Seite 2: Wie Ferydoon Zandi mich zum Fan machte

Er und meine Groß­mutter waren beide gehörlos. Ein Auto hatten sie nicht, denn sie hätten es ohnehin nicht fahren dürfen. Also konnte mein Opa mich nicht ein­fach auf einen Kin­der­sitz packen und mit mir ins andert­halb Stunden ent­fernte Kai­sers­lau­tern fahren, um aus seinem Enkel einen Fan zu machen, wie mein Opa selbst einer war.

Weil wir von Hankook nur vier Karten für den VIP-Bereich bekommen hatten, schaute mein Groß­vater sich die Begeg­nung alleine von einer nicht gepols­terten Sitz­schale im Fritz-Walter-Sta­dion an. Das Wetter war so, wie man sich einen Novem­bertag auf dem zugigen Bet­zen­berg vor­stellt. Ich erin­nere mich noch daran, ein schlechtes Gewissen gehabt zu haben, weil mein Groß­vater irgendwo draußen im Kalten saß, wäh­rend meine Freunde und ich vor Anpfiff in einem beheizten Raum Apfel-Meer­ret­tich-Suppe schlürften.

Das erste Trikot unterm Christ­baum

Das Spiel selbst war dann eher Haus­manns­kost. Kai­sers­lau­tern gewann durch ein Elf­me­tertor von Fery­doon Zandi mit 1:0. Nach Abpfiff kamen die beiden Ver­tei­diger Ingo Hertzsch und Lucién Met­tomo hoch in den VIP-Bereich, machten Fotos mit uns und unter­schrieben Auto­gramm­karten. Meine Freunde von damals halten es heute mit Dort­mund und Frank­furt. Ich verlor mein Herz am 13. November 2004 an den FCK. Weih­nachts­fotos aus dem­selben Jahr zeigen mich in meinem ersten Kai­sers­lau­tern-Trikot stolz vor unserem Christ­baum posie­rend.

Inzwi­schen weiß ich, dass ich genau richtig gekommen bin, um sehr viel Leid über mich ergehen zu lassen. Gleich in meiner ersten vollen Saison als Kai­sers­lau­tern-Fan habe ich meinen ersten Abstieg beweint. 2006 flossen bit­tere Tränen, als der auf Wolfs­burger Seite ein­ge­wech­selte Cedric Makiadi den FCK in die zweite Liga schoss.

Die letzten Stern­stunden

2008 dann die Freude über das, was in diesem Jahr nicht mehr gelingen wollte. Das 3:0 auf dem Bet­zen­berg gegen einen bereits sicher auf­ge­stie­genen 1. FC Köln. Der Absturz in die Dritt­klas­sig­keit ver­hin­dert. Ich ahnte nicht, dass er ledig­lich um zehn Jahre hin­aus­ge­zö­gert wurde.

Zwei Jahre später die für lange Zeit letzte Rück­kehr in die Bun­des­liga mit der furiosen Debüt­saison unter Trainer Marco Kurz, die auf Platz Sieben endete: 2:0 gegen die Bayern, 5:0 gegen Schalke. Als ein Gast­spiel im Fritz-Walter-Sta­dion noch der Zahn­arzt­be­such unter den Aus­wärts­spielen war.