Chris Bullock, zwi­schen Lesotho und Darm­stadt liegen 9000 Kilo­meter. Warum trai­niert die Mann­schaft des Kick4Life FC in Tri­kots von Darm­stadt 98?
Im Januar 2018 war Alex Lehne vom Darm­städter Fan­pro­jekt im Süden Afrikas, wo er auch ein paar Fuß­ball­spiele besu­chen wollte. Deut­sche gehen ja gerne groundhoppen. Er fragte mich, ob auch in Lesotho gespielt würde. Wir ver­ab­re­deten uns zu eine Partie unserer U18, unter­hielten uns viel über den Fuß­ball in Lesotho, und bald kamen wir auf die Idee einer Koope­ra­tion. Alex schlug dann vor, unsere Teams mit Tri­kots von Darm­stadt 98 zu unter­stützen. Seitdem trai­nieren unsere Herren- und Damen­mann­schaften und unser Nach­wuchs­teams in diesen Leib­chen.

Den Klubs in Lesotho fehlt es also an Aus­rüs­tung und Equip­ment?
Dem Land geht es wirt­schaft­lich nicht gut, das zeigt sich auch im Fuß­ball. Die meisten Klubs werden von Pri­vat­per­sonen geführt und von kleinen Firmen gespon­sert. Viele Spieler könnten sich selbst nicht mal Fuß­ball­schuhe leisten, denn durch­schnitt­lich ver­dienen sie gerade mal 100 bis 200 Euro pro Monat. Das ist auch in Lesotho nicht viel. Also arbeiten sie nebenher. Beson­ders beliebt sind des­halb die Regie­rungs­teams, zum Bei­spiel der Polizei- oder der Gefäng­nis­klub. Wenn man dort spielt, bekommt man oft direkt einen Job in dieser Insti­tu­tion.

Was machen die Spieler des Kick 4 Life FC?
Wir haben zum Bei­spiel Lehrer, Beamte oder Spe­di­teure. Jün­gere Spieler gehen noch zur Schule oder zur Uni­ver­sität. Aber momentan ist die Situa­tion für alle nicht ein­fach.

Laut der Johns Hop­kins Uni­ver­sity ist Lesotho eines von 16 Län­dern, das noch keinen Corona-Fall gemeldet hat. Haben sich das Leben und der Fuß­ball in den ver­gan­genen Tagen trotzdem ver­än­dert?
Auch unsere Regie­rung hat prä­ventiv einen Lock­down beschlossen, das all­täg­liche Leben ist zum Erliegen gekommen. In einem Land wie Lesotho ist diese Situa­tion beson­ders hart, denn vieles spielt sich nor­ma­ler­weise auf der Straße ab, es gibt hier unzäh­lige Märkte und flie­gende Obst- und Gemü­se­händler. Viele eh schon arme Men­schen werden noch weiter in die Armut gedrängt. Auch der Fuß­ball findet momentan nicht statt. Wie überall sind die Spieler ange­halten, zu Hause zu trai­nieren. Wir wissen auch nicht, wie und ob es wei­ter­geht. Es wird für viele Ver­eine schwierig, wenn die Spon­soren abspringen oder Gehälter nicht mehr gezahlt werden können.

Sie arbeiten seit 2013 als Director Foot­ball beim Kick4Life FC. Laut Wiki­pedia ist es der welt­weit ein­zige Fuß­ball­klub, der aus­schließ­lich auf posi­tive soziale Ver­än­de­rungen aus­ge­richtet ist“. Was sind Ihre kon­kreten Ziele?
Lesotho hat die zweit­höchste HIV-Rate der Welt, rund 25 Pro­zent der erwach­senen Bevöl­ke­rung in Lesotho hat Aids (nur Swa­si­land hat mit 27 Pro­zent einen höheren Wert, d. Red.). Aus diesem Grund wurde 2005 in Groß­bri­tan­nien die Orga­ni­sa­tion Kick4Life gegründet. Wir wollten leso­thi­sche Kinder und Jugend­liche über HIV auf­klären. Dar­über wie man sich schützt oder wie man HIV behan­deln kann. Im Laufe der Jahre haben wir uns aber auch anderen Fel­dern ange­nommen. Wir bereiten Kinder aufs Leben vor. Wir bringen ihnen bei, wie man sich für Jobs bewirbt und einen Lebens­lauf schreibt. Oder wir spre­chen mit ihnen über Themen wie Gender und Dis­kri­mi­nie­rung. Das Fuß­ball­team kam erst später, 2009 haben wir es gegründet.

Chris Bullock

Bullock

wurde in Deutsch­land geboren und wuchs im eng­li­schen Ports­mouth auf. Er stu­dierte Sozial- und Sport­wis­sen­schaften sowie Wirt­schafts­wis­sen­schaften. Kick4Life lernte er über einen Freund kennen. Er nahm dar­aufhin an einer Fund­rai­sing-Tour nach Lesotho teil. Seit 2013 arbeitet er beim Kick4Life FC als Director Foot­ball in der Haupt­stadt Maseru. Er ist ver­ant­wort­lich für alle Teams von den Jugend- über die Herren- bis zu den Damen-Mann­schaften.

Mitt­ler­weile spielt es in der leso­thi­schen Pre­mier League. Ein sen­sa­tio­neller Durch­marsch?
Nun, wir haben die Spiel­li­zenz einer Mann­schaft aus der Zweiten Liga gekauft. Es war das Nach­wuchs­team eines Erst­li­ga­klubs, dem es offenbar zu auf­wändig und kost­spielig war, zwei Teams zu führen. Trotzdem hatten wir anfangs gar nicht vor, unsere Mann­schaft pro­fes­sio­nell zu orga­ni­sieren, das Team blieb ein Zusam­men­schluss von Mit­ar­bei­tern, eine Art Hobby-Team. Dann aber stiegen wir in die Erste Liga auf und brauchten Struk­turen. Auch weil wir eine Damen­mann­schaft und Jugend­teams auf­bauen wollten. So wurde der Kick4Life FC geboren.

Sport­lich scheint es gut zu laufen. In der ver­gan­genen Saison wurde das Team Fünfter.
Das Män­ner­team hat die letzten vier Sai­sons immer unter den besten sechs Mann­schaften abge­schlossen, das Frau­en­team ist eines der besten des Landes. Einige Spieler- und Spie­le­rinnen haben Sti­pen­dien für die USA bekommen, und andere sind in mitt­ler­weile in aus­län­di­schen Ligen aktiv.