Marwin Hitz, Sie hatten beim Pokal­spiel am Mitt­woch in Mün­chen einen ver­gleichs­weise ruhigen Abend. Hatten Sie mit mehr Arbeit gerechnet?

Eigent­lich nicht. Es war klar, dass wir gegen Bayern sehr defensiv spielen werden. Von daher sollten sich den Bayern nicht so viele Chancen bieten. Jeder in der Mann­schaft hat ver­sucht, das umzu­setzen, was wir uns vor­ge­nommen hatten. Leider sind wir sehr schnell in Rück­stand geraten – und genau das wollten wir unbe­dingt ver­meiden.

Neues Spiel, neues Glück – welche Schlüsse ziehen Sie aus dem Bayern-Pokal­spiel für die Bayern-Bun­des­liga-Partie?

(Lacht) Dass so ein frühes Gegentor nicht mehr pas­sieren darf… Und dass wir mit­unter mutiger sein müssen. Wenn man nur mit einem Tor zurück liegt und so nah dran ist, dann ist es schade, dass uns nicht noch der Aus­gleich gelingt.

Ist es Ihnen eigent­lich lieber, viele Schüsse aufs Tor zu bekommen oder bevor­zugen sie ereig­nis­arme Arbeits­tage?

Sicher hält man als Tor­wart immer gerne viele Bälle. Aber letzt­lich ist das Resultat das Ent­schei­dende. Also lieber wenig aufs Tor bekommen und dafür gewinnen, als viele Schüsse halten und doch ver­lieren.

Ange­sichts der Domi­nanz der Bayern wird Manuel Neuer nur selten geprüft… 

Was die Auf­gabe für einen Tor­wart sicher schwie­riger macht. Aber Manuel Neuer hat kein Pro­blem damit, nur selten ein­greifen zu müssen, dann aber top kon­zen­triert zu sein. Er hat sich bei Bayern noch­mals wei­ter­ent­wi­ckelt.

Was zeichnet Neuer in den Augen des Tor­wart­kol­legen beson­ders aus?

Viel – er hat ein­fach ein kom­plettes Paket zu bieten. Es gibt nichts, was er nicht kann. Und das was er kann, kann er ein­fach richtig gut.

Den­noch lag Neuer in der Kicker-Rang­liste der Bun­des­liga-Tor­hüter Ende der ver­gan­genen Saison nur auf Platz neun… 

Woran man erkennen kann, dass in den Noten und Rang­listen nicht immer die volle Wahr­heit steckt.

Sie selbst waren mit der Gesamt­note 2,67 übri­gens Zweiter…

(Lacht) Ich will ja auch nicht sagen, dass die Kri­te­rien und Bewer­tungen völlig falsch sind… Aber Spaß bei­seite. Manuel Neuer wurde mehr­mals zum Welt­tor­hüter gewählt, obwohl er nicht an Nummer eins der Rang­listen stand. Das lässt darauf schließen, dass Tor­hüter die mehr zu tun bekommen, offen­sicht­lich bei diesen Bewer­tungen besser weg­kommen.

Schauen Sie sich eigent­lich gleich nach einem Spiel die Gegen­treffer an, falls Sie denn welche kas­siert haben?

Nor­ma­ler­weise mache ich das erst am nächsten Tag.

Ihr Urteil zu den Bayern-Toren am Mitt­woch­abend?

Beim Schuss von Philipp Lahm hatte ich keine Chance. Dem 0:2 ging ein zu kurzer Abschlag von mir voraus. Am Tor selbst trifft mich aus meiner Sicht keine Schuld. Beim dritten Tor schon. Geht ein Schuss ins kurze Eck rein, sieht man als Tor­wart nie gut aus.

Sieht man sich als Tor­hüter auch gerne auf Video seine eigenen Paraden an – um Selbst­ver­trauen fürs nächste Spiel zu tanken?

Ich schaue mir immer Zusam­men­fas­sung an – also nicht nur die Gegen­treffer, son­dern auch geg­ne­ri­sche Chancen, die ich ver­ei­telt habe. Es ist natür­lich schöner, solche Szenen als eigene Patzer zu sehen. Aber ich glaube, dass man aus dem Schlechten mehr lernen kann.