Werner Dreßel

Werner Dreßel galt als kom­mender Natio­nal­spieler, ein Typ wie Charly Dörfel. Seinen ersten Lizenz­spie­ler­ver­trag unter­schrieb der Flü­gel­stürmer bei Werder Bremen, wo er es in 93 Bun­des­li­ga­spielen auf 20 Tore brachte. Gele­gent­li­chen Form­schwan­kungen des Links­außen setzte Werder-Trainer Wolf­gang Weber süf­fi­sant ent­gegen: Hof­fent­lich wird bald die neue Tri­büne frei­ge­geben. Dann können die Zuschauer auf der linken Seite den Dreßel wach­schreien.“



Der HSV schien aus­rei­chend Ver­trauen in seine linke Tri­büne zu haben, um Dreßel zu ver­pflichten. 1980/81 spielte der Außen­stürmer seine erste Saison im HSV-Dress und sollte gleich die Lücke schließen, die Kevin Keegan hin­ter­lassen hatte. Für Dreßler reine Kopf­sache: Ich fühle mich freier, weil ich im Gegen­satz zu Bremen nicht mehr nach unten schaue, son­dern nach oben.“ Und zunächst sollten seine Leis­tungen den Vor­schuss­lor­beeren (Günter Netzer: Solch einen Außen­stürmer hätte ich zu meiner aktiven Zeit gebrau­chen können, der geht ab wie eine Rakete“) gerecht werden. In den ersten neun Spielen schoss er drei Tore, bevor ihn eine lang­wie­rige Knie­ver­let­zung stoppte. Beim HSV sollte er es nur noch auf eine Hand­voll Kurz­ein­sätze gegen Ende der Saison bringen, um nach nur einem Spiel in der darauf fol­genden Spiel­zeit zum 1. FC Nürn­berg zu wech­seln. Zwar schaffte er es dort zu alter Form, eine Beru­fung in die Natio­nal­mann­schaft blieb ihm jedoch ver­währt.

Benno Möhl­mann

Über Jahre hinweg war die Startelf von Werder Bremen ohne Benno Möhl­mann ebenso wenig denkbar wie ein grün-oranges Werder-Trikot. Doch die Zeiten sollten sich ändern. Benno Möhl­mann sollte aus der Startelf ver­schwinden, die Bremer 2004 im grün-orangen Kana­ri­en­vogel-Schick die Meis­ter­schale holen.

Für Möhl­mann kam die Zei­ten­wende mit einem Zer­würfnis. Er hatte sich mit Trainer Otto Rehagel ange­legt, was den defen­siven Mit­tel­feld­spieler in der Gunst des Auto­kraten nicht gerade nach oben schnellen ließ. Nach nur einem Ein­satz in den ersten elf Spielen 1987/1988 wech­selte Möhl­mann zum HSV, für den er noch 25 Bun­des­li­ga­par­tien spielte, bevor er 1989 seine Kar­riere ver­let­zungs­be­dingt been­dete. Dass ihm sein Wechsel zum Nord­ri­valen nur dezente Gewis­sens­bisse beschert haben dürfte, lässt eines seiner spä­teren Inter­views mit Spiegel online“ ver­muten. Als Möhl­mann in seiner Funk­tion als Arminen-Coach nach der Bedeu­tung des Spiels gegen Bremen gefragt wird, ant­wortet er tro­cken: Man sollte in solche Ver­bin­dungen nicht zu viel hin­ein­in­ter­pre­tieren.“

Marinus Bester

Von wegen Einmal Werder, immer Werder“. Marinus Bester schien der­ar­tige Ver­eins­ro­mantik ziem­lich fremd. Schließ­lich begann er seine Bun­des­li­ga­kar­riere 1990 in Bremen, spielte dort zwei Jahre, um dann zum HSV zu wech­seln. Das allein ist für die Bremer Anhän­ger­schaft nicht weniger als ein Kapi­tal­ver­bre­chen.

Für Bester dagegen ein ganz nor­maler Vor­gang. Denn bereits als Werder-Profi fuhr er so oft er konnte ins Volks­park­sta­dion, um seinen Lieb­lings­klub, den HSV, nach vorne zu schreien. Alles kein Pro­blem, auch ein erneuter Wechsel nach Bremen nicht. Daher ist Bes­ters Ant­wort auf die Frage nach seinen Emo­tionen vor dem Nord­derby nur kon­se­quent: Wäh­rend des Spiels denkt man nur: Wir wollen die schlagen, die wollen uns schlagen. Diese Fragen nach der Beson­der­heit eines Spiels gegen den alten oder neuen Verein sind im Grunde hane­bü­chen.“

Dietmar Bei­ers­dorfer

Dass HSV-Prä­si­dent Jürgen Hunke vor der Uefa-Pokal-Ach­tel­fi­nal­partie gegen Sigmar Olo­mouc bereits auf eine Vier­tel­fi­nal­be­geg­nung gegen Real Madrid spe­ku­lierte, passte zum Rest der Saison 1991/1992. Madrid würde für eine ordent­liche Sta­di­on­aus­las­tung sorgen. Schließ­lich müssen wir auch an die Kasse denken“, wie Humke zu bedenken gab.

Schade nur, dass beide Par­tien gegen die Tsche­chen ver­loren gingen und besagte Kasse am Ende der Spiel­zeit nicht stimmte. Obwohl der HSV bereits zu Beginn der Saison sagen­hafte 15 Mil­lionen DM für Thomas Doll ein­strich, den es zu Lazio Rom gezogen hatte, waren es finan­zi­elle Zwänge“ (zu Deutsch: klamme Kasse), die den Abgang von Dietmar Bei­ers­dorfer nach Bremen begüns­tigten. Bei­ers­dorfer war als per­so­ni­fi­ziertes Abwehr­boll­werk eine der wenigen Inte­gra­ti­ons­fi­guren des HSV und sträubte sich im Grunde gegen den Wechsel, doch wirkte die von Bremen gebo­tene Ablö­se­summe von zwei Mil­lionen für einen Abwehr­spieler zu ver­lo­ckend, als dass der HSV die Offerte hätte aus­schlagen können. Letzt­lich blieb Didi“ vier Jahre in Bremen, wurde auf Anhieb Meister und machte Zwi­schen­sta­tion beim 1. FC Köln, bevor er 2002 als Sport­di­rektor in seine fuß­bal­le­ri­sche Heimat zurück­kehrte. Das Bremer Kapitel hatte man ihm auf­grund mil­dernder Umstände inzwi­schen ver­ziehen.

Rodolfo Esteban Car­doso

Als Hoff­nungs­träger war er nach Bremen gekommen, als Mil­lio­nen­miss­ver­ständnis hat er Bremen ver­lassen. Rodolfo Esteban Car­doso war von 1993 bis 1995 einer der auf­fäl­ligsten Spiel­ma­cher der Bun­des­liga. Er brachte alles mit, was Kenner bekannten Spiel­ma­cher-Größen nach­sagten: feine Technik, Tor­ge­fahr, Spiel­in­tel­li­genz. Für Frei­burg erzielte er in zwei Sai­sons 28 Tore, bis sein großer Moment gekommen schien. Vize­meister Werder Bremen klopfte an, suchte einen Nach­folger für Andreas Herzog und war in Car­doso fündig geworden. Manager Willi Lemke über­wies mit drei Mil­lionen Euro (damals rund sechs Mil­lionen DM) mehr Geld an den SC Frei­burg als der FC Bayern für Andreas Herzog hin­ge­blät­tert hatte.

Doch in seiner ersten Saison für Grün-weiß wirkte der Argen­ti­nier wie ein Fremd­körper im Wer­de­raner Mit­tel­feld und konnte in den wenigsten seiner 24 Ein­sätze über­zeugen. Bremen stürzte ab auf Platz neun, holte Herzog nach nur einem Jahr zurück und trans­fe­rierte Car­doso nach acht Kurz­ein­sätzen in der neuen Saison zum HSV. Dort knüpfte er ob anhal­tenden Ver­let­zungs­pechs nie an seine Frei­burger Leis­tungen an, avan­cierte aber spä­tes­tens 1999/2000 zum Ham­burger Publi­kums­lieb­ling, als er mit acht Toren und sechs Vor­lagen maß­geb­lich am Errei­chen der Cham­pions League-Qua­li­fi­ka­tion betei­ligt war. Nach sieben Jahren HSV been­dete er seine Kar­riere 2004. Heute trai­niert er die zweite Mann­schaft der Ham­burger.