Luca Toni und Louis van Gaal, das war kein har­mo­ni­sches Duo in der gemein­samen Zeit beim FC Bayern. Van Gaal, der for­dernde General, der gerne auf junge Spieler aus der eigenen Jugend setzte, und der Ita­liener, der auf dem besten Weg zum Kar­rie­re­aus­klang war – das passte nicht. Und Toni war nicht der ein­zige Spieler beim FC Bayern, der wäh­rend der van-Gaal-Ära das Weite suchte. Auch Mark van Bommel, Lucio und Martin Demi­chelis ver­ließen den Klub.

Viel­leicht, weil sie unter dem Trainer keine Per­spek­tive sahen. Viel­leicht aber auch, weil sie, nun ja, ein­fach zu viel sahen.

Total ver­rückt

Der Trainer wollte uns klar­ma­chen, dass er jeden Spieler aus­wech­seln kann – egal, wie er heißt“, erin­nerte sich Luca Toni einige Jahre später, weil er Eier hat.“ Was er nicht kommen sah: Um das zu demons­trieren, ließ er ein­fach seine Hosen runter. Das war total ver­rückt.“ Also stand van Gaal in der Kabine. Mit run­ter­ge­las­sener Hose. Vor den Mil­lio­nen­profis des FC Bayern.

Ob Ronny Deila diese Schnurre aus der Mün­chener Kabine bekannt ist? Keine Ahnung. Zur­zeit hat der Trainer von Valerenga IF aber auch andere Pro­bleme. Sieben Spiel­tage vor Schluss steht der nor­we­gi­sche Klub auf dem achten Tabel­len­platz, aber auch nur acht Punkte von einem Abstiegs­platz ent­fernt. Zwi­schen Juli und Sep­tember gewann der Tra­di­ti­ons­verein aus Oslo kein ein­ziges Spiel – holte nur zwei magere Punkte. Was zur Hölle kann da noch helfen?

Fragte sich auch Deila, und sorgte vor dem Spiel gegen SK Brann für nackte Tat­sa­chen.

Ohne einen ein­zigen Fetzen Stoff am Leib hielt der Coach seine Moti­va­ti­ons­rede bevor seine Männer aus der Kabine stie­felten. Der Tenor: die Jungs sollten end­lich ihr letztes Hemd für den Verein geben. Und die letzte Hose. Und not­falls auch die Unter­hose. Der Coach blieb gelassen: Viele Leute haben mich wahr­schein­lich schon nackt gesehen.“ Und sowieso: die Mann­schaft müsse zwar im Abstiegs­kampf alles geben. Aber der Spaß dürfe eben nicht zu kurz kommen.

Der Über­ra­schungs­ef­fekt geht ver­loren

Gene­rell scheint Deila ein Freund der Locker­heit zu sein. Als er 2010 noch Coach von Ströms­go­dest IF war, hielt er am Tag des nor­we­gi­schen Pokal­fi­nales die Rede vor seinen Spie­lern in auf­rei­zender Unter­wä­sche. Es funk­tio­nierte: Deila gewann mit Ströms­go­dest den Cup. Ein Jahr zuvor hatte er sich vor seinen Fans bis auf die Unter­hose ent­blößt und alle Trai­nings­kla­motten in die jubelnde Menge geworfen.

Und auch bei Valerenga scheint die Methode ihre Wir­kung nicht ver­fehlt zu haben. Gegen Brann gewann der Abstiegs­kan­didat mit 2:1. Holte in den letzten drei Spielen sechs Punkte. Und trotzdem: Ich kann das nicht jedes Mal machen“, sagt Deila, ansonsten geht der Über­ra­schungs­ef­fekt ver­loren.“

Mag sein. Auf der anderen Seite ist eine Kabine auch sehr groß. Oder wie Luca Toni es im Falle van Gaals damals erklärte: Ich habe damals nicht viel gesehen. Ich saß nicht in der ersten Reihe.“