Mit dem Klas­siker Bayern Mün­chen gegen Borussia Mön­chen­glad­bach soll die Bun­des­liga an diesem Freitag (20.30 Uhr, live bei Sat1 und Dazn) in die Rück­runde starten. Deutsch­lands Rekord­na­tio­nal­spieler Lothar Mat­thäus, 60, hat für beide Ver­eine gespielt. 1979 begann er bei den Glad­ba­chern seine Kar­riere als Pro­fi­fuß­baller, 1984 wech­selte er für eine Ablöse von 2,4 Mil­lionen Mark zu den Bayern.

Herr Mat­thäus, Ihr Wechsel von Borussia Mön­chen­glad­bach zu Bayern Mün­chen hat 1984 großen Wirbel aus­ge­löst. Wie war das eigent­lich in Ihrer Hei­mat­stadt Her­zo­gen­au­rach, als Sie von einem Puma- zu einem Adidas-Klub gewech­selt sind?
Ob das in Her­zo­gen­au­rach eine große Rolle gespielt hat, das weiß ich nicht mehr. Ich habe ja damals schon nicht mehr dort gelebt. Aber es stimmt schon: Bayern Mün­chen und Borussia Mön­chen­glad­bach waren damals die Aus­hän­ge­schilder der beiden großen deut­schen Sport­ar­ti­kel­her­steller Adidas und Puma. Beide Unter­nehmen sind in Her­zo­gen­au­rach ansässig. Die Gründer waren Brüder, die sich später zer­stritten haben. Des­halb wird man in der Stadt ganz sicher über meinen Wechsel zu den Bayern gespro­chen und dis­ku­tiert haben.

Man hört und liest oft, dass Her­zo­gen­au­rach durch die Kon­kur­renz zwi­schen Puma und Adidas quasi eine geteilte Stadt gewesen sei. War es wirk­lich so schlimm?
In den Sieb­zi­gern und Acht­zi­gern war das schon noch eine beson­dere Situa­tion, ein biss­chen wie in Berlin zu Zeiten der Tei­lung. Nur dass es keine Mauer gab, son­dern die Aurach, einen fünf Meter breiten Fluss, der mitten durch die Stadt fließt und sie in zwei Hälften teilt. Rechts war Adidas, links Puma. Aber immerhin gab es Brü­cken, und man durfte auch ohne Pass­kon­trolle auf die andere Seite gehen.

Jede Seite hatte ihre eigene Bäckerei, ihre eigene Metz­gerei“

Wie war es mit per­sön­li­chen Kon­takten zwi­schen den Bewoh­nern beider Seiten?
Im Nach­hinein ist das auch ein biss­chen auf­ge­bauscht worden. Aber ein Puma-Mit­ar­beiter ist nicht zum Adidas-Metzger gegangen, das ist schon richtig. Jede Seite hatte ihre eigene Bäckerei, ihre eigene Metz­gerei. Es gab auch zwei Fuß­ball­ver­eine. Der eine, der 1. FC Her­zo­gen­au­rach, wurde von Puma unter­stützt, der andere, der ASV, von Adidas. Wir sind schon so erzogen worden, dass wir die andere Seite meiden. Und wir wussten auch, wo wir als Kinder und Jugend­liche hin­gehen sollten und wo wir nicht hin­durften.

Nach Ihrem Wechsel vom Puma-Klub Borussia zum Adidas-Verein Bayern haben Sie immerhin weiter in Puma-Schuhen gespielt.
Ich glaube, ich war sogar der erste Spieler der Bun­des­liga, für den es eine solche Rege­lung gab; der erste, der in einer anderen Schuh­marke gespielt hat als der Rest seiner Mann­schaft. Das war meine ein­zige Bedin­gung für den Wechsel nach Mün­chen. Mir ging es nicht um Geld. Ich habe bei den Ver­hand­lungen mit Uli Hoeneß gesagt: Uli, hör zu: Eine Sache muss geklärt werden: Ich habe mit Puma einen Ver­trag und will auch wei­terhin in Puma spielen – es sei denn, Puma und Adidas einigen sich irgendwie ander­weitig.“

Fotostrecke: Die besten Bilder von Lothar Matthäus

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18 Jahre ist Lothar Mat­thäus alt, als er hoch­ta­len­tiert und frisch fri­siert von Hei­mat­klub 1. FC Her­zo­gen­rauch zu Bun­des­li­gist Borussia Mön­chen­glad­bach wech­selt. Süßes Lächeln, kleiner Pickel am Kinn. Die Unschuld vom Lande.

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Son­nyboy Lothar. Gleich im ersten Jahr schafft er den Sprung in die Startelf, Trainer Jupp Heynckes schenkt dem jungen Mann sein Ver­trauen und der zahlt es ihm zurück. Mit Lothar zieht Glad­bach ins UEFA-Cup-Finale ein, unter­liegt dort aber Ein­tracht Frank­furt.

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Natür­lich gibt’s in der eigenen Jung­ge­sel­len­bude erst einmal Dosen­fraß.

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Lieb­ling der Fans, vor allem der in den frühen acht­ziger Jahren noch spär­li­chen weib­li­chen Zuschauer.

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Stolz wie Oskar lässt Mat­thäus sein Natio­nal­trikot vom elter­li­chen Balkon hängen. Sein Debüt gibt er am 14. Juni 1980 in Neapel gegen Hol­land, Grup­pen­spiel der Euro­pa­meis­ter­schaft. In der 79. Minute ver­ur­sacht Mat­thäus einen Elf­meter, aber Deutsch­land gewinnt mit 3:2 und später auch das Tur­nier. Aller­dings ohne einen wei­teren Ein­satz von Lothar Mat­thäus, der dem über­ra­genden Bernd Schuster wei­chen muss.

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Doch auch ohne Ein­satz weiß Mat­thäus, die Arri­vierten um sich zu scharen.

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Das Trikot der EM ist bei Mama Mat­thäus in besten Händen.

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Der Euro­pa­meister und Jung­star als Sex­symbol. Kein Wunder, dass die Frauen bald Schlange stehen.

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Lothar und die Frauen. Ein Dau­er­thema, das früh beginnt. Hier sucht er mit Sylvia nach einem Bett im Korn­feld.

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Trägt seine Frau auf Händen: Lothar Mat­thäus.

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Hier fach­sim­pelt HSV-Star Felix Magath mit Glad­bachs Kapitän Mat­thäus vor dem Bun­des­li­ga­spiel am 14. April 1984, das der HSV mit 2:1 gewinnen wird.

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Wo ein Jung­star ist, da ist die Bravo nicht weit. Am 2. Mai 1985 hat Mat­thäus einen legen­dären Auf­tritt beim Bravo-Club Star­treff. Telefon und Tri­kots liegen schon bereit, das Shirt ist heute ver­boten.

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Als die Bravo anruft, ist Mat­thäus längst ein Mün­chener: Nach der Saison 1983/84 wech­selt er zum FC Bayern, die Gesten hat er da schon längst drauf. Hier ganz lässig im Aus­wärts­spiel bei Schalke 04.

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Voll­spann immer, Hacke nimmer: Bei den Bayern wird Mat­thäus zum deut­schen Super­star und schließt die Lücke, die nach dem Abschied von Karl-Heinz Rum­me­nigge und Paul Breitner ent­standen war. 1985, 1986 und 1987 führt Mat­thäus die Bayern zur Meis­ter­schaft – auch mit sol­chen Gewalt­schüssen.

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Meis­ter­schaft Nummer zwei, fre­ne­tisch und halb­nackt gefeiert von Mat­thäus (ganz links) und den Kol­legen Dieter Hoeneß und Klaus Augen­thaler (Hand jeweils an der Schale).

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In der Natio­nal­mann­schaft wird Mat­thäus unter Team­chef Franz Becken­bauer zum Stamm­spieler. Bei der WM 1986 in Mexiko bildet er gemeinsam mit Felix Magath das Mit­tel­feld­ge­spann. Hier erkundet El Lothar die mexi­ka­ni­schen Sehens­wür­dig­keiten. Den Hut gabs gratis.

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Im WM-Finale 1986 soll Lothar Mat­thäus Argen­ti­niens Super­star Diego Mara­dona auf­halten, aber der ist in diesem Tur­nier ein­fach nicht zu stoppen und spielt trotz der Son­der­be­wa­chung den ent­schei­denden Pass auf Bur­ruchaga. Argen­ti­nien gewinnt mit 3:2 und wird Welt­meister.

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Auf Mara­dona trifft Mat­thäus in seiner Lauf­bahn immer wieder. Ob hier beim Vier-Länder-Tur­nier in Berlin…

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… oder hier in der ita­lie­ni­schen Liga mit Inter gegen Neapel…

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… oder beim WM-Finale 1990…

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… oder bei Mat­thäus’ Abschieds­spiel…

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… oder bei Wetten, dass?! – Immer wieder kreuzen sich die Wege der beiden Welt­klas­se­spieler.

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Mat­thäus muss zwar auf dem WM-Pokal ver­zichten, sahnt dafür aber allerlei Fan­ta­sie­preise ab, hier eine offen­sicht­liche Früh­auf­lage des später ver­lachten Franz-Becken­bauer-Cups“.

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Deutsch­land, deine Sport­helden: Hier schä­kern Ten­nis­gräfin Steffi und Fuß­ball­lo­thar Mat­thäus bei einem Spaß­tur­nier in Mün­chen anno 1986.

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Längst ver­griffen sind diese Hosen, die (von links) Andreas Brehme, Lothar Mat­thäus und Helmut Winkl­hofer am 14. Februar 1988 zur Schau tragen. Bayern ver­passt 1988 die Meis­ter­schaft und muss schon bald dem hier noch rot-weiß gestreiften Duo Brehme/​Matthäus Lebe­wohl sagen…

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… das 1988 bei Inter Mai­land anheuert. Allein Mat­thäus kostet satte 8,4 Mil­lionen Mark. Kurz vor diesem Schnapp­schuss haben die Natio­nal­spieler Brehme und Mat­thäus die EM-Titel im eigenen Land ver­passt. Den Titel holt der deut­sche Halb­fi­nal­gegner Hol­land.

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Von seinem Wechsel nach Ita­lien liest Mat­thäus natür­lich zuerst in der Gazzetta Dello Sport.

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Fortan arbeitet Mat­thäus dort, wo andere Urlaub machen. Und macht Urlaub dort, wo er zuvor gear­beitet hat. Hier mit Sylvia und Drinks am Tegernsee.

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Doch die Ver­su­chungen der Frau­en­welt sind zu groß. Nach Slyvia lässt er sich von Lolita ver­führen.

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Was 1986 nicht sein sollte, klappt 1990. Mit einem über­ra­genden Lothar Mat­thäus (hier neben den eben­falls groß­ar­tigen Andreas Brehme und Pierre Litt­barski) wird Deutsch­land nach 1954 und 1974 Welt­meister. 1990 ist das Jahr des Mat­thäus: Er wird Welt­fuß­baller und Europas Fuß­baller des Jahren und – natür­lich – auch in Deutsch­land Fuß­baller des Jahres. 1991 kürt man ihn gar zum Welt­sportler des Jahres.

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Kennt sich mit Fohlen aus: Lothar Mat­thäus.

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Der Tief­punkt folgt ein Jahr später: Ein Kreuz­band­riss reißt Mat­thäus aus allen Zukunfts­plänen, Inter ver­län­gert den Ver­trag nicht mehr, der geplante Wechsel zu Juventus Turin kommt nicht zu Stande und auch die EM 1992 muss Mat­thäus absagen. Im gleich Jahr wech­selt er schließ­lich für 4 Mil­lionen Mark zurück zum FC Bayern. Aus heu­tiger Sicht ein sen­sa­tio­nelles Schnäpp­chen. Unser Bild zeigt ihn 1993 mit der Natio­nal­mann­schaft bei seinem 100. Län­der­spiel.

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Lothar und Lolita auf der Suche nach dem Gipfel der Lust. Im eigenen Garten.

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Die WM 1994 gerät zur deut­schen Kata­strophe. Der zer­strit­tene Titel­ver­tei­diger fliegt schon im Vier­tel­fi­nale gegen Bul­ga­rien raus.

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Zum 34. Geburtstag gibt es eine dicke Torte. Inklu­sive merk­wür­diger Blicke in die Zukunft: Nach der Kar­riere Bun­des­sport­mi­nister“ Nun ja, immer noch wahr­schein­li­cher als Greenk… ach, lassen wir das.

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Eines der bekann­testen Fotos der deut­schen Fuß­ball­ge­schichte: Mat­thäus und der Heuler gegen Andreas Möller. Die Heul­suse Möller“ ist geboren.

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Ist schon drin: Lothat Math­häus.

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Hund, Kind, Spiel­zeug, tolle Sofa­land­schaft, rie­sige Topff­planze: Schöner wohnen mit Lothar und Lolita.

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Lothar, wenn du in diesem Verein später mal eine Funk­tion über­nehmen willst, musst du dich zusam­men­reißen!“

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Pres­se­ter­mine bei den Bayern sehen Ende der neun­ziger Jahre auch schon mal so aus: Fri­sches Weizen für die dürs­tende Kehlen. Als erster greift über­ra­schend Mario Basler zu. Mat­thäus schaut aber auch recht inter­es­siert.

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Zudem folgt Ende der Neun­ziger auf Lolita die Tochter des Bayern-Mann­schafts­arztes, Maren Müller-Wohl­fahrt. Das Pär­chen MaMü­Wo­LoMa ist geboren.

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Die größte sport­liche Ent­täu­schung einer zu Ende gehenden Welt­kar­riere: 1999 wird Mat­thäus im Cham­pions-League-Finale gegen Man­chester United kurz vor dem Ende aus­ge­wech­selt, den Eng­län­dern gelingen noch zwei späte Tore und der sen­sa­tio­nelle Tri­umph von Bar­ce­lona.

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Der Cham­pions-League-Pott ist der ein­zige Pokal, der Mat­thäus ver­wehrt bleibt. Als die Bayern 2001 den FC Valencia im Finale schlagen, ist Mat­thäus nicht mehr dabei. Ein Jahr zuvor feiert er seinen Abschied von der großen Fuß­ball­bühne und ver­ab­schiedet sich in Rich­tung New York Metro Stars. Sein letztes Pflicht­spiel für die Bayern gibt er am 8. März 2000 beim 4:1‑Sieg in der Cham­pions League gegen Real Madrid.

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Der Wechsel in die USA ani­miert die Presse zu wilden Foto­mon­tagen.

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Um mit den Ent­wick­lungen des modernen Fuß­balls Schritt zu halten, muss er sich ganz schön stre­cken.

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Zum 39. Geburtstag gibt’s eine zünf­tige Brot­zeit inmitten luf­tiger Höhen auf dem Dach eines Wol­ken­krat­zers.

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In New York bleibt Mat­thäus nur wenige Monate, dafür wird er von einem lus­tigen Body­guard namens Michael Nice begleitet. Schade, dass Michael Knight offenbar zu teuer war.

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Einen so wür­digen Abschied wie bei den Bayern bekommt Mat­thäus als Natio­nal­spieler nicht. Im Gegen­teil: Sein letztes von ins­ge­samt 150 Län­der­spielen (bis 2007 Welt­re­kord) absol­viert er am 20. Juni 2000 im letzten EM-Vor­run­den­spiel gegen Por­tugal. Deutsch­land ver­liert mit 0:3, Mat­thäus wird vor­ge­worfen, mit seinem Wechsel in die USA die eigene Form ver­saut zu haben.

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Danke. Thanks. Grazie. Nach mehr als 20 Jahren beendet Lothar Mat­thäus 2000 seine unglaub­liche Kar­riere. Dafür gibts eine saf­tige Umar­mung von Uli Hoeneß.

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Es folgt der Wechsel auf die Trai­ner­bank: Im Sep­tember 2001 über­nimmt er bei Rapid Wien. Ein halbes Jahr später, nach einem his­to­risch schlechten achten Platz und dem Vor­wurf ver­eins­schä­di­gender Äuße­rungen, muss er schon wieder gehen.

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Anschlie­ßend heuert er mitten im ser­bi­schen Winter bei Par­tizan Bel­grad an. Er führt den Klub zur Meis­ter­schaft und in die Cham­pions League.

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Es folgt der Posten des Natio­nal­trai­ners von Ungarn. In dieser Funk­tion fügt er der deut­schen Natio­nal­mann­schaft im Vor­feld der EM 2004 eine emp­find­liche 0:2‑Niederlage bei. Aus­ge­rechnet im Spiel zum 50. Jubi­läums des Wun­ders von Bern.

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Hier zitiert Lothar das Mat­thäus-Evan­ge­lium bei seinem neuen Verein Ath­le­tico Para­na­ense.

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Mit dem Klub will er an die dicken Fleisch­töpfe.

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Aller­dings tritt er schon nach einem Monat wieder zurück. Immerhin hat er gut gegessen.

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Wenige Monate später lernt er die dunkle Seite des Fuß­ball­ge­schäfts kennen und wird Co-Trainer von Gio­vanni Tra­pat­toni bei Red Bull Salzbug.

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Ein wei­terer Ver­such: 2008 über­nimmt Mat­thäus den israe­li­schen Erst­li­gisten Mac­cabi Netanja. Nicht einmal ein Jahr später wird der Ver­trag auf­grund finan­zi­eller Pro­bleme des Ver­eins auf­ge­löst.

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Ein letzter Ver­such: Als Natio­nal­trainer soll Lothar Mat­thäus Bul­ga­rien zur EM führen. Am Ende der Qua­li­fi­ka­tion belegt die Mann­schaft den letzten Platz, Mat­thäus wird ent­lassen.

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Seit Beginn der Bun­des­liga-Saison 2012/13 ist Mat­thäus als Experte fester Bestand­teil der Bericht­erstat­tung bei Sky. Regel­mäßig ist er beim Dopp­spiel der Woche tätig.

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Zum 60. Geburtstag von Lothar Mat­thäus sagen wir: Happy Bir­thday, Lothar! Deine 11FREUNDE aus Berlin“

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Die Gespräche zwi­schen Puma und Hoeneß sollen ziem­lich heftig gewesen sein.
Uli hat gesagt, er werde sich darum küm­mern. Was er genau gemacht hat, das weiß ich nicht. Aber mir war von Anfang klar, dass Puma mich auch auf­grund der lang­jäh­rigen Bezie­hung nicht zum größten Kon­kur­renten, noch dazu aus dem­selben Ort, ziehen lassen würde. Als fest­stand, dass ich zu Borussia Mön­chen­glad­bach wech­seln würde, habe ich gleich einen Aus­rüs­ter­ver­trag bekommen – ohne dass ich ein ein­ziges Bun­des­li­ga­spiel bestritten hatte. Des­halb war in meinem Ver­trag mit den Bayern ein­deutig fest­ge­schrieben: Gibt es keine Eini­gung zwi­schen Adidas und Puma, darf ich wei­terhin in Puma spielen.

Woher kam Ihre enge Bezie­hung zu Puma?
Durch meine Familie. Mein Vater hat 40 Jahre im Unter­nehmen gear­beitet. Er war eigent­lich gelernter Schreiner, aber als Haus­meister bei Puma so etwas wie das Mäd­chen für alles. Wir wohnten direkt neben dem Werks­ge­lände. Meine Mutter war eben­falls für Puma tätig. Sie saß zu Hause an der Stepp­ma­schine und hat Fuß­ball­schuhe zusam­men­ge­näht. Und als Schüler habe ich in den Som­mer­fe­rien natür­lich bei Puma gear­beitet, habe in der Kan­tine aus­ge­holfen oder im Lager Schuh­kar­tons sor­tiert. Als ich noch kleiner war, bin ich meinen Vater auch oft bei der Arbeit besu­chen gegangen. Ich kannte alle, und alle kannten mich. Dadurch war ich als kleiner Lausbub fast so etwas wie das Mas­kott­chen von Puma.

Kannten Sie auch Rudolf Das­sler, den Fir­men­gründer?
Natür­lich. Ich durfte jeder­zeit in sein Büro und mir von den weg­ge­wor­fenen Brief­um­schlägen die Brief­marken ablösen. Unser Ver­hältnis war fast so wie zwi­schen Groß­vater und Enkel. Er ist mit mir an der Alt­mühl angeln gewesen, ich habe ihn auch zu Hause besucht und bekam ab und an neue Schuhe, einen Trai­nings­anzug oder einen Ball von ihm geschenkt.

In Ihrer Auto­bio­grafie schreiben Sie, dass Sie von Das­sler auch Ihr erstes Auto bekommen haben.
Ja, das war so. Aber nicht von Rudolf, son­dern von seinem Sohn Armin, der die Geschäfte nach dem Tod seines Vaters geführt hat. Irgend­wann hat er mich gefragt, ob ich schon meinen Füh­rer­schein gemacht hätte. Ich war gerade dabei. Das­sler ging in seinem Büro ans Fenster und zeigte nach draußen auf einen grünen Golf. Wenn du den Füh­rer­schein hast, kommst du zu mir. Dann ist der Golf deiner“, sagte er. Aber bring eine D‑Mark mit!“

Wieso das?
Als ich ihm paar Wochen später meinen Füh­rer­schein zeigte, sagte Armin Das­sler, ich solle zu seiner Sekre­tärin gehen und von ihr einen Kauf­ver­trag auf­setzen lassen. Die Sekre­tärin wusste schon Bescheid. Ich gab ihr eine Mark und bekam einen Pfennig zurück. So hatte ich für 99 Pfennig mein erstes Auto gekauft, einen gebrauchten Golf mit 50 PS und 60 000 Kilo­meter auf dem Tacho.

Ich war Borussia Mön­chen­glad­bach durch und durch“

Welche Rolle hat Puma 1979 bei Ihrem Wechsel zu Borussia Mön­chen­glad­bach gespielt?
Durch Puma bin ich Fan von Borussia Mön­chen­glad­bach geworden. Es hat Poster gegeben, Schuhe mit den Namen der Spieler. Ich hatte die ganze Mann­schaft von Borussia Mön­chen­glad­bach über dem Bett hängen, und Günter Netzer war mein Hero. Als ich elf war und der Foto­graf für das Klas­sen­foto in die Schule kam, hatte ich ein T‑Shirt mit dem Kon­terfei von Günter Netzer an. Das war eben die große Anfangs­zeit von Borussia in der Bun­des­liga, mit den ersten Meis­ter­schaften und den ersten inter­na­tio­nalen Erfolgen. Ich war Borussia Mön­chen­glad­bach durch und durch. Und irgend­wann war man selbst dabei.

Wissen Sie noch, ob Borussia mal bei Puma in Her­zo­gen­au­rach zu Besuch war?
Ab und zu hat man ein­zelne Spieler von Borussia bei Puma gesehen, Berti Vogts, Jupp Heynckes oder Günter Netzer. Und ein- oder zweimal war auch die ganze Mann­schaft da. So wie die Bayern bei Adidas. Aber die sind natür­lich etwas häu­figer in Her­zo­gen­au­rach gewesen.

Du weißt doch, dass ich Borussia-Mön­chen­glad­bach-Fan bin, und natür­lich wäre es super, wenn ich für diesen Verein spielen könnte“

Wie ist Ihr Wechsel nach Mön­chen­glad­bach von­stat­ten­ge­gangen?
Dass ich zu Borussia gewech­selt bin, lag spe­ziell an Pumas PR-Chef Hans Nowak, einem ehe­ma­ligen Natio­nal­spieler, der für Bayern, Schalke und Offen­bach gespielt hatte. Er war nicht nur PR-Chef bei Puma, son­dern auch Rat­geber und teil­weise sogar Trainer bei dem Verein, für den ich damals gespielt habe.

Beim 1. FC Her­zo­gen­au­rach.
Genau. Hans kannte ich sehr gut. In seinem Büro hatte er einen eigenen Kühl­schrank, der ist immer von meinem Vater auf­ge­füllt worden. Puma war ja wie eine große Familie, man ist sich ein­fach häufig über den Weg gelaufen. Des­halb wusste Hans natür­lich auch, für wel­chen Verein ich schwärmte. Trotzdem hat er mich irgend­wann einmal pro­vo­kativ gefragt: Lothar, wenn du die Mög­lich­keit hät­test, in der Bun­des­liga zu spielen: Zu wel­chem Verein wür­dest du am liebsten gehen?“ – Hans“, habe ich geant­wortet, du weißt doch, dass ich Borussia-Mön­chen­glad­bach-Fan bin, und natür­lich wäre es super, wenn ich für diesen Verein spielen könnte.“

Wussten Sie, dass er den Kon­takt zu Borussia her­ge­stellt hatte?
Ja, ich wusste alles. Helmut Gras­hoff hatte mich ange­rufen, und dann ist Jupp Heynckes nach Her­zo­gen­au­rach gekommen. Damals war er noch Assis­tent von Udo Lattek, aber es war schon klar, dass er ihn im Sommer 1979 als Chef­trainer ablösen würde. Jupp Heynckes hat sich ein Spiel von mir ange­schaut. Ich weiß sogar noch, wel­ches.

Näm­lich?
Gegen die Spiel­ver­ei­ni­gung Vohen­strauß aus der Ober­pfalz, Lan­des­liga, Senioren. Ich war damals 17 Jahre alt. Dass Jupp Heynckes sich das Spiel ange­schaut hat, war natür­lich ein Rie­sen­ge­sprächs­thema. Man wusste auch, dass er mei­net­wegen da war. Wir haben das Spiel 5:1 gewonnen, und ich habe zwei Tore gemacht.

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Bei dem Bei­trag han­delt es sich um die gekürzte Fas­sung eines Inter­views aus dem Buch Das Glad­bach-Trikot. Von 1900 bis heute“ von Stefan Appeno­witz, Mat­thias Gorke und Tages­spiegel-Redak­teur Stefan Her­manns. Es ist im Verlag Die Werk­statt erschienen (256 Seiten, 29,90 Euro). An dieser Stelle erscheint das Inter­view im Rahmen einer Koope­ra­tion mit dem Tages­spiegel.

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