Seite 2: „Ihr seid eine Schande, wir töten euch!“

Vasco Fer­nandes, unser Team­ma­nager, ver­suchte noch, die Tür des Umklei­de­raums zu ver­schließen, aber er kam nicht mehr dazu“, berich­tete Patricio. Sie stürmten mit mas­kierten Gesich­tern herein und griffen uns an.“ Die Täter, betont der por­tu­gie­si­sche Natio­nal­tor­wart, hätten einzig und allein Gewalt im Sinn gehabt: Sie haben mit nie­mandem gespro­chen, sie begannen ein­fach, uns zu atta­ckieren. Sie platzten herein – ich weiß nicht, ob sie kamen, um zu töten – aber sie hatten alles mög­liche dabei.“

Am schlimmsten erwischte es laut frü­heren Aus­sagen von Spor­ting-Spie­lern und ‑Betreuern die beiden Argen­ti­nier Marcos Acuna und Rodrigo Bat­ta­glia, die regel­recht zusam­men­ge­schlagen wurden. Bas Dost, in jener Saison 2017/18 mit 34 Pflicht­spiel-Tref­fern (!) Sportings bester Goal­getter, bekam einen Hieb auf den Kopf und erlitt klaf­fende Platz­wunden, die später im Kran­ken­haus genäht werden mussten. Auch die beiden Assis­tenz­trainer Mario Mon­teiro und Raul Jose trugen hef­tige Bles­suren davon. Chef­coach Jorge Jesus blu­tete laut Rui Patricio aus dem Mund.

Das volle Ausmaß der Gewalt, so Patricio weiter, sei ihm erst später klar geworden: Wäh­rend­dessen herrschte in der Kabine totales Chaos, wir wussten nicht, wen es alles erwischt hatte. Überall war Rauch. Sie hatten Fackeln geworfen, nachdem sie ein­ge­drungen waren. Wir ver­suchten noch, sie zu beru­higen, aber sie brüllten: Wir nehmen euch die Tri­kots weg, ihr seid eine Schande, wir töten euch!‘“ Einer der Ultras habe sich Patricio per­sön­lich zuge­wandt und gedroht: Du lachst? Wenn du abhauen willst, brech ich dir den Kiefer!“ Ver­tei­diger Wil­liam Car­valho sei von drei oder vier“ Angrei­fern gepackt und ver­dro­schen worden.

Fünf Tage nach dem bru­talen Über­fall musste Spor­ting das Pokal­fi­nale gegen den Erst­liga-Neu­ling Despor­tivo Aves bestreiten – und verlor mit 1:2. Kurz darauf reichten zahl­reiche Profis, dar­unter die por­tu­gie­si­schen Natio­nal­spieler Wil­liam Car­valho, Bruno Fer­nandes, Gelson Mar­tins, aber auch Bas Dost, ihre Kün­di­gungen ein – sie wollten nur noch weg, trotz lau­fender Ver­träge. Auch, weil sie wussten: Ihr eigener Klub­chef hatte die Ultras gegen das Team auf­ge­sta­chelt. Doch besagter Bruno De Car­valho lehnte die Kün­di­gungen ab. Ob der inzwi­schen zurück­ge­tre­tene Prä­si­dent den dama­ligen Kabinen-Über­fall gar per­sön­lich ange­ordnet hatte, wie viele im Umfeld des Klubs mut­maßen, muss nun das Gericht befinden.