Peer Stein­brück, Kanz­ler­kan­didat der SPD
Deutsch­land – Eng­land 3:2 n. V. (0:1, 2:2)
14.06.1970, Welt­meis­ter­schaft, Vier­tel­fi­nale
Sta­dion: Estadio Gua­na­juato, Leon

Ich sah das Spiel in einem inter­na­tio­nalen Stu­den­ten­wohn­heim in Kiel, wo ich in meinem ersten Semester stu­dierte. Es ging inter­na­tional zu, meine Kom­mi­li­tonen stammten aus ganz Europa, Latein­ame­rika und Afrika, die Sym­pa­thien vor dem Schwarz-Weiss-Fern­seher waren ent­spre­chend geteilt.

Ich hoffte auf eine Revanche für das WM-Finale 1966. Doch wieder schien es in die Hose zu gehen. Die Eng­länder führten bereits 2:0, als Alf Ramsey Bobby Charlton aus­wech­selte. 

Danach kippte das Spiel sen­sa­tio­nell. Ein Flach­schuss von Becken­bauer zum 2:1, dann der Aus­gleich durch das Hin­ter­kopf-Tor von Uwe Seeler. Ein Treffer, wie ich ihn von meinen Besu­chen beim HSV am Rothen­baum und dann im Volks­park­sta­dion schon kannte.

Damals in Ham­burg hiess der Flan­ken­geber Charly Dörfel, in der Glut­hitze von Leon war es nun Karl-Heinz Schnel­linger. In der Ver­län­ge­rung ver­drehte dann Gerd Müller artis­tisch vor dem Tor den Fuss in der Luft und ent­schied das Spiel.

So viel Dra­matik riss uns Stu­denten mit – und nach dem Abpfiff waren alle von einem Fuss­ball­thriller begeis­tert. Eng­länder waren meiner Erin­ne­rung nach nicht dabei.“

Jürgen Trittin, Frak­ti­ons­vor­sit­zender Bündnis 90/​Die Grünen
FC Bayern Mün­chen – SV Werder Bremen 5:6 n. E. (1:1, 1:1)
12.06.1999, DFB-Pokal, Finale
Sta­dion: Olym­pia­sta­dion, Berlin

Auf der Pro­mi­tri­büne war ich neben dem Bremer Bür­ger­meister der ein­zige Werder-Fan. Der Rest pro Bayern – von Stoiber bis Becken­bauer. Und dann geht Werder, das in der Saison gegen den Abstieg gespielt hat, mit dem ersten Angriff in Füh­rung. Carsten Jancker gleicht für die Bayern aus. Es kommt zum Elf­me­ter­schiessen. Frank Rost ist fast an jedem Bayern-Elfer dran – aber nur fast.

Der große Olli Kahn hält gegen Jens Todt. Dann kommt Effen­berg. Er hat den Sieg auf dem Fuss, arro­gant nimmt er fast keinen Anlauf – und hebt den Ball über das Tor. Auf der Pro­mi­tri­büne Schweigen. Bei den Bayern-Spie­ler­frauen blankes Ent­setzen. Jetzt schiesst Rost selbst und ver­wan­delt sicher – Werder ist vorn.

Dann tritt Lothar Mat­thäus an, seine aller­letzte Aktion im Bayern-Trikot. Rost hält. Werder ist Pokal­sieger. Bei den Spie­ler­frauen Tränen. Schlechte Stim­mung beim DFB und bei Bayern, die sich noch stei­gert, als Karin Stoiber alle Werder-Spieler abbus­serlt.“

Die Texte stammen aus dem Buch Die 100 besten Spiele aller Zeiten“ (Tim Jür­gens und Philipp Köster), das kürz­lich im Süd­west Verlag erschienen ist. Mehr Infos und Bestell­mög­lich­keiten auf der Ver­lags-Home­page.