Eigent­lich sollte Chicko, der fet­zige junge Hahn, der Skate­board fährt und jede Bühne rockt“, der Star bei der Filial­er­öff­nung einer auf­stre­benden Fast-Food-Kette in Gel­sen­kir­chen sein. Den Beweis dieser Fähig­keiten bleibt der gelbe Gockel nun jedoch schuldig. Bei 25 Grad im Schatten steht das Mas­kott­chen unter dem sper­rigen Ganz­kör­per­kostüm wackelig auf den Beinen. Statt­dessen stiehlt ihm ein junger Welt­tor­hüter die Show. Der mög­li­cher­weise letzte öffent­liche Auf­tritt in Gel­sen­kir­chen wird Manuel Neuer mit Sicher­heit als einer der kurio­sesten im Gedächtnis bleiben. 

Es sind mehr als 400 Schau­lus­tige nach Gel­sen­kir­chen-Ücken­dorf gekommen, viele von ihnen sind Medi­en­ver­treter. Zur Eröff­nung des welt­weit ersten Döner-Drive der Welt, wie die Besitzer Ercihan und Erhan Baz es nennen, hat sich reich­lich Pro­mi­nenz ange­kün­digt. Neben Neuer sind auch Rudi Assauer, Gel­sen­kir­chens Ober­bür­ger­meister Frank Bara­nowski und Werner Hansch, der durchs Pro­gramm leitet, erschienen.

Euro­dance und Fan­faren des Berg­mannor­ches­ters

Der schwit­zenden Menge werden Schals mit dem Slogan Auf diese Hühner stehe ich!“ ver­teilt. Die musi­ka­li­sche Rah­men­be­glei­tung schwankt zwi­schen ohren­be­täu­bendem Euro­dance aus der Box und den Fan­faren des ansäs­sigen Berg­mannor­ches­ters. Wäh­rend die letzten Latten des fünf­stö­ckigen Neu­baus gerade ange­schraubt werden, darf die Show beginnen. 

Werner Hansch, mit seinen 72 Jahren schlag­fer­tiger denn je, eröffnet auf der kleinen Holz­pa­let­ten­bühne: Ob man denn jetzt bald nach Mün­chen expan­dieren würde, fragt er die Brüder Baz. Wir werden erstmal noch eine Filiale in Duis­burg auf­ma­chen“, so die ent­täu­schende Ant­wort der Besitzer. Hier wird heute wohl noch nicht viel ver­raten. Wäh­rend Hansch noch die Archi­tekten inter­viewt, hält Manuel Neuer ein ange­regtes Pläusch­chen mit Assauers frisch ver­mählter Gattin. Letz­terer sitzt etwas gelang­weilt daneben, hat mit der Hitze zu kämpfen. Assauer ist nicht ohne Grund gekommen. Als Gesell­schafter hält er Anteile am Unter­nehmen. Dann wird der Tor­wart auf die Bühne zitiert.

Neuer weiß: Hähn­chendöner ist nicht schäd­lich

Döner – man sollte meinen, das habe auf dem Spei­se­plan eines Pro­fi­fuß­bal­lers etwa so viel zu suchen wie Wei­zen­bier oder Kau­tabak. Beim Hähn­chen­fleisch ist es ja so, dass es nicht so schäd­lich ist“ weiß Neuer auf die unan­ge­nehme Frage zu kon­tern. Außerdem gibt es ja auch tolle Salate hier.“ Hansch gräbt der­weil noch­mals alle mög­li­chen Tricks aus dem Reper­toire eines Sport­jour­na­listen hervor: In wel­cher Filiale er den künftig sein Hühn­chen ver­speisen wolle: Man­chester, Mün­chen oder Madrid, will er wissen. Egal, Haupt­sache Europa“, ent­gegnet Neuer in bester Andi-Möller-Manier. 

Dann wird es Zeit für den großen Augen­blick, das High­light des Tages. Neuer soll der erste Mensch welt­weit sein, der eine Bestel­lung bei einem Döner-Drive auf­gibt. Nachdem Bara­nowski das rote Band zer­schnitten hat, quält sich der Noch-Schalker mit einem Mini Cabrio durch die knip­sende Papa­razzi-Menge Rich­tung Schalter, als wäre er einer der Helden von Bern nach der Rück­kehr. Macht end­lich den Döner fertig“, befiehlt einer der Manager noch mal schnell dem etwas über­for­derten The­ken­per­sonal.

Die Span­nung steigt ins Uner­mess­liche. Was wird er wohl bestellen? Einen Chi­ckendöner mit Pommes, Mayo und Zitro­nen­li­mo­nade. Zum Mit­nehmen bitte!“ Die Bestel­lung geht natür­lich aufs Haus. Dann fährt Neuer auf den Park­platz und lässt es sich schme­cken. Umla­gert von wei­teren 50 auf­dring­li­chen Jour­na­listen, hat er sicht­lich Pro­bleme, sein Hühn­chen­sand­wich zu genießen. Nach einigen Bissen wird es unbe­merkt zur Seite geschoben. Sein etwas gequältes Fazit: Es habe ihm gut geschmeckt, auch wenn er jetzt nicht jeden Tag Döner essen werde. Welch Glück, dass zumin­dest in Mün­chen PR-Aktionen wie diese im Weiß­wur­st­rahmen statt­finden.