Das Trai­ner­ka­rus­sell in Deutsch­land dreht sich weiter. Nur die Kan­di­daten ändern sich. Die arri­vierten Kräfte aus der Bun­des­liga, die immer nach jeder Trai­ner­ent­las­sung als Kan­di­daten bemüht wurden, spielen keine Rolle mehr. Neue Trainer wie Thomas Tuchel und Andreas Berg­mann wurden aus dem Jugend­be­reich rekru­tiert.



Doch was ist gerade mit den alten, bekannten Trai­nern, die die Bun­des­li­ga­his­torie um die eine oder andere Story berei­cherten. Geben sie sich unter der Dusche selber Inter­views? Fliegen sie mit dem ört­li­chen Kreis­li­gisten ins Trai­nings­lager? Hier die Liste der ent­las­sensten Trainer: 


Klaus Topp­möller

Der Trainer mit der Frisur von Bart Simp­sons Tanten Patty und Selma war Anfang der Neun­ziger der Laut­spre­cher der Liga. Sprüche wie »Bye, bye Bayern« oder »Wenn ich so Fuß­ball gespielt hätte wie Berti Vogts, hätte ich meine Fuß­ball­schuhe ver­brannt« unter­hielten die Massen. Nicht weniger Begeis­te­rung ent­fachte »Toppi« mit dem Fuß­ball, den er bei Bayer Lever­kusen im Jahr 2002 spielen ließ. Es reichte bekannt­lich ledig­lich zu drei Vize­ti­teln. Nach seiner Demis­sion beim Ham­burger SV klang Topp­möller dann etwas wei­ner­lich, als er sagte: »Hier hat man mich im Prinzip vom ersten Tag an nicht geliebt, das tut schon weh.« Es wird Zeit, dass er wieder geliebt wird.

Tag der Ent­las­sung:
17.10.2004 beim Ham­burger SV

Mög­liche nächste Sta­tion: Wieder Bayer Lever­kusen. Bei dem ersten Verein mit Nicht­rau­cher-Sta­dion würde man es Topp­möller auch eher abnehmen, wenn er von einer »neuen, großen Her­aus­for­de­rung« spre­chen würde. 

Klaus Augen­thaler

Der Welt­meister von 1990 machte wäh­rend seines Enga­ge­ments beim Grazer AK für eine Trai­nings­ein­heit für nie­mand Gerin­geren Platz als Hape Ker­ke­ling, der in der Rolle des eigen­sin­nigen litaui­schen Fuß­ball­trai­ners Albertas Kli­ma­wiszys die unwis­senden Fuß­baller auf eine harte Probe stellte.



Augen­thaler selbst sagte einmal, als Trainer müsse man genau das ver­bieten, was man selbst als Spieler aus­ge­heckt habe. Da »Auge« nicht abstreitet, als Aktiver mal wäh­rend einer Halb­zeit­pause zum Glimms­tengel gegriffen zu haben, könnten sich seine Kon­troll­gänge durch die Inspi­zie­rung der Toi­letten ver­län­gern.

Tag der Ent­las­sung:
19.05.2007 beim VfL Wolfs­burg

Mög­liche nächste Sta­tion: Der FC Bayern, na klar. Nur »Auge« kennt jeden Gras­halm in Mün­chen. Nur er kommt mit der Münchner Medi­en­land­schaft zurecht, wenn er es denn durch­zieht, sich in Pres­se­kon­fe­renzen die eigenen Fragen zu beant­worten. 

Mirko Slomka

Der Mann, dem sie eigent­lich schon ein »der nette Herr« vor den Nach­namen in den Pass ein­stanzen können. Slomka, dem manche Leute Ähn­lich­keit mit Richard Gere unter­stellen, gab als vor­ma­liger Co-Trainer den »Spie­l­er­flüs­terer« und schreckte nicht vor der Anwen­dung des Reiss-Tests zurück, in dem Spieler nach sexu­ellen Vor­lieben befragt wurden. Doch über Slomka schwebt das Lothar Mat­thäus-Damo­kles­schwert: Prall gefüllte Visi­ten­karte (CL-Vier­tel­fi­nale, deut­sche Vize­meis­ter­schaft und UEFA-Cup-Halb­fi­nale bei seiner ersten Sta­tion), immer im Gespräch und doch einen Brief­kasten voll Absagen bei der Trai­ner­suche (HSV, Wolfs­burg, Köln, Bie­le­feld).

Tag der Ent­las­sung:
13.04.2007 beim FC Schalke 04

Mög­liche nächste Sta­tion: Hof­fen­heim. Slomka war Rang­nicks Co-Trainer auf Schalke, beide kannten sich aus gemein­samen Han­no­ve­raner Zeiten. Selbst zu einem U2-Kon­zert flogen sie zusammen. Doch als Slomka Rang­nicks Nach­folge antrat, riss das Band der Freund­schaft. Wenn Slomka Rang­nick auch in Hof­fen­heim beerbt, wird eine Doku-Soap draus.

Wolf­gang Wolf

Die jah­re­lange Traum­kom­bi­na­tion des Trai­ners Wolf­gang Wolf als Trainer vom VfL Wolfs­burg mit Manager Peter Pander ging leider 2003 in die Brüche. Statt VW hieß es im letzten Jahr Skoda: Wolf trat ein Enga­ge­ment beim grie­chi­schen Klub Skoda Xanthi an. Die Liaison hielt aller­dings nur drei Spiel­tage. In der Bun­des­liga lau­teten Wolfs wei­tere Sta­tionen Nürn­berg und Kai­sers­lau­tern. Wer dachte, der VfL Wolfs­burg betrete inter­na­tional in diesem Jahr Neu­land, dem sei gesagt, dass Wolf die Wölfe bereits 1999 in den UEFA-Cup führte. Man kann es in Wolfs eigenen Worten aus­drü­cken: »Wir haben uns gut aus der Atmo­sphäre gezogen.« 

Tag der Ent­las­sung: 11.04.2007 beim 1. FC Kai­sers­lau­tern, am 13.05.2006 war er letzt­malig Trainer in der Bun­des­liga, Lau­tern stieg in der Saison 06/07 mit Wolf ab

Mög­liche nächste Sta­tion: Nur für die Wort­spiel-Lieb­haber des Kicker“: Werder Bremen und die Schlag­zeile Wolf reißt Schaaf vom Platz“.

Thomas Hörster

Knapp drei Monate währte im Jahr 2003 die Amts­zeit des Thomas Hörster bei den zu dieser Zeit abstiegs­be­drohten Lever­kusen, die sich nach dem Drei­fach-Vize­titel 2002 vor­nahmen, einen schlim­meren Absturz hin­zu­legen als »Eddy the Eagle«. 

Bayer dachte kurz­zeitig dar­über nach, dem uner­fah­renen Hörster Udo Lattek an die Seite zu stellen, doch die Ver­hand­lungen schei­terten. Dafür kam Jürgen Kohler, der die Inter­views für Hörster über­nehmen sollte. Hörster, vielen noch auf­grund seines Holz­fäl­ler­hemdes bei seiner ersten Pres­se­kon­fe­renz bekannt, gab bei­zeiten näm­lich son­der­bare State­ments ab. Beim Abstiegs­duell mit Glad­bach gab Bayer in letzter Sekunde den Sieg aus der Hand, als Glad­bachs Morten Skuobo zum 2:2 traf. Dadurch behielt Glad­bach als Tabellen-15. drei Punkte Vor­sprung auf den 16., Bayer Lever­kusen. Hörster nach dem Spiel: »Ich bin zufrieden, wir haben den Abstand gehalten.« 

Tag der Ent­las­sung: 13.05.2003

Mög­liche nächste Sta­tion:
Hertha BSC. Warum? Weil es ein­fach passen würde. 

Kurt Jara


Nach jah­re­langem Rechts­streit mit seinem ehe­ma­ligen Arbeit­geber Red Bull Salz­burg und Bullen-Chef Diet­rich Mate­schitz um die Ver­un­treuung von Spie­ler­ge­häl­tern und Jaras Ent­las­sung blieb nicht mehr viel Zeit fürs Coa­chen. Der ehe­ma­lige Übungs­leiter des HSV und FCK machte sich unsterb­lich mit der Fest­stel­lung: »Wir können die Pres­se­kon­fe­renz hier ganz kurz halten mit vier Wör­tern. Am Samstag muss ein Sieg her. Es muss ein Sieg her. Es muss Sieg her.« Jawoll. Als Jara sich selbst ständig kor­ri­gierte, wollte man ihm mit Doug Hef­fernan sagen: Viel­leicht soll­test du auf­hören, vorher anzu­kün­digen, wie viele Wörter du benutzt.« So machten es die FCK-Fans und die brauchten sogar nur zweite Wörter: »Jara raus!« 

Tag der Ent­las­sung: 06.04.2005 beim 1. FC Kai­sers­lau­tern

Mög­liche nächste Sta­tion:
Wahr­schein­lich sind alle außer RB Leipzig. 

Peter Neururer

Die »Mutter aller Trainer auf Abruf«. Unver­ständ­li­cher­weise hat auch Real Madrid immer noch nicht ange­rufen, aber anschei­nend geht es da auch nicht nach Sach­ver­stand. Ehren­amt­lich gibt sich Neururer in letzter Zeit als Auto­bahncop in Luxem­burg und feilt an seinen Tanz­schritten für die Fan­kurve seines nächsten Arbeit­ge­bers.

Tag der Ent­las­sung:
30.08.2006 bei Han­nover 96

Mög­liche nächste Trai­ner­sta­tion: Schalke 04. Neururer kann quasi eine Wäsche­leine spannen zwi­schen der Arena und den Fens­tern seiner Woh­nung. Und: Das lang­jäh­rige Schalke-Mit­glied könnte als Ein­ziger noch härter sein als Felix Magath. So meinte er zu seinen Spie­lern vor einem Trai­nings­lager: »Nehmt euch Eimer zum Kotzen mit.«