Erstaun­lich finde ich nicht, dass Chris­tian Heidel gewählt wurde, son­dern dass das nicht schon früher pas­siert ist. Als er neu­lich in Mainz ver­ab­schiedet wurde, gra­tu­lierte ihm etwa Michael Reschke von Bayern Mün­chen zur besten Mana­ger­leis­tung im Fuß­ball der letzten zehn Jahre. Und das wollte er nicht nur auf Deutsch­land beschränkt wissen. 

Diesem Urteil möchte ich mich gerne anschließen, es zeit­lich aller­dings noch ein paar Jahre aus­weiten. Denn es ist ein­zig­artig im deut­schen Fuß­ball, dass ein Klub ohne große Spon­soren und Mäzene, quasi aus sich selbst heraus, so groß geworden ist wie Mainz 05. Das ist nicht allein das Werk von Chris­tian, aber ohne ihn wäre es nicht pas­siert. Womit wir schon bei seiner wich­tigsten Qua­lität sind: Er war schon immer extrem fleißig. Dazu kommt, dass Chris­tian extrem gut ver­han­deln kann, eine Menge von Zahlen ver­steht und Ver­träge schreiben kann. Er ist zudem mutig genug, starke Leute um sich zu scharen. 

Ein fauler Hund, aber ein geiler Kicker

Ein Manager muss aber auch Ent­schei­dungen treffen, und auch der Mut dazu zeichnet ihn aus. Das hat er als selb­stän­diger Unter­nehmer gelernt. Wir haben also diesen hoch­in­tel­li­genten, selb­ständig den­kenden und dazu noch bau­ern­schlauen Typen. Nun werden sich einige Leute fragen, woher ver­steht der auch noch richtig was vom Fuß­ball? Nun, Chris­tian war ein guter Kicker, der aller­dings nicht laufen wollte. Einer, der sich bei Wald­läufen das T‑Shirt nass gemacht und darauf gewartet hat, dass die Mann­schaft wieder vor­bei­kommt. Kurzum: ein fauler Hund, aber ein geiler Kicker. Und er gehört zu den Glück­li­chen, die sich nicht nur auf ihr Talent für Fuß­ball ver­lassen, son­dern im Laufe der Jahre ihr Auge dafür trai­niert haben. Wir haben ganze Sommer lang in seinem Büro ver­bracht und Videos von Spie­lern geschaut. Für mich war das eine prä­gende Zeit und für ihn sicher­lich auch. 

Mitt­ler­weile wird er 20 000 Spieler gesehen haben, so dass er schnell ein sicheres Urteil fällt. Ein gutes Bei­spiel war die Ver­pflich­tung des Japa­ners Yoshi­nori Muto. Als er den das erste Mal auf Video gesehen hat, ist Chris­tian quasi noch mit dem Laptop in der Hand nach Japan los­ge­flogen, hat unter­wegs das Mate­rial weiter ange­schaut, und als er beim Spieler auf dem Sofa saß, war das Video gerade zu Ende. Chris­tian ist ein Fuß­ball­ver­rückter und als Gesamt­paket ein wirk­li­ches Brett. Ich kann, auch wenn es mir schwer­fällt, Schalke zu seiner Ver­pflich­tung gar nicht genug gra­tu­lieren. Und ich bin sehr stolz darauf, dass wir schon so lange Freunde sind.