Das sind sie, die Immer-weiter-immer-höher-Bayern: gefräßig und nim­mer­satt. Sie fie­seln ihre Gegner ab wie Schweins­haxn und räus­pern sich nachher genuss­voll.

Die Tore fallen auto­ma­tisch“, froh­lockt der Trainer. Im Moment sehe ich keinen, der uns stoppen kann“, tönt der Mit­tel­feld-Ras­telli, der es noch dazu wagt, eine Anleihe beim Franzl zu nehmen: Für unsere Fans ist das wie Weih­nachten.“ Und der Angreifer, bei dem der­zeit alles, was er pro­biert, zu Milch und Honig wird, grinst die­bisch: Wir haben gezau­bert wie Cop­per­field!“ Dann schüt­telt ihn ein Lach­krampf.
 
Die Stim­mung ist so heiter, dass selbst der ewig anti­zy­kli­sche Metz­ger­baron seine Prin­zi­pien auf­gibt. Im Erfolg erden, im Miss­erfolg tät­scheln? Ach wo! Fuß­ball ist ein Gesell­schafts­spiel, und die Gesell­schaft labt sich am Spiel des FC Bayern, des­halb gou­tiert Uli Hoeneß wie seine Vor­redner Ottmar Hitz­feld, Thorsten Fink und Gio­vane Elber die Super-Serie dieses Okto­bers 2001: Die Mann­schaft ist in einer bestechenden Form. So macht es Spaß, wenn man draußen sitzt und zuschauen kann.“
 
Dass in einer fernen Fuß­ball-Zukunft ohnehin nichts mehr super ist bei Bayern, son­dern min­des­tens super­super, kann er nicht ahnen. Also: An Guadn aller­seits.
 
Zwei­kampf an der Wahl­urne
 
Was treibt einen Mann wie Hoeneß jener Tage um, ange­sichts der Genia­lität seines Klubs, der nicht Triple-Sieger, aber doch Triple-Meister von 1999, 2000, 2001 ist? Die Ant­wort: Exakt eine Frage, sie hat nichts mit Duellen auf dem grünen Rasen und viel mit Zwei­kämpfen an der Wahl­urne zu tun. JA oder NEIN? Mün­chens Bürger votieren für oder gegen ein neues Sta­dion. Der gol­dene Oktober als Zukunfts­weiser.
 
Viel steht auf der Kippe, nicht nur eine schmucke, weitaus kom­for­ta­blere Spiel­stätte als das Olym­pia­sta­dion, das an guten Tagen zwar immer noch zur son­nen­durch­läs­sigen Open-Air-Arena wird, aber an schlechten – unge­fähr an allen Tagen zwi­schen November und April – zur zugigen Frei­luft­kon­struk­tion.

Viel­mehr geht es um die Aus­sichten der Fuß­ball-Haupt­stadt, sogar die Hor­ror­vi­sion einer WM 2006 ohne den Standort Mün­chen schwebt wie das Schwert des Damo­kles über den Köpfen von Hoeneß & Co. Der Volks­ent­scheid lässt die Macher zit­tern – wenn es schon die Sams­tag­nach­mit­tage nicht ver­mögen, so etwas wie einen Span­nungs­bogen zu erzeugen. Dem FC Bayern ist das natür­lich sehr lieb.

Das war ein Sen­sa­ti­ons­spiel“
 
Und so erin­nert der Herbst 2001 in seinen Aus­stül­pungen ganz ver­dächtig an den Herbst 2015. (Sta­dion-Thema bitte weg­denken, danke.)
 
Damals: 5:1, 5:1, 4:1. Heute: 5:1, 5:0, 5:1
 
Zeit­strahl in die Ver­gan­gen­heit. Das war ein Sen­sa­ti­ons­spiel“, prus­tete Karl-Heinz Rum­me­nigge nach dem 5:1 gegen einen zuge­geben mise­ra­blen TSV 1860 am 13. Oktober 2001. Ein­deutig der Fest­schmaus der Bayern, die fünf Monate zuvor die Cham­pions League gewannen, aber zum Sai­son­auf­takt bei Auf­steiger Mön­chen­glad­bach schiff­brü­chigten.

Anschlie­ßend hatten sie im mit dun­kelsten Sze­na­rien bebil­derten Über­gangs­jahr“ eine Form­kurve ins Koor­di­na­ten­system gekrit­zelt, wie es Bayern-Teams in beein­dru­ckend-benei­dens­werter Regel­mä­ßig­keit gelingt. Eigent­lich ist es eine beein­dru­ckend-benei­dens­wert-beängs­ti­gende Regel­mä­ßig­keit.