Seite 2: Und noch ein Toni

Fritsch ist nicht der ein­zige Super-Bowl-Sieger, der als Fuß­baller begonnen hat. (Der Ame­ri­kaner Matt Bahr spielte in der 2. US-Liga Soccer, bevor er mit den Pitts­burgh Stee­lers und den New York Giants Erfolge fei­erte.) Aber er ist der ein­zige, der auch im Fuß­ball wich­tige Titel holte, denn er sam­melte drei Meis­ter­schaften und zwei Pokale in Öster­reich. Und so vergaß er nie den Sport, der ihn eigent­lich bekannt gemacht hatte. Als er im Alter von nur 60 Jahren an einem Herz­an­fall starb, hatte er gerade seine Ein­tritts­karten für ein Cham­pions-League-Spiel zwi­schen Rapid und dem FC Bayern abge­holt. 

Inter­es­san­ter­weise ist der Mann, dessen Leis­tungen in beiden Sport­arten denen von Fritsch noch am nächsten kommen, eben­falls ein Öster­rei­cher: Anton Toni“ Lin­hart. Er bestritt in den 1960ern sechs Län­der­spiele für die Fuß­ball­na­tio­nalelf seines Landes und war später bei den Bal­ti­more Colts in der NFL unter Ver­trag. Zwei Jahre in Folge, 1975 und 1976, kamen die Colts in die Play­offs, schafften es aber nicht zum Super Bowl. In beiden Sai­sons wurde Lin­hart aller­dings ins Pro-Bowl-Team gewählt (also zum All-Star-Spiel der NFL berufen), woran ersicht­lich wird, dass er nicht nur ein großer Fuß­baller war, son­dern auch ein richtig guter Foot­baller.

Rüdes Freund­schafts­spiel

Trotzdem kennen manche Leute Lin­hart aus ganz anderen Gründen. Er spielte näm­lich eine wich­tige Rolle bei einem der skan­da­lö­sesten Spiele auf bri­ti­schem Boden. Es wurde am 8. Mai 1963 zwi­schen dem Gast­geber Schott­land und Öster­reich in Glasgow aus­ge­tragen und war ein Freund­schafts­spiel. Aller­dings nur auf dem Papier, muss man hin­zu­fügen, ruft man sich ins Gedächtnis, was der Schotte Dave Mackay über die Partie berich­tete: Ich glaube, alles fing damit an, dass sie uns bespuckten. Die drehten wirk­lich durch, sie waren nicht mehr richtig im Kopf.“ 

Elf Minuten vor dem Ende führten die Schotten 4:1. Öster­reich spielte nur noch mit acht Mann, weil man einen ihrer Akteure ver­letzt vom Platz getragen hatte und zwei andere des Feldes ver­wiesen worden waren. (Horst Nemec wegen Meckerei, Erich Hof für etwas, was die bri­ti­sche Presse eine teuf­li­sche Grät­sche in Hüft­höhe“ nannte.) 

Glaubt man Mackay, dann sorgten sich die Schotten nicht um ihre Füh­rung, son­dern um ihren Anführer: Wir ver­suchten, Denis Law zu beschützen, den sie wie einen Hasen hetzten.“ Der Öster­rei­cher, der ihn schließ­lich kriegte, war der Mann, der auch das ein­zige Tor der Mann­schaft erzielt hatte: der zukünf­tige NFL-Star Lin­hart. In der 79. Minute senste er Law um und als der Gefoulte vor lauter Schmerzen nicht sofort wieder auf­stehen konnte, hatte Schieds­richter Jim Finney genug gesehen. Er brach die Partie ein­fach ab. Ich hatte das Gefühl, dass ich das tun musste, bevor jemand wirk­lich ernst­lich ver­letzt wurde“, erklärte Finney anschlie­ßend. Viel­leicht war Lin­hart tat­säch­lich gar nicht so schlecht beim Ame­rican Foot­ball auf­ge­hoben.
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Teile dieses Textes sind dem Buch Wer erfand den Über­steiger?“ ent­nommen. Das man hier (»>) kaufen kann. Und das noch viele wei­tere Ant­worten auf viel zu selten gestellte Fragen parat hat. Zum Bei­spiel: Wer war der erste deut­sche Fuß­ball­profi? Können Ele­fanten Elf­meter schießen? In wel­cher tak­ti­schen For­ma­tion gewann Nord­korea 1966 gegen Ita­lien?