Bruno Lab­badia
Was zu viel ist, ist zu viel: Nach vielen Wochen der Kritik ist bei VfB-Trainer Lab­badia end­gültig die Hut­schnur geplatzt. Nach der Partie gegen Bayer Lever­kusen tadelte er in der Pres­se­kon­fe­renz seine Kri­tiker und stellte sich die Frage aller Fragen: Geh ich den Weg mit oder sag ich: Am Arsch geleckt?“ In seiner Wut sprach er in der Folge plötz­lich nur noch in Meta­phern: Da wurden Trainer zu Müll­ei­mern und Fässer waren sowieso schon lange über­ge­laufen. Die beliebte Behälter-Methode hat er sich von einem berühmten Brand­reden-Vor­bild abge­schaut. Denn schon der ehe­ma­lige Bayern-Trainer Tra­pat­toni lehrte uns 1998 in seiner Wut­rede: Die waren schwach wie eine Fla­sche leer.“

Lukasz Piszczek

Er ist einer, der wirk­lich alles für sein Team gibt – viel­leicht sogar seine Frucht­bar­keit. Didier Ya Konan hatte den Aus­gleich für Han­nover 96 schon so gut wie sicher auf dem Fuß, da schlit­terte Lukasz Piszczek in den Ball und lenkt ihn in letzter Sekunde ab. Unglück­li­cher­weise lan­dete der Defen­siv­held mit gespreizten Beinen im Pfosten. Mil­lionen Männer zuckten vor den Fern­seh­ge­räten zusammen. Und wenn alle Tore so ver­hin­dert werden könnten, dann behält Oliver Kahn recht: Eier, wir brau­chen Eier“. Piszczek hätte seine Hel­dentat aber bei­nahe selbst ega­li­siert, als er in der 59. Minute seinen eigenen Keeper her­aus­for­derte. Zuvor traf er in der 53. Minute mit einem Traum­schuss nur das Alu­mi­nium. Die Pfosten und Piszczek hatten in dieser Partie eine kuriose Liaison. Love hurts!

Kevin de Bruyne
Nach dem Som­mer­mär­chen 2006 konnte man ja mit­unter den Ein­druck bekommen, Deutsch­land sei ein Land voll freund­li­cher, offener Men­schen. Ja, inter­na­tional waren wir Deut­schen sogar fast schon beliebt. Zum Glück hat Bre­mens Bel­gier Kevin de Bruyne diese miss­liche Lage erkannt und der Zei­tung Het Nieuws­blad“ ein herr­lich offenes Inter­view gegeben, in dem er erklärt, wie toll er seine momen­tane Wahl­heimat findet: Die Deut­schen sind steif. Hier wird deut­lich weniger gelacht und wir gehen tak­tisch immer bis ins kleinste Detail. Fuß­ball ist hier ein Job, wäh­rend es für mich eher Spaß bedeutet. Das ist kein Pro­blem, aber eben auch nicht mein Ding“, rückt der Jung­spund das mitt­ler­weile ver­weich­lichte Deutsch­land­bild zurecht und ergänzte: Wenn Werder eine Familie ist, dann wohl eher für die Men­schen von hier.“ Danke, Kevin, denn end­lich müssen wir im Aus­land nicht mehr erklären, warum wir auch mal scheiße drauf sind, obwohl wir eigent­lich aus Deutsch­land kommen. End­lich können wir wieder unge­hemmt über man­gelnde Deutsch­kennt­nisse von Hotel­an­ge­stellten, zähes Schnitzel am Büf­fett und stö­rende Kinder in Pool­nähe motzen, end­lich wieder mit dem Trink­geld knau­sern und weiße Socken in San­dalen tragen. Ja, so gehört die Zukunft end­lich wieder uns.

Wahiba Belhami/​Ribery
Was hat Wahiba Bel­hami nicht schon alles durch­ma­chen müssen? Vor allem die Lolita-Vor­würfe um ihren Mann Frank haben ihr mächtig zuge­setzt. Und jetzt auch noch das: Nach dem Dop­pel­pack von Super-Ribery adelte sie nun auch Bayern-Präses Uli Hoeneß. Nach dem zweiten Treffer des Fran­zosen wan­derte Hoeneß mit breitem Grinsen auf Frau Ribery zu. Und ehe sie sich auf dem Mäd­chenklo im VIP-Bereich ver­schanzen konnte, hatte sie auch schon einen feuchten Dan­kes­schmatzer von Uli H. auf der Wange. Herz­li­chen Glück­wunsch zu ihrem Mann“, sollte das wohl heißen. Wir for­dern: Lasst diese Frau doch end­lich mal in Ruhe.

Markus Lanz
Ver­gesst die Bun­des­liga! Ver­gesst Fuß­ball! Ver­gesst alles! Die sport­liche Höchst­leis­tung des Wochen­endes voll­brachte ein­deutig Markus Lanz, als er bei Wetten, dass…?!“ erst vor­be­reitet Gags bis zur Schmerz­grenze ver­sem­melte und dann auch noch knapp 30 Lie­ge­stütze auf die Bühne drückte – mit einer Kiste Bier auf dem Rücken. Warum es so weit kommen musste, wird redak­ti­ons­in­tern eifrig dis­ku­tiert. Eine Ant­wort gibt es jedoch nicht.

Juan Arango
Ein­tracht Frank­furt fliegt nicht mehr ganz so hoch. Grund: Juan Arangos Schüsse fliegen noch höher. In der achten Minute verlor Oli­vier Occean den Ball und Arango fackelte nicht lange. Er traf aus 25 Metern zum 1:0. Es zählt zu den Vor­zeige-Toren, die Messi und Ronaldo anschlie­ßend ges­tern Abend im Clá­sico eifrig nach­machten. Es zählt zu den Toren, die Ein­tracht-Fans in den Schlaf weinen lässt. Es war die 100. Bun­des­li­ga­partie des Mit­tel­feld­spie­lers. Tore und Siege wie diese fav­rei­siert (*hüstel*) der Glad­ba­cher Coach defi­nitiv.

Jef­ferson Farfan
Das Ver­hältnis von Jef­ferson Farfan zu seinem Ex-Trainer Felix Magath kann man als nicht hun­dert­pro­zentig intakt beschreiben. Schon vor der Partie gegen den VfL Wolfs­burg ätzte der Peruaner des­wegen gegen den Wasser ver­schüt­tenden Holz­bril­len­freund. Als Farfan dann auch noch ein Tor gegen Magaths VfL erzielen konnte, ließ er es sich nicht nehmen auch seinen Jubel gegen seinen Ex-Dik­tator zu richten. So zumin­dest könnte man das etwas unbe­hol­fene Luft­kämpf­chen von Schalkes Nummer 17 wohl werten, wenn man wollte. Und wir wollen, schließ­lich muss das Internet noch voll­ge­schrieben werden.

Mame Diouf
Der Sene­ga­lese hatte gegen den deut­schen Meister die beste, klare, sichere, ein­fache und wirk­lich total simple Tor­chance des Spiels – und schoss den Ball direkt in Roman Wei­den­fel­lers Arme. Dabei stand der Keeper nicht einmal im Tor! Da hatte Diouf etwas wieder gut­zu­ma­chen. Fünf Minuten vor Schluss traf der 96er dann zum Aus­gleich. Ver­gessen war die müh­same Ver­let­zungs­pause Ende letzter Saison und das fei­erte er sogleich mit einem Jubel-Salto. Den Belas­tungs­test hielt das einst ledierte Sprung­ge­lenk ohne Pro­bleme aus.

Stefan Kieß­ling
Erst stol­perte Stefan Kieß­ling ele­fan­ten­artig über VfB-Keeper Ulreich und ver­wan­delte so das Schrott-Tor des Spiel­tags. Wenig später wurde ein wei­terer, glück­li­cher Abpraller fast zum nächsten Treffer. Spä­tes­tens hier ahnte der gemeine Zuschauer: Nur Hyänen lauern noch besser als dieser Stürmer. Dass er aber auch noch hüpfen kann wie eine afri­ka­ni­sche Wüs­ten­springmaus bewies Kieß­ling bei seinem zweiten Treffer. Am Ende reichte es den­noch nur zu einem 2:2. Ach­tung Mör­dergag: Zoom ver­rückt werden! 

Marco Ter­razzino
Einst galt Marco Ter­razzino als das hoff­nungs­vollste Talent der Bun­des­liga. Doch damit nicht genug, denn der Stürmer wurde außerdem zum Aus­hän­ge­schild der zukunfts­wei­senden Jugend­ar­beit der TSG Hof­fen­heim, als er 2009 – frisch aus­ge­bildet im Kraichgau – zum besten Nach­wuchs­spieler Deutsch­lands gewählt wurde. Dumm nur, dass danach lange, lange nichts pas­sierte. Ter­razzino lan­dete schließ­lich beim Karls­ruher SC, mit dem er auch noch aus der zweiten Liga abstieg. Nach acht Spielen bei den Ama­teuren seines neuen Klubs SC Frei­burg, wech­selte ihn Chris­tian Streich dann jetzt auch erst­mals bei den Profis ein. Wie der Zufall so will, traf der dann auch noch zum 3:0‑Endstand und jubelte, als sei er nie weg gewesen. Was für eine schöne Geschichte. Hoffen wir, dass sie noch lange nicht zu Ende ist.

Art­joms Rud­nevs
Die Liga atmet auf! Hatte man fast schon geglaubt, dass mit dem kleinen Engel Rafael van der Vaart der Lauf der HSV nun fol­ge­richtig in der Meis­ter­schaft enden muss, belehrt einen der let­ti­sche Wun­der­stürmer Art­joms (Ruf­name: Addy“) Rud­nevs eines Bes­seren. Denn mit ihm hat der HSV end­lich wieder eine echte Wun­der­tüte an vor­derster Front. Mal trifft er, desöf­teren lässt er sich aber zu slap­stick­haften Aus­fällen hin­reißen. Gegen Fürth knat­terte Rud­nevs den Ball also gleich zwei Mal am fast leeren Tor vorbei. Da werden Erin­ne­rungen wach: Ailton am letzten Spieltag 2005/06, Taka­hara gegen Frei­burg 2003. Das waren noch Zeiten.