Seite 2: 24 Millionen an Ablösesummen

Aller­dings waren bei diesen Trans­fers nicht inkom­pe­tente Bosse schuld, son­dern die Umstände, und die will Rang­nick unbe­dingt ändern. Ab der nächsten Saison wird er sich als Sport­di­rektor nur noch um den Standort Leipzig küm­mern. Ver­ständ­lich, dass er dann nicht mehr nach Sand­hausen oder Aalen fahren, son­dern gegen Bayern, Schalke und Dort­mund spielen will. Außerdem mag er zwar viel von der Nach­hal­tig­keit und Pro­jekt­haf­tig­keit in Leipzig erzählen, aber er weiß auch, dass Erfolg im Fuß­ball an den Inves­ti­tionen gemessen wird. Und da hat RB Leipzig sowieso nichts mit dem Rest der Zweiten Liga zu tun.

In der Win­ter­pause gaben nur zwei deut­sche Klubs mehr Geld für Trans­fers aus: Der VfL Wolfs­burg für André Schürrle und Borussia Dort­mund elf Mil­lionen für den schon erwähnten Kampl. RB bezahlte für den Israeli Omer Damari fünf Mil­lionen an Aus­tria Wien und 3,7 Mil­lionen Euro für den schwe­di­schen Natio­nal­spieler Emil Fors­berg an den Cham­pions-League-Teil­nehmer Malmö FF. Ins­ge­samt inves­tierte der Klub in dieser Saison damit 24 Mil­lionen Euro allein in Ablö­se­summen und wurde damit nur von Dort­mund und Wolfs­burg über­troffen. 

Zor­niger war bereits ein erle­digter Fall

All das zeigt: RB Leipzig soll in die Bun­des­liga durch­ge­prü­gelt werden, so wie einst Hof­fen­heim, wo erst von nach­hal­tigem Wachstum geredet wurde und dann plötz­lich die Bra­si­lianer Carlos Edu­ardo und Luiz Gus­tavo kamen. Wir sagen offen: Die erste Liga ist unser Ziel, wir sind da auch durchaus unge­duldig“, hat Rang­nick wie­der­holt gesagt. Inso­fern war die Mischung aus Ergeb­nissen und seiner Hal­tung für den nun ent­las­senen Trainer Alex­ander Zor­niger der schlech­teste mög­liche Mix. Fünf Spiele ohne Sieg inklu­sive der 0:2‑Niederlage zum Rück­run­den­start in Aue waren sport­lich unpas­send. Unpas­sender noch war aber aus Sicht von Rang­nick, dass Zor­niger schon vor der Win­ter­pause gesagt hatte, es wäre für den Klub viel­leicht ganz gut, noch eine Saison zweit­klassig zu bleiben. Im Grunde war er damit ein erle­digter Fall, trotz der Ver­dienste um den Durch­marsch von der vierten in die zweite Liga. Zor­ni­gers Ver­trag lief zwar noch bis zum Ende über­nächster Saison. Am Dienstag wurde ihm mit­ge­teilt, dass er nicht bis übers Sai­son­ende hinaus bleiben sollte. Dar­aufhin zog er den Schluss­strich, offi­ziell ein­ver­nehm­lich“.

Noch in der letzten Woche hatte Rang­nick gesagt, dass der Klub geis­tes­krank“ sei, wenn er über den Trainer debat­tieren würde. Nun ist Zor­niger weg, und wäre Rang­nick heute noch Coach, würde er diese Geschichte wohl als wei­teren Beleg für den Irr­sinn des Trai­ner­jobs erzählen. Seine Unge­duld auf dem Weg zum Erfolg könnte aber auch ver­hin­dern, dass der angeb­liche Wunsch­trainer Thomas Tuchel wirk­lich nach Leipzig kommt. Denn der hat den Über­trainer Rang­nick als Vor­ge­setzten schon in Stutt­gart erlebt, als er dort die A‑Jugend trai­nierte. Man schätzt sich, heißt es aus dem Umfeld von Tuchel, aber man kennt sich eben auch.