Ali Eghbal, Sie sind am Sonntag in den HSV-Auf­sichtsrat gewählt worden. Über­rascht?
Ich wusste, dass ich ein ganz guter Redner bin, und dass mich einige HSV-Anhänger – auch die Ultras – sym­pa­thisch finden. Den­noch war mit so einem Ergebnis nicht zu rechnen. Ich war Außen­seiter.
 
Sie zogen sich wäh­rend Ihrer Rede Sakko und Kra­watte aus und prä­sen­tierten dar­unter ein rotes HSV-Trikot. Ihnen war sicher­lich bewusst, dass so ein sol­cher Auf­tritt auch nach hinten los­gehen kann?
Natür­lich hätten mich die Leute im schlimmsten Fall aus­ge­pfiffen oder das bekannte Aus­ziehen, ausziehen“-Lied ange­stimmt. Heute hätte man dann über den Clown auf der Mit­glie­der­ver­samm­lung gespro­chen. Doch das Risiko musste ich ein­gehen.
 
Wieso?
Man hat auf sol­chen Mit­glie­der­ver­samm­lungen kaum fünf Minuten Zeit, um sich zu prä­sen­tieren. Das ist ver­dammt wenig. Mit dieser Aktion konnte ich kurz und kreativ ver­an­schau­li­chen, dass ich zwar ein Wirt­schafts­mensch, aber auch ein echter HSV-Fan bin.
 
Was sind Ihre Kom­pe­tenzen?
Ich bin in ver­schie­denen Geschäfts­fel­dern tätig. Zum einen bin ich Unter­neh­mens­be­rater und bei einer Ham­burger Wirt­schafts­prü­fungs­ge­sell­schaft tätig. Natür­lich hätte ich die ganze Zeit im Anzug über dieses Feld refe­rieren können, ich hätte über Zahlen, Bilanzen und Finanzen spre­chen können. Doch ganz ehr­lich: Hätten Sie mich dann gewählt?
 
Sie sind außerdem im Geträn­ke­geschäft tätig.
Richtig, mit meinem Partner Gregor vom Endt habe ich zwei Soft­drinks ent­wi­ckelt: Die haji Cola“ und das haji Water“.
 
Es heißt, Sie hätten somit die erste mus­li­mi­sche Cola der Welt erfunden.
Das stimmt nicht, andere große Geträn­ke­marken stellen für Märkte in Malaysia, Indo­ne­sien oder Saudi-Ara­bien ihre Cola seit Jahren halal her, sonst dürften sie dort gar nicht ver­kaufen. Sowieso habe ich ein Pro­blem mit dem Begriff, denn das würde ja bedeuten, dass die Cola von Mus­limen für Mus­lime gemacht wird. Das stimmt nicht – schon weil mein Partner Christ ist.

Was ist denn das Beson­dere an der Cola?
Das Beson­dere an haji Cola“ ist, dass wir keine Schwei­ne­ge­la­tine hin­zu­geben, natür­li­ches Mine­ral­wasser statt indus­triell bear­bei­tetem Wasser ver­wenden, zudem auf Indus­trie­zu­cker uznd schäd­liche Phos­phor­säure ver­zichten. Dafür ver­wenden wir natür­li­ches Frucht­zu­cker und Dat­tel­sirup. Wenn man so will: Es ist die erste gesunde Cola der Welt.
 
Wie ist Ihre Ver­bin­dung zum HSV?
Ich gehe seit über 40 Jahren zu den Spielen des HSV, meine erste Partie sah ich 1972, ein 0:5 gegen den FC Bayern – ich wusste also von Anfang an, dass Fuß­ball auch Leiden bedeutet. In den Jahren danach stand ich meis­tens in der West­kurve, Block E, also dort, wo die echten Fans standen. Auch heute noch sehe ich Spiele lieber von der Nord- als von der Haupt­tri­büne.


Sie kennen also die Befind­lich­keiten der ver­schie­denen Lager?
Natür­lich. Ich habe mich im Vor­feld mit ver­schie­denen Leuten unter­halten. Ich war bei der HSV-Leicht­ath­le­tik­ab­tei­lung, bei den Senioren, bei tra­di­tio­nellen Fan­klubs, aber auch bei den Jungs und Mädels auf den Steh­plätzen, bei den Ultras von Pop­town“ und Chosen Few“. Ich finde es wichtig, dass man in der Posi­tion als Auf­sichts­rats­mit­glied keine Berüh­rungs­ängste hat. Ich gehöre jeden­falls keinem Lager an.
 
Kurzum: Sie wollen die Gra­ben­kämpfe im Auf­sichtsrat beenden?
Das ist viel­leicht das fal­sche Wort, zumal ich nicht dar­über urteilen mag, inwie­fern es solche Gra­ben­kämpfe tat­säch­lich gegeben hat.
 
Sie haben aber mit­be­kommen, wie der HSV-Auf­sichtsrat in der Ver­gan­gen­heit gewirkt hat? Sie kennen die Sport­di­rektor-Posse um Mat­thias Sammer und die Indis­kre­tionen der Räte.
Natür­lich habe ich von diesen Geschichten in der Presse gelesen. Und trotzdem wäre es ver­messen, wenn ich mir zum jet­zigen Zeit­punkt, zwei Tage nach der Wahl, ein Urteil dar­über erlauben würde. Sagen wir es so: In der Außen­dar­stel­lung war nicht immer alles per­fekt. Aller­dings muss ich auch sagen, dass seit Oktober 2011, seit Thorsten Fink und Frank Arnesen wirken, rund um den Auf­sichtsrat etwas Ruhe ein­ge­kehrt ist.
 
Viele Leute monieren, dass dem HSV-Auf­sichtsrat die Fuß­ball-Kom­pe­tenz fehle. Was denken Sie?
Bei einem elf­köp­figen Gre­mium wären ein oder zwei aus­ge­spro­chene Fuß­ball-Experten sicher nicht ver­kehrt. Daneben sind natür­lich Ver­trauen und Respekt wichtig. Ein kon­kretes Bei­spiel dazu: Aus der Ver­gan­gen­heit ist mir ein Fall bekannt, als ein Auf­sichtsrat-Mit­glied auf eigene Kosten die Mann­schaft in ein Trai­nings­lager begleitet hat und dafür kri­ti­siert wurde. Man sprach von einer Lust­reise“, dabei wollte er sich ein Bild vom aktu­ellen Stand der Pro­fi­mann­schaft ver­schaffen, also die immer wieder gefor­derte Fuß­ball-Kom­pe­tenz zeigen.
 
Der HSV hat die ver­gan­gene Saison auf Platz 15 abge­schlossen, momentan steht er auf dem 10. Rang. Was ist noch drin?
Ein Europa-League-Platz wäre toll.
 
Das halten Sie für rea­lis­tisch?
Säßen wir jetzt am Stamm­tisch, würde ich sagen: Auf jeden Fall. Um wirk­lich fach­kundig ant­worten zu können, müssten wir uns noch einmal unter­halten, wenn ich mir vor Ort beim Trai­ning einen detail­lier­teren Blick auf den Kader und die Form der Spieler ver­schafft habe.
 
Herr Eghbal, ent­schul­digen Sie die Frage…
Ja…
 
…wie spricht man eigent­lich Ihren Nach­namen aus?
Eghbal wie Eck­ball. Passt doch. (lacht)