Moskau hat seit schon seit Jahr­zehnten gewal­tige, palast­ar­tige Metro­sta­tionen in Hülle in Fülle, von denen man aus die Stadt geschwind unter­queren kann. Recht­zeitig zur WM wurde ein S‑Bahn-Ring fertig, auf dem man eine andert­halb­stün­dige Rund­fahrt machen kann, wenn man möchte. Und es gibt hun­derte von Bus­li­nien, ob an Ober­lei­tungen oder ohne, Ver­bin­dungen in Stra­ßen­bahnen oder Mini­bussen. Die meisten fahren sogar auf eigenen Spuren am ewigen Stau vorbei. Und wenn man trotzdem im Auto fahren will, kann man sich mit­hilfe prak­ti­scher Taxi-Apps sehr günstig durch die Stadt chauf­fieren lassen.

Es gibt also eigent­lich keinen Grund, selber zu fahren, und des­halb macht es auch kaum einer der WM-Rei­senden. Zeit also, sich ins Auto zu setzen und los­zu­fahren. Unser WM-Sponsor Kia hat uns schließ­lich einen schi­cken roten Sport­wagen zur Ver­fü­gung gestellt, der Stinger heißt und laut Dimitri vom Auto­haus am Stadt­rand genau das Fahr­zeug ist, das ein freier Mann braucht“. 

Wie Ost­berlin auf Ste­reoiden

Aller­dings steckt der freie Mann schon nach zehn Minuten der Jung­fern­fahrt fest. Mos­kaus Staus, das ver­steht man bald, haben ihren eigenen Zauber. Anders als die meisten Staus daheim, erklären sie sich näm­lich nicht durch Stö­rungen im Ver­kehr. Also, dass ein Auto lie­gen­ge­blieben ist, es einen Unfall gab oder eine Fahr­spur gesperrt wurde. In Moskau ist der Ver­kehr selber die Stö­rung. Es fahren ein­fach viel zu viele Autos herum. 

Erstaun­lich ist das, weil Moskau kein Stra­ßen­netz hat, das lange vor der Ära der Moto­ri­sie­rung ent­stand, wie das etwa in Lon­dons oder Rom der Fall ist. Alles in Moskau ist riesig, wie Ost­berlin auf Ste­reoiden, und die Straßen sind es auch. Es gibt nicht nur gewal­tige Bou­le­vards, die jen­seits von acht Spuren als Neben­straßen durch­gehen. Die Stadt ist auch durch­zogen von einem Netz von Schnell­straßen, teil­weise auf Stelzen und mit spek­ta­ku­lären Fly­o­vern. Wobei Schnell­straßen eben nur ein tech­ni­scher Begriff ist, denn schnell geht hier gar nichts, außer man fährt nachts.