Seite 2: „In München würden wir mit den Chaoten fertig werden!“

Juni 1988
Fuß­ball im Zei­chen der dunklen Jahre des Hoo­li­ga­nismus. Eigent­lich hatte der eng­li­schen Fuß­ball-Ver­band FA im Sommer 1988 zu einem kleinen Tur­nier laden wollen, die Gäste trugen berühmte Namen: Bayern Mün­chen, AC Mai­land, Tot­tenham Hot­spur und Arsenal London. Aber weil es bei der Euro­pa­meis­ter­schaft in Deutsch­land kurz zuvor hef­tige Schlä­ge­reien zwi­schen Eng­län­dern und Deut­schen und Eng­län­dern und Ita­lie­nern gegeben hatte, ließ man es lieber bleiben. Aus Angst vor Rache­akten der eigenen Hoo­li­gans.

Januar 1994
Spit­zen­idee vom DFB, aus­ge­rechnet am 20. April 1994 ein Län­der­spiel zwi­schen Deutsch­land und Eng­land in Ham­burg zu ver­ein­baren. Die eng­li­sche Presse nannte das eine Instinkt­lo­sig­keit“, eng­li­sche Hools schmissen ent­täuscht ihre Flug­blätter mit der Ankün­di­gung einer Neu­auf­lage des Zweiten Welt­kriegs“ weg. Warum all die Auf­re­gung? Nun, der 20. April ist der Geburtstag von Adolf Hitler. Kann ja mal vor­kommen. Die Reak­tionen ließen nicht lange auf sich warten. Ein­hel­liger Tenor: Frech­heit, gegen­über den Gewalt­be­reiten von rechts und links klein bei­zu­geben. High­light: die Aus­sage des CSU-Bun­des­tags­ab­ge­ord­neten Hartmut Kos­chyk. Wer die Hafen­strafe geduldet hat, braucht sich über die Ent­schei­dung nicht zu wun­dern. Das Spiel hätte ja in Mün­chen statt­finden können. Dort würde man wie beim Welt­wirt­schafts­gipfel mit den Chaoten fertig werden.“

Oktober 1994
Kurz nachdem ein Spiel zwi­schen Feye­noord Rot­terdam und Twente Enschede abge­sagt worden war, weil Enschedes Bür­ger­meister nach eigener Aus­sage nicht genug Poli­zisten zur Ver­fü­gung hatte, stand die Euro­pa­pokal-Partie zwi­schen Werder und Feye­noord auf dem Pro­gramm. Um mäßi­gend auf die Zuschauer ein­zu­wirken“ fragte Werder bei Rudi Carell an, ob der nicht den Sta­di­on­spre­cher mimen wollte. Rudi sagte zu, dann aber wieder belei­digt ab, weil sich Rot­ter­dams Presse über ihn lustig machte. Die Rot­ter­damer Hoo­li­gans hätte er ver­mut­lich trotzdem nicht auf­ge­halten, sie ran­da­lierten bereits im Son­derzug und zer­legten unter anderem Teile des Bahn­hofs von Osna­brück.

Februar 1995
Der Mord am einem 22-jäh­rigen Fan von Ber­bers bei Paris, der wäh­rend eines Aus­wärts­spiels gegen Drancy erschossen worden war, hatte im Februar 1994 eine Mas­sen­ab­sage zur Folge. Zu Ehren des getö­teten Anhän­gers wurden im Groß­raum Paris am Wochen­ende nach der Tra­gödie 6800 Par­tien abge­sagt.

Sep­tember 2001
Große Unsi­cher­heit nach dem Ter­ror­an­schlag von 11. Sep­tember. Viele Spiele wurden abge­sagt, bei einigen fiel die Ent­schei­dung recht spät. Zu spät, wenn man die Reise von Union Berlin zum fin­ni­schen Ver­treter Haka Val­kea­koski im Uefa-Cup bedenkt. Den Ber­li­nern teilte man die Ent­schei­dung erst mit, als sie bereits in Hel­sinki gelandet waren. Kom­mentar von Union-Spieler Michael Zechner: Mit Union spielst eh´ nie im Euro­pacup!“