11FREUNDE WIRD 20!

Kommt mit uns auf eine wilde Fahrt durch 20 Jahre Fuß­ball­kultur: Seit dem 23. März ist​„DAS GROSSE 11FREUNDE BUCH“ auf dem Markt, mit den besten Geschichten, den ein­drucks­vollsten Bil­dern und skur­rilsten Anek­doten aus zwei Jahr­zehnten 11FREUNDE. In unserem Jubi­lä­ums­band erwarten euch eine opu­lente Werk­schau mit unzäh­ligen unver­öf­fent­lichten Fotos, humor­vollen Essays, Inter­views und Back­s­tages-Sto­­ries aus der Redak­tion. Beson­deres Leckerli für unsere Dau­er­kar­ten­in­haber: Wenn ihr das Buch bei uns im 11FREUNDE SHOP bestellt, gibt’s ein 11FREUNDE Notiz­buch oben­drauf. Hier könnt ihr das Buch be­stellen.

Außerdem prä­sen­tieren wir euch an dieser Stelle in den kom­menden Wochen wei­tere spek­ta­ku­läre Repor­tagen, Inter­views und Bil­der­se­rien. Heute: Dennis Berg­kamp im Inter­view.

11 Freunde Das große 11 Freunde Buch Kopie

Dennis Berg­kamp, wir möchten mit Ihnen über das schönste Tor Ihrer Kar­riere spre­chen.
Das Tor gegen Argen­ti­nien?

Wir dachten an den Treffer gegen New­castle.
Mir gefällt das Tor gegen Argen­ti­nien bei der WM 1998 besser, denn wir zogen dadurch ins Halb­fi­nale ein. Dazu dieses impo­sante Sta­dion (Stade Vélo­drome in Mar­seille, d. Red.) und die über 50 000 Zuschauer, die dieses Tor gesehen und beju­belt haben. Ich bin damals sehr emo­tional geworden.

Sie hielten sich die Hände vors Gesicht, als könnten Sie das alles nicht fassen. Was ging in Ihnen vor?
Ich wusste selbst nicht, wie mir geschieht. So ein Glücks­mo­ment in der 90. Minute! Jeder Junge träumt davon, bei einer WM ein Tor zu schießen. Dieses Tor machte ich auf meine Art und Weise, auf dieser Bühne, in einem für mich wirk­lich großen Spiel. Ver­mut­lich war das ent­schei­dend: Ich liebe guten Fuß­ball, schönen Fuß­ball, aber das Spiel muss eine spe­zi­elle Bedeu­tung haben. In diesem Moment dachte ich an meine Kind­heit, als ich im Alter von sieben oder acht Jahren auf der Straße vor unserem Haus kickte.

Sie standen lange in der Luft, als der Ball von weit hinten ange­flogen kam. Selbst ein Wide Receiver im Ame­rican Foot­ball hätte wahr­schein­lich Schwie­rig­keiten gehabt, solch einen langen Pass zu fangen. Sie aber stoppten ihn mit dem Fuß. War das Intui­tion?
In einer sol­chen Situa­tion muss sich der Stürmer Raum und Vor­sprung ver­schaffen, um vor dem Abwehr­spieler an den Ball zu kommen. Das schafft man, wenn man bereits Blick­kon­takt zum Pass­geber auf­nimmt, wenn der Ball noch gar nicht gespielt ist. Frank (de Boer, d. Red.) wusste direkt, was zu tun war. Es war ein per­fektes Zusam­men­spiel.

Sie haben diesen Pass gefor­dert?
Ein Blick reichte. Ich kannte Franks Kör­per­sprache und wusste: Er wird diesen Ball gleich lang spielen. Da hieß es: Voll­sprint. So bekam ich fünf Meter Vor­sprung vor meinem Gegen­spieler. Der Ball flog über meine Schulter, aber ich konnte seine Flug­bahn genau ein­schätzen. Gleich­zeitig musste ich den direkten Weg zum Tor suchen, um den Abschluss zu finden. Wenn man sich in so einer Situa­tion nur um einen Meter in die fal­sche Rich­tung bewegt, war es das.

Sie hätten den Ball auch auf­springen lassen können, um ihn am Boden zu kon­trol­lieren.
Das war die erste Option und es wäre ein­fa­cher gewesen, aber wahr­schein­lich hätte ich dann an der Eck­fahne gestanden. Also musste ich hoch­springen, ihn bereits in der Luft kon­trol­lieren. Ich musste ihn zähmen. Dafür zog ich in die Mitte, ich lief also gegen die Flug­bahn. Denn der Ver­tei­diger ver­folgte mich. Eine Kör­per­täu­schung, eine Rich­tungs­än­de­rung reichte, um freien Weg zum Tor zu haben. Ich stand am Ende ver­setzt, hatte den­noch eine gute Abschluss­mög­lich­keit.

Diese Ball­kon­trolle ist erstaun­lich. Wie haben Sie das geschafft?
Es geht im Fuß­ball oft um Balance, am Boden und in der Luft. Du musst so gespannt wie mög­lich sein, wie ein­ge­froren. Du musst in der Luft still­stehen. Wenn du mitten in der Bewe­gung bist und den Ball mit der Innen­seite annehmen willst, dann könnte er dem Ver­tei­diger vor die Füße fallen. Also habe ich es mit dem Spann pro­biert, dort hast du die beste Chance, den Ball zu kon­trol­lieren. Ich hatte die Selbst­si­cher­heit, jeden Ball annehmen zu können. Und diesen Ball wollte ich unbe­dingt annehmen, nicht an der Tor­aus­linie, son­dern vor dem Tor. Mir war aber nicht bewusst, wie hoch ich in der Luft stand.