FC Liver­pool – FC Arsenal 1 : 1, Pre­mier League, Liver­pool / Eng­land: Anfield
28. Oktober 2007, 44 122 Zuschauer

Natür­lich um seinen LFC an der Anfield Road zu sehen, aber auch um für ein paar Tage das pralle Leben an der Mer­sey­side in sich auf­zu­saugen. Diesmal begleiten Volker, Carlo, Michael und Philipp ihren Klub-Prä­si­denten zur Kult­stätte. Volker ist zwar schon seit ein paar Jahren Mit­glied von Deutsch­lands erstem offi­ziell aner­kannten FC Liver­pool-Sup­por­ters-Klub, aber an die Anfield Road hat er es bis­lang nicht geschafft.

Volker wird schnell klar, dass er etwas ver­passt hat. Es ist Sams­tag­abend, die Stim­mung hem­mungslos und die Innen­stadt eine ein­zige Par­ty­zone. Selbst etwas mol­li­gere Girlys und Ladys ziehen in viel zu engem und für die Jah­res­zeit viel zu leichtem Fummel durch die Gassen. Musik dröhnt durch die Mathew Street, dem Epi­zen­trum. In den Pubs zapfen flinke Hände, was die Hähne her­geben. Es wird eine kurze Nacht für die fünf Freunde aus dem Allgäu. Am nächsten Morgen nimmt nur Gareth ein Früh­stück im Bel­ve­dere Hotel“ ein. Eine Kaschemme, die zen­tral liegt und den­noch bezahlbar ist, was es in dieser Kom­bi­na­tion ganz selten in Liver­pool gibt, zumin­dest an Heim­spiel­wo­chen­enden.

Mrs. Flynn trägt bacon and eggs“ auf und wirkt – genauso wie Gareth – ein wenig deran­giert. Die Zim­mer­wirtin hat Humor und ist überaus freund­lich. Sogar zu Liver­pool-Fans, obwohl ihr Herz für den Lokal­ri­valen FC Everton schlägt. Um 16 Uhr ist Kick-Off für Liver­pool gegen Arsenal – und die vier Jungs sind bis dahin wieder fit. Aller­dings steht Michael ohne Ticket vor dem legen­dären Kop, wo seine Freunde ihre Plätze haben.

Vier Karten hat der Kemp­tener Fan­klub für das Top­spiel gegen die Gun­ners ergat­tert. Es waren schon alle weg, als Michael den Flug buchte. Trotzdem wirkt er nicht wirk­lich ver­zwei­felt. Als Schüler mit schmalem Budget hat er sich wenig Hoff­nung auf ein Schnäpp­chen auf dem Schwarz­markt gemacht. Michael wird im Pub Zeuge eines Frei­stoß­ham­mers von Steven Ger­rard: 1:0 für die Reds in der 7. Minute – die Anfield Road bebt. Arsène Wen­gers Männer bleiben aber cool und lassen den Ball in einem Tempo durch ihre Reihen laufen, dass die All­gäuer LFC-Fans kaum mit dem Schauen hin­ter­her­kommen, was nicht nur an der inten­siven Nacht liegt.

In der 80. Minute ist es dann soweit. Cesc Fàb­regas erzielt den ver­dienten Aus­gleich für Arsenal. Später strahlt Liver­pools Trainer Rafael Benítez im Fern­seh­in­ter­view mehr Zuver­sicht aus als Gareth. Letz­terer steht im King Harry“, einer stil­echten Trink­halle unweit des Sta­dions, und nippt an einem Guin­ness. Ein Punkt ist für uns zu wenig“, findet Gareth. Sechs Zähler beträgt jetzt schon der Rück­stand auf Arsenal.

Die Vater­figur der Kemp­tener LFC-Sup­porter wird sich kurz nach Mit­ter­nacht auf der durch­ge­le­genen Belvedere“-Matratze lang machen. Mit dem schönen Gefühl eine packende Partie gesehen zu haben, zieht der Rest der Truppe noch­mals bis in die frühen Mor­gen­stunden um die Häuser. Gareth hatte ihnen nicht zuviel ver­spro­chen. Wie sagte einmal der Psy­cho­loge Carl Gustav Jung: Liver­pool is the pool of life.“