Seite 4: „Bruno, die sind ja wie deine Jünger!“

Guar­diola trai­nierte heute den FC Bayern, Sie wurden kürz­lich vom deut­schen Sport­di­rektor Thomas Kastler bei Col­lege Cosmos FC in der ersten Liga Gibral­tars als neuer Trainer vor­ge­stellt. Können Sie sich trotzdem für den Job begeis­tern?
Natür­lich, sonst würde ich das ja nicht machen. Ich stehe am Anfang meiner Trai­ner­kar­riere, aber ich weiß, dass ich die Qua­li­täten besitze, die ein guter und erfolg­rei­cher Coach braucht.

Die da wären?
Als ich mich 2006 beim Nie­der­sach­sen­li­gisten SSV Vors­felde erst­mals als Spie­ler­trainer ver­suchte, war ich mir nicht sicher, ob der Auf­gabe gewachsen war, 20 erwach­senen Men­schen meine Ideen zu ver­mit­teln. Wenige Wochen später meinte meine Frau: Die benehmen sich ja, als wären sie nicht deine Spieler, son­dern deine Jünger!“ Da stellte ich fest, dass ich dazu fähig bin, dass Fuß­baller mir und meinen Ideen ver­trauen. Eine ganz wich­tige Erkenntnis!

Wie schaffen Sie diese Ver­trau­ens­basis?
Ich sage meinen Spie­lern immer: Wenn ihr ver­liert, dann ist das meine Schuld. Wenn ihr gewinnt, dann ist das euer Ver­dienst.“ Außerdem, und das habe ich u.a. bei Ede Geyer in der Praxis erlebt, gebe ich jedem meiner Spieler das Gefühl, genau so wichtig zu sein, wie jeder andere. Ob Nummer 1 oder Nummer 25, für den Erfolg einer Mann­schaft ist jeder Spieler ent­schei­dend.

Gibt es andere Trainer, die Sie positiv beein­flusst haben?
Die leider inzwi­schen ver­stor­benen Wolf­gang Frank und Josip Kuze muss ich da unbe­dingt nennen. Frank lud mich einmal nach einem Trai­ning zum Kaffee ein und sagte: Bruno, du bist ein harter Spieler. Manchmal spielst du sogar zu hart. Das musst du ändern, um noch besser zu werden.“ Er hatte Recht, aber das wollte ich zunächst natür­lich nicht zugeben. Einige Wochen später foulte ich im Trai­ning einen Mit­spie­lern, ging danach zu dem Gefoulten, half ihm hoch und ent­schul­digte mich bei ihm. Da unter­brach Frank das Trai­ning und lobte mich für die Szene. Das hat sich bei mir ein­ge­brannt.

Welche Kon­se­quenzen haben Sie daraus gezogen?
Dass man mit Worten im Fuß­ball so unglaub­lich viel errei­chen kann, wenn man es ver­steht, richtig mit seinen Spie­lern zu kom­mu­ni­zieren. Uli Hoeneß hat das mal so tref­fend fest­ge­stellt: Jürgen Klins­mann for­derte zu Beginn seiner Tätig­keit 200.000 Euro für hoch­mo­dernes Equip­ment, Jupp Heynckes bat um fünf Euro für einen Edding und Papier.

Ist der Trainer-Job ein nor­maler Beruf?
Ich denke nicht. Man muss diesen Job mit jeder Faser seines Kör­pers lieben, sonst braucht man mor­gens erst gar nicht auf­stehen. Fuß­ball ist mein Leben und das will ich auch meinen Spie­lern ver­mit­teln. Hier in Gibraltar habe ich meinen Jungs am Anfang sofort meine Han­dy­nummer gegeben und gesagt: Wenn ihr mich um drei Uhr mor­gens anrufen wollt, weil ihr ein Pro­blem habt oder Extra­schichten schieben wollt, dann macht das! Ich bin bereit!“

Herr Akra­povic, das ist jetzt Ihre Schuld: Morgen um drei Uhr werde ich Sie anrufen, um mit Ihnen dieses Inter­view zu bespre­chen.
Machen Sie das! Mein Handy ist immer an.