Seite 2: „In meiner Werkstatt war alles sauber“

Spieler Ihres ersten Ver­eins in der Schweiz berichten, dass Sie für das Team Shirts mit dem Kon­terfei von Che Gue­vara dru­cken ließen.
Wir waren viele wilde Kerle, wir wollten nach oben. Dann kam mir dieser Spruch von Che Gue­vara in den Sinn: Seien wir rea­lis­tisch, ver­su­chen wir das Unmög­liche!“ Ich erzählte den Spie­lern von seiner Inva­sion auf Kuba, wie er mit nur 80 Leuten gelandet ist, sich durchs ganze Land kämpfte, bis zur Haupt­stadt. Aber es ging nur um das Zitat und die Person, nicht um poli­ti­sche Zusam­men­hänge. Das Wich­tigste ist, bei den Men­schen Bilder im Kopf aus­zu­lösen. Das mache ich noch heute so.

Welche Bilder nutzen Sie in Mainz?
Schauen Sie sich an, was wir im Winter gemacht haben: Ein Teame­vent fand im Gebirge statt, umrahmt von vielen Vier­tau­sen­dern. Wir zel­teten bei minus zehn Grad im Schnee. Mir ging es darum, dass die Spieler Grenzen über­winden, klar. Aber das Wich­tigste: Wir wollten Bilder schaffen. Bilder, die wir jetzt immer wieder zur Moti­va­tion ein­setzen, die für den Team­spirit zuträg­lich sind. Unsere Zelt­stadt auf 2500 Metern hängt jetzt seit dem Heim­spiel gegen Bayer 04 Lever­kusen als großes Foto in der Spie­ler­ka­bine in der Coface Arena, an dem wir alle auf dem Weg auf den Platz vor­bei­gehen.

Wie reagieren die Spieler darauf?
Die meisten frieren direkt beim Anblick. Andere sagen nur: Mann, war das geil.“ Viel­leicht wird der eine irgend­wann zehn Mil­lionen ver­dienen, der andere nicht, aber diese Nächte auf dem Berg werden sie alle nie ver­gessen. Bilder bringen ein Gefühl, eine Emo­tion, das prägt sich ein. Als ich in den Neun­zi­gern meine Auto­werk­statt führte, ach­tete ich auch darauf, dass alles sauber aus­sieht, wie in einem Wohn­zimmer. Der Boden war weiß, die Wände gelb, da hingen Poster von schönen Autos. Die Kunden sollten direkt sehen, dass sauber gear­beitet wird.

Sie führten jene Tuning-Werk­statt zehn Jahre, dann schlossen Sie sie von einem Tag auf den anderen. Warum?
Ich bin nicht der Typ, der 50 Jahre den glei­chen Job macht. Spä­tes­tens alle zwanzig Jahre kommt etwas anderes. Ich hatte damals alle wich­tigen Auto­ma­ga­zine abon­niert. Nach einer Zeit blieben sie ver­packt, ich rührte keines mehr an und bestellte sie nach und nach ab. Schließ­lich merkte ich zu dieser Zeit, dass ich gerne mit Men­schen arbeite, wie ich sie moti­vieren kann. Ich orga­ni­sierte damals mit meinen Kum­pels nebenbei viele Events, Ski­rennen und Partys. Das machte mir mehr Spaß. Dann kam die Idee, ein Beklei­dungs­ge­schäft zu eröffnen.

Auch ein unge­wöhn­li­cher Schritt für einen spä­teren Trainer.
Doch meine Moti­va­tion blieb die­selbe: Geht nicht gibt es nicht. Egal, ob die Kunden ein eigen­willig getuntes Auto haben wollten in meiner Werk­statt oder eben ein außer­ge­wöhn­li­ches Beklei­dungs­kon­zept für ihre Firma. Jemand wollte mal blaue Fir­men­kleider mit einer gelben Tasche und auf­wen­digen Sti­cke­reien. So was gab es nicht im Ein­kauf. Da haben wir eine Sti­ckerei eröffnet und die Klei­dung selbst desi­gned und anfer­tigen lassen.

Sie waren gleich­zeitig Desi­gner, Ver­käufer und Trainer in der zweiten Schweizer Liga?
Ja, das lief par­allel. Vorher musste ich immer direkt von der Werk­statt zum Trai­ning beim FC Raron hetzen. In meinem Geschäft hat ab 15 Uhr meine Schwester über­nommen und ich konnte mich mehr auf die Übungen kon­zen­trieren. Das ist gewachsen bis zum Jahr 2010, als ich begann, mich zu hun­dert Pro­zent auf Fuß­ball zu kon­zen­trieren.

Ein Jugend­tur­nier in Ergen­zingen soll der Start Ihrer Kar­riere gewesen sein. Stimmt das?
Kann man so sagen. Ich war damals Trainer beim FC Thun, das ist ein kleiner Verein. Zu diesem Tur­nier sind wir mit einem Sechs­sitzer-Kleinbus und dem Zug ange­reist. Vor Ort sahen wir die rie­sigen Busse von Mainz und Stutt­gart, und haben unser Büschen vor Scham irgendwo am Rand abge­stellt. Doch auf dem Feld lief es über­ra­gend. Wir blieben bis zum Finale ohne Gegentor.