Seite 2: Zieht Stöger gleich wieder weiter?

Nun also ist Peter Stöger zurück bei seiner Aus­tria. Und sicht­lich um Sach­lich­keit bemüht: Die Auf­gabe, diesen Klub, den ich eini­ger­maßen gut kenne, in einer Füh­rungs­po­si­tion mit­zu­ent­wi­ckeln, ist span­nend. Ich habe ein Gefühl dafür ent­wi­ckelt, ob das die rich­tige Auf­gabe für mich ist. Je mehr Gespräche wir geführt haben, umso klarer ist es für mich geworden“, sagt der 53-Jäh­rige. Zugleich mahnt Stöger jedoch Geduld an, denn wer in Deutsch­land erfolg­reich war, wird in Öster­reich allzu schnell als Mes­sias oder zumin­dest als Magier betrachtet: Nur weil ich hier mit­ar­beite, machen wir nicht in jeder Sekunde einen Quan­ten­sprung. Es bedarf einer gewissen Anlauf­zeit.“

Zumal Peter Stöger seinen neuen Posten offi­ziell erst am 1. August antritt. Dass er in Wahr­heit schon viel länger im Hin­ter­grund mit­wirkt, sagt einiges über den bestehenden Hand­lungs­be­darf im Verein aus: Die Aus­tria, immerhin 24-maliger öster­rei­chi­scher Meister (zuletzt 2013 unter Coach Stöger), belegte in den beiden zurück­lie­genden Spiel­zeiten die Plätze 7 und 5 im amt­li­chen End­klas­se­ment. Eine ziem­lich erbärm­liche Aus­beute in einer Mini-Liga, die zur Hälfte aus Dorf-Klubs“ besteht.

Eine durch und durch stra­te­gi­sche Auf­gabe

Nun will Stögsi“, wie er in Öster­reich gerufen wird, den Verein zumin­dest wieder ins inter­na­tio­nale Geschäft führen. Mög­lichst bald. Mehr ver­spricht er dem leid­ge­prüften Aus­tria-Anhang nicht: Ich werde den Teufel tun, jetzt irgend­eine Marsch­route her­aus­zu­geben.“ Erst nach zwei Jahren, wenn sein Ver­trag aus­läuft, will Stöger eine vor­läu­fige Bilanz ziehen: Kann ich das umsetzen, was ich glaube? Macht mir das Spaß? Bin ich der Mann, der den Verein auf dieser Posi­tion wei­ter­ent­wi­ckeln kann?“

Etwaige Befürch­tungen, der Heim­kehrer könne beim ersten Angebot aus Deutsch­land gleich wieder von dannen ziehen (wie 2013, als er trotz Cham­pions-League-Qua­li­fi­ka­tion zum dama­ligen Zweit­li­gisten nach Köln wech­selte), ver­sucht Stöger zu zer­streuen: Ich bin so lange in diesem Geschäft, dass ich auf­ge­hört habe, mit irgend­etwas abzu­schließen“, sagt der 65-malige öster­rei­chi­sche Natio­nal­spieler. Klar sei jedoch, dass ihn bei der Aus­tria eine durch und durch stra­te­gi­sche Auf­gabe erwarte: Das sollte im Nor­mal­fall mit Kon­ti­nuität ver­bunden sein.“

Aus­tria-Boss Frank Hensel darf sich also zufrieden zurück­lehnen und seinem Traum-Sport­vor­stand bei der Arbeit zusehen: Ein lang­fris­tiger Plan von mir wurde zu Ende gebracht, das Thema Stöger hat mich beschäf­tigt, seit ich hier Prä­si­dent geworden bin (Sep­tember 2018; die Redak­tion). Er war immer mein Wunsch­kan­didat.“ Und die Wiener Aus­tria war immer Stö­gers große, nein: Echte Liebe.