Seite 2: Woodstock nach dem Wolkenbruch

Hinter den Kurven gab es lange Piss­rinnen, für die der Begriff Her­ren­toi­lette“ allen­falls ein hoff­nungslos über­trie­bener Euphe­mismus sein konnte. Der Weg zum Block war schon ab Herbst schlammig, die Sicht eher schlecht. Reporter Manni Breuck­mann sagte später einmal im Scherz, er habe nir­gendwo so viel gelogen wie bei Über­tra­gungen aus dieser Spiel­stätte.

Das Park­sta­dion war nicht der blitz­saubere Broadway, son­dern Wood­stock nach dem Wol­ken­bruch. Wer hier an einem ver­reg­neten Frei­tag­abend im November zum Spiel gegen Bayer Uer­dingen kam, der musste es ver­dammt ernst mit seiner Liebe zum Verein meinen.

Als die Trom­pete in den Block kam

Und der wil­deste Haufen stand unter der Anzei­ge­tafel. Der Auf­näher Nord­kurve“ auf der Kutte war ein Sta­tus­symbol. Hier war es ganz normal, dass jemand wie Cat­weazle am Laut­spre­cher­mast stand und die Menge ein­peitschte. Völlig normal, dass irgendwer eine Trom­pete mit in den Block nahm und Attacke“ brüllte.

Nie­mand wun­derte sich, dass die Jungs ohne Kohle mit der Zaunk­arte“ rein­kamen (sprich: per Klet­ter­partie über die Absper­rung). Hier brannten die Ben­galos, kreisten die Joints und kokelten die Schals des Geg­ners. Die Kurve hatte ihre eigene Logik, ihren eigenen Humor.

Hami, Hami, Hami“

1998 feu­erten sie den tür­ki­schen Star Hami Man­dirali bei jedem Frei­stoß an: Hami, Hami, Hami.“ Bis einer in die Stille rief: Wat für’n Armin?“ Den Tsche­chen Jiri Nemec fei­erten sie nach einem seiner sel­tenen Tore in Anleh­nung an Guildo Horn mit Meister, Meister“-Sprechchören. Ein Typ, der gerade mit fünf Bier in der Hand die Trep­pen­stufen run­ter­spur­tete, rief nur: Danke, danke Jungs. Ich weiß das zu schätzen.“

Cat­weazle hat nach dem Umzug in die moderne Arena nur noch selten Heim­spiele besucht. Es fühlte sich für ihn irgendwie anders an. Im Park­sta­dion gab es zwar nur ein Dach und keinen Video­würfel – aber es gab auch viel weniger Fuzzis und Ses­sel­furzer.