Seite 2: Wie Baku den Zuschlag erhielt

Die Ant­wort der Uefa, sie dürfte sich in den kom­menden Tagen irgendwo zwi­schen „#respect“ und „#equal­games“ bewegen. Auch wenn die Ant­wort Egal Games“ wohl stim­miger wäre, weil all diese Dinge einerlei sind, wenn der Europa-League-Zirkus für ein paar Tage ein­mar­schiert und die Kasse stimmt. Und die stimmt in Aser­bai­dschan so richtig.

Wie Baku über­zeugte

Im Dezember 2017 hatte sich Baku im Bewer­ber­pro­zess gegen Sevilla und Istanbul als Gast­geber des Finales durch­ge­setzt. In zehn Kate­go­rien wie Vision, Kon­zept und Ver­mächtnis“, Gesell­schaft­liche Ver­ant­wor­tung und Nach­hal­tig­keit“, Rechts­fragen“, Sicher­heit und Ser­vice“, Sta­dion“, Mobi­lität“ hatte Baku über­zeugt. Dabei wurde im The­men­ge­biet Rechts­fragen“ nicht geklärt, wie es um die etwa 150 poli­tisch Gefan­genen im Land oder sons­tige Zwei­fel­haf­tig­keiten in Sachen Men­schen­rechte stünde, son­dern ob die geis­tigen Eigen­tums­rechte der Uefa geschützt werden. Fazit: Grünes Licht am Kas­pi­schen Meer.

Inwie­fern das breite Spon­so­ring des staat­li­chen Ölkon­zerns Socar“, das die Uefa seit 2013 unter­stützt, eine pro-aser­bai­dscha­ni­sche Ent­schei­dung ange­schoben hat, sei dahin­ge­stellt. Immerhin in Sache Mobi­lität“ und Nach­hal­tig­keit“ dürfte der Standort keine Plus­punkte gesam­melt haben, dessen Flug­hafen es erwie­se­ner­maßen nicht auf­nehmen kann mit tau­senden Fuß­ball­fans, die in diesen Tagen knapp 10.000 Kilo­meter reisen werden.

Alt­be­währte Praxis

Ein Punkt, den die Uefa aber sowieso nicht gelten lässt. Schließ­lich sei es es unmög­lich vor­her­zu­sagen, welche Klubs das Finale errei­chen werden, wäh­rend der Aus­tra­gungsort etwa zwei Jahre im Voraus aus­ge­wählt werden muss.“ Das Pro­blem zwi­schen Aser­bai­dschan und Arme­nien ist dem Ver­band durchaus bewusst. Inter­na­tio­nale Spiele beider Staaten finden nicht statt. In Aus­lo­sungen werden Ver­treter der beiden Länder wie auch Ukraine und Russ­land, Kosovo und Ser­bien oder Kosovo und Bos­nien-Her­ze­go­vina sofern mög­lich nicht gegen­ein­ander gelost. 

Eine so bewährte Praxis der Uefa wie die sichere Umge­hung von poli­tisch hand­festen Stel­lung­nahmen. Für Pro­bleme hätte dieser Finalort also nur sorgen können, wenn sich der ein­zige arme­ni­sche Profi für das Europa-League-End­spiel qua­li­fi­ziert, der nicht spä­tes­tens in der 3. Qua­li­fi­ka­ti­ons­runde aus­ge­schieden war. Und das, das war nun wirk­lich nicht vor­her­zu­sagen.