­chen, macht das in der Summe etwa 1,28 Mil­lionen Euro. Eine gute Geste, das schon, betrachtet man, mit wel­chen Ein­nahmen allein aus UEFA-Aus­schüt­tungen jeder teil­neh­mende Verein rechnen darf (allein die Start­prämie beträgt ab dieser Saison zwölf Mil­lionen Euro), ist das aller­dings nur ein kleines Zei­chen.

Trotzdem war Pinto da Costas Aufruf ein wich­tiger Schritt, denn er appel­lierte an alle Teil­nehmer des wich­tigsten euro­päi­schen Wett­be­werbs. In seinem Brief sprach er von der Fuß­ball-Familie“. Diese For­mu­lie­rung kennt man aus dem offi­zi­ellen Ver­bands­vo­ka­bular, zuletzt wirkte sie im der­zei­tigen Klima von Mil­lio­nen­trans­fers und dem damit zusam­men­hän­genden Kon­kur­renz­denken der natio­nalen Ligen gera­dezu zynisch. Doch mit Pinto da Costas For­de­rung musste sich nun jeder Verein als Fami­li­en­mit­glied“ aus­ein­an­der­setzen. Und sie taten es – bis Dienstag sagten alle 80 teil­neh­menden Cham­pions-League-Ver­eine zu, sich an der Aktion zu betei­ligen.

Tra­di­ti­ons­ver­eine“ und ihre Ver­ant­wor­tung

Dabei darf es aller­dings nicht bleiben. Sonst ist der Appell an Soli­da­rität und soziale Ver­ant­wor­tung“ nicht viel mehr als eine Whitewashing“-Kampagne; Ver­eine als Unter­nehmen, die, um ihr Ansehen bemüht, medi­en­wirksam eine Aktion insze­nieren, deren Effek­ti­vität äußerst frag­lich ist. Davon müssen sich Fuß­ball­klubs distan­zieren. Gerade wenn man die Bedeu­tung der Klubs als his­to­risch gewach­sene Tra­di­ti­ons­ver­eine“ ernst nimmt.

Als Verein, der um seine gesell­schaft­liche Bedeu­tung weiß, zeigte sich wieder einmal der FC Bayern: Eine Mil­lion Euro spendet der deut­sche Rekord­meister allein aus den Erlösen eines Freund­schafts­spiels für Flücht­lings­pro­jekte, hinzu kommt ein umfang­rei­ches Hilfs­kon­zept mit prak­ti­schen und sym­bo­li­schen Ele­menten. Für Karl-Heinz Rum­me­nigge war das eine Selbst­ver­ständ­lich­keit, er sprach davon, dass der FC Bayern dies als seine gesell­schafts­po­li­ti­sche Ver­ant­wor­tung“ sehe. Viele Ver­eine zogen nach, auch Real Madrid spendet eine Mil­lion. Gerade in Deutsch­land machten nicht nur die Bayern, son­dern Ver­eine aller Spiel­klassen, zum Bei­spiel Schalke, Borussia Dort­mund, FC St. Pauli, 1860 Mün­chen oder Hol­stein Kiel, durch ihr Enga­ge­ment auf sich auf­merksam.