Atlé­ticos Spieler war­teten darauf, dass ihr Kapitän den Pokal in die Höhe stemmen würde. Doch statt vor die Kol­legen zu treten, lief Gabi durch die Traube an Spie­lern gera­de­wegs auf Fer­nando Torres zu und drängte ihn nach vorn. Zusammen rissen sie die Europa-League-Tro­phäe in die Luft. Kon­fet­ti­regen. Laute Musik. Gren­zen­loser Jubel. El Nino“ gewann im letzten Spiel für Atlé­tico seine erste Tro­phäe mit dem Klub seiner Jugend. Es ist der roman­ti­sche Schluss­punkt unter der Kar­riere des Fer­nando Torres.

Zehn Tage

Eine Kar­riere, in der der Spa­nier unheim­lich erfolg­reich war. Stell­ver­tre­tend dafür, sind zehn Tage im Mai 2013. Am 15. findet in Ams­terdam das Europa-League-Finale statt. Chelsea spielt gegen Ben­fica Lis­sabon. Der FC Chelsea gewinnt das Spiel mit 2:1, Torres schießt für die Blues den Füh­rungs­treffer. Das Finale der Königs­klasse findet erst am 25. statt. Dort wird der Nach­folger des FC Chelsea ermit­telt, wes­halb sich Fer­nando Torres zehn Tage lang als amtie­render Cham­pions-League- und Europa-League-Sieger, Europa‑, sowie Welt­meister vor­stellen darf.

Torres’ Lauf­bahn ist geprägt von Gegen­sätzen. Die genannten Titel gewinnt er mit dem FC Chelsea und der spa­ni­schen Natio­nal­mann­schaft, wirk­lich auf­blühen kann der 110-malige Natio­nal­spieler im Trikot des FC Liver­pool, und im Dress von Atlé­tico Madrid. Dass er in der Natio­nal­mann­schaft nie eine der ganz prä­genden Figuren werden kann, so wie Iniesta, Xavi, Carles Puyol oder Sergio Ramos, liegt auch daran, dass die Ent­wick­lung des spa­ni­schen Spiel­stils sich irgend­wann von ihm weg­be­wegt hat.

Keine fal­sche Neun

Denn es ist kein Zufall, dass er im Alter von 24, nach einer fan­tas­ti­schen Saison für den FC Liver­pool, im Finale der EM 2008 das Siegtor schießt. Es ist ein Treffer der exem­pla­risch ist für das Spiel des Fer­nando Torres. Xavi spielt einen Ball in den Straf­raum, der eigent­lich zu lang ist. Doch Spa­niens Nummer Neun sprintet los, arbeitet sich an Philipp Lahm vorbei und über­lupft den her­aus­stür­zenden Jens Leh­mann. Spa­nien ist Euro­pa­meister.

Die Furia Roja“ und ihr Star mit den vielen Som­mer­sprossen, der als Kind im Tor spielen wollte bis der Ball ihm einen Zahn aus­schlug, passen gna­denlos gut zuein­ander. Torres ist explosiv im Antritt, ver­fügt über eine sau­bere Ball­an­nahme und braucht oft nur einen oder zwei Kon­takte um abzu­schließen. Wäre er fünf Jahre früher geboren, die WM 2002 hätte sein Durch­bruch werden können. Er stünde heute even­tuell auf einer Stufe mit Stür­mern wie Ronaldo oder Thierry Henry.