Im Januar 1990 flogen wir als eine der ersten Mann­schaften im Winter ins Trai­nings­lager in die USA. Wir resi­dierten mit der Mann­schaft in einem tollen Hotel in Miami Beach direkt hinter der Col­lins Avenue mit einer rie­sen­großen aus­la­denden Auf­gangs­treppe. Schalkes dama­liger Prä­si­dent Günter Eich­berg, genannt der Son­nen­könig“ und seine dama­lige Lebens­ge­fährtin Christa Paas, genannt die Gräfin“, wohnten etwas abseits in einem klei­neren Luxus-Appar­te­ment. Den­noch wollten sie jeden Tag den Zusam­men­halt mit der Mann­schaft demons­trieren. Es wurde also eine kleine Tra­di­tion, dass die beiden jeden Tag am späten Nach­mittag in einem völlig über­di­men­sio­nierten Lin­coln vor dem Hotel vor­fuhren, um dann die große Treppe hin­auf­zu­schreiten und den anwe­senden Fans zu winken. Wie es sich für ein Königs­paar eben gehört.

An einem Tag stand ein Video­dreh mit Eich­berg für Sat1 auf dem Plan. Er sollte wie gewohnt die Treppe hin­auf­schreiten und dann mit einem Glas Cham­pa­gner in die Kamera prosten. Ich hatte zu der Zeit sehr gute Ver­bin­dungen zu einigen einigen Leuten von Sat1. Also haben wir etwas aus­ge­heckt. Eich­berg ging die Treppe hoch, nahm sich das Glas vom Tablett, sprach sein Prost S04“ in die Kameras und nahm einen kräf­tigen Schluck. Und hier kam dann meine kleine Ver­ab­re­dung mit Sat1 ins Spiel: So ein Mist Herr Eich­berg, irgend­etwas hat mit dem Ton nicht gestimmt. Das müssten wir noch einmal drehen“, sagte einer der Tech­niker. Also musste Eich­berg noch einmal gehen. Dum­mer­weise stimmte dieses Mal etwas mit dem Licht nicht. Beim nächsten Mal war es dann wieder zu windig. Beim 19. Mal hatte Eich­berg den Arsch dann so voll, dass er das Prost S04“ gar nicht mehr richtig über die Lippen bekam, son­dern nur noch unver­ständ­lich lallte. Das Glas trank er aber auf Ex! Exakt diese Szene ist dann später gesendet worden.

Ein fol­gen­schweres Ver­spre­chen

Die Fans und die Mann­schaft, die die Sze­nerie von ihren Fens­tern aus beob­ach­tete, johlten natür­lich. Die bekamen richtig was geboten für ihr Geld. 400 bis 500 Fans hatten damals über den Verein eine völlig über­teu­erte Reise nach Flo­rida gebucht. Weil der Klub mal wieder knapp bei Kasse war, finan­zierte er sich durch die mit­rei­senden Fans das Trai­nings­lager. Im Gegenzug durften sie mit der Mann­schaft im Hotel wohnen und es gab einen großen Fan­a­bend.

Auf diesem gab ich ein fol­gen­schweres Ver­spre­chen: Aus einer Bier­laune heraus kün­digte ich an, am nächsten Morgen um 7:30 Uhr am Strand eine Aerobic-Ein­heit für alle Fans anzu­leiten. Ich rech­nete aller­dings damit, dass nie­mand erscheinen würde, weil sich natür­lich alle auf Kosten des Ver­eins schön den Arsch voll gehauen hatten.

We are Schalke 04, a Foot­ball Club!“

Peter Neururer zur Beach Control

Am nächsten Morgen um 7:30 Uhr kam unser Mann­schafts­arzt zu mir ins Zimmer und sagte: Trainer, Sie müssen auf­stehen, da stehen 500 Fans in Schalke-Kluft am Strand und warten auf Sie!“ Zu allem Über­fluss hatte ich zu dem Zeit­punkt auch noch einen Band­schei­ben­vor­fall, also ver­passte mir unser Arzt erst einmal eine Spritze. Halb quer­schnitts­ge­lähmt schleppte ich mich dann zum Strand und machte wie ver­spro­chen mit den Fans Aerobic.

Das Pro­blem war nur: Schalke 04 war damals in den USA natür­lich über­haupt kein Begriff. Es dau­erte auch nicht lange, bis die Beach Con­trol kam und sich erkun­digte, was wir denn da treiben würden. We are Schalke 04“, erklärte ich. Schalke Oh What?“, fragte der Officer. Schalke 04, a Foot­ball Club!“ Bei Foot­ball dachte er aber natür­lich an Ame­rican Foot­ball und danach sahen unsere Fans nun wirk­lich nicht aus. Also ver­trieben uns die Poli­zisten vom Strand. 

So eine Nummer wäre heut­zu­tage kaum noch vor­stellbar. Die Ver­bin­dung zwi­schen Fans, Mann­schaft und Medien war damals unglaub­lich eng. Das ist heute ganz anders, da gibt es so viele Berüh­rungs­ängste. Des­halb denke ich sehr gerne an diese Zeiten zurück.

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