In den ver­gan­genen Tagen war auf den Social-Media-Kanälen der TSG Hof­fen­heim nicht beson­ders viel los. Nur logisch, bedenkt man, dass mit der coro­nabe­dingten Spiel­pause in der Bun­des­liga das Kern­ge­schäft des Klubs vor­erst ruhen muss. Des­halb ver­sorgte die TSG ihre Anhänger am Wochen­ende über Insta­gram, Face­book und Twitter etwa mit unschlag­baren Ange­boten aus dem Online-Fan­shop (Gratis Auto­gramm­kar­tenset ab 39 Euro Ein­kaufs­wert!) oder besten Wün­schen von Mas­kott­chen Hoffi“ („Bleibt gesund!“)

Am Sonn­tag­abend jedoch gene­rierte der Klub dann doch noch einmal ordent­lich Reich­weite. Über ihre Kanäle ver­brei­tete die TSG einen Artikel aus dem Manager Magazin mit dem Titel Cur­eVac-Haupt­eigner Dietmar Hopp lässt Donald Trump auf­laufen“. Denn offenbar, so erfährt der Leser, hatte US-Präs­dient Donald Trump unter Auf­wen­dung großer Geld­be­träge ver­sucht, seinem Land einen mög­li­chen Impf­stoff gegen das Coro­na­virus, an dem die deut­sche Firma Cur­eVac forscht, zu sichern.

Respekt, Aner­ken­nung – und Häme

Doch die Rech­nung hatte Trump ohne Dietmar Hopp gemacht. Denn der ist nicht nur Geld­geber der TSG Hof­fen­heim, son­dern hält auch 80 Pro­zent der Anteile an Cur­eVac. Und hatte dem ame­ri­ka­ni­schen Prä­si­denten und der inter­es­sierten Öffent­lich­keit Fol­gendes mit­zu­teilen: Wenn es uns hof­fent­lich bald gelingt, einen wirk­samen Impf­stoff gegen das Corona-Virus zu ent­wi­ckeln, soll dieser Men­schen nicht nur regional son­dern soli­da­risch auf der ganzen Welt errei­chen, schützen und helfen können.“ Klare Kante, klarer Korb und dazu noch ein klarer Sei­ten­hieb auf Donald Trump und seinen Ego­ismus. Eine ehren­werte Hal­tung.

Das sah offenbar auch die TSG Hof­fen­heim so und ver­brei­tete also Hopps Zitat über ihre sozialen Medien – und ern­tete dafür jede Menge Applaus. Doch unter den Respekt und die Aner­ken­nung, die dem 79-jäh­rigen Mil­li­ardär für seine Hal­tung zuteil wurden, mischte sich auch noch etwas anderes: Empö­rung und Häme.

Denn war es nicht eben jener Dietmar Hopp, den zahl­reiche Ultras noch vor wenigen Tagen teil­weise aufs Übelste belei­digt hatten? Auf unzäh­ligen Spruch­bän­dern, mit Gesängen und Sprech­chören? Ja, dieser Dietmar Hopp war es, der nun mög­li­cher­weise ver­hin­dert hat, dass Donald Trump sein Ame­rica First“ auch auf dem Rücken der Gesund­heit anderer Men­schen mit Leben füllt. Und an diesem Ehren­mann“ (Karl-Heinz Rum­me­nigge) hatten sich die Fan­kurven abge­ar­beitet?