Seite 4: Ein offenes Ohr für seine Spieler

Später Nach­mittag in der Sportsbar im Borussia-Park. Hier will Ger­hardt nun end­lich seine Spieler treffen. Zuerst kommt Dji­bril Sow aus der Kabine, ein schüch­terner 18-Jäh­riger aus der Schweiz, der erst seit andert­halb Wochen in Deutsch­land ist. Ger­hardt muss dem Jung­spund eine unan­ge­nehme Nach­richt über­bringen: Es ist alles fertig, die Nummer weißt du ja schon. Nur leider ist dem Kurier dein Handy geklaut worden, das ist wirk­lich wahr.“ Sow nickt nur. Er wirkt, als wäre er gerade gern woan­ders. Aber das wird schon“, sagt Ger­hardt. Guter Berater, guter Verein, gutes Netz, jetzt fehlt nur noch die beste Disko und das tollste Mäd­chen.“ Nun lächelt Sow immerhin kurz. Er ist froh, als Peniel Mlapa und Marvin Schulz dazu­stoßen. Die beiden kennen Ger­hardt schon, Hand­schlag, Servus“. Gleich wollen sie noch ins Kino, Die Minions“ anschauen. Ger­hardt quatscht mit ihnen über die neu­esten Filme. Mein letzter Film war ja der Schuh des Manitu‘“ Kurze Stille. Dann das obli­ga­to­ri­sche Foto mit den Spie­lern, für Face­book“. Ich meld mich die Tage bei dir“, sagt Schulz zum Abschied, ich brauch näm­lich noch was.“

Das Kaffee im Herzen Gel­sen­kir­chens

Fahrt in Rich­tung Ger­hardts Hei­mat­stadt Gel­sen­kir­chen, gleich ist Fei­er­abend. Seit Jahren schon lässt Ger­hardt jeden Tag in einem ita­lie­ni­schen Eis­café aus­klingen. Dort soll es jetzt hin­gehen. Vorbei an grauen Unter­füh­rungen, Super­märkten und Mul­ti­spie­lotheken. Das Café ist mein zweites Wohn­zimmer“, sagt Ger­hardt. Ein bekannter Umschlag­platz in der Gel­sen­kir­chener Fuß­ball­szene. Die Alt­in­tops wohnten einst nebenan, Gerald Asa­moah sei ges­tern noch da gewesen. Und natür­lich komme Manuel Neuer, wann immer er es schafft.

Die Besit­zerin des Cafés begrüßt ihn per­sön­lich, sie hat schon auf ihn gewartet. Hier kenne ich jeden Stamm­gast, viele sind auch meine Kunden“, sagt Ger­hardt. Von hier wei­tete er sein Geschäft aus. Auch wenn es natür­lich nicht immer nur darum gehe. Die Spieler lägen ihm am Herzen. Wenn sie sich von der Freundin trennen oder sich ver­letzen, Olaf Ger­hardt hat ein offenes Ohr. Fuß­ball ist schnell­lebig“, sagt er. Shawn Parker vom FC Augs­burg habe er vor Kurzem noch im Trai­nings­lager gesehen. Eine Woche danach rief er an: Olaf, ich bin im Kran­ken­haus, wieder ver­letzt, Kreuz­band­riss. Mach mal das Daten­vo­lumen hoch.“