Hin­weis: Dieses Inter­view erschient erst­mals in unserer Print­aus­gabe 11FREUNDE #168

Willy Sagnol, in einem Sai­son­vor­schau­heft steht über einem Por­trät von Ihnen Rigueur alle­mande“ – deut­sche Strenge“. Wie deutsch ist Ihr Image in Frank­reich?

Ich habe neun Jahre für den FC Bayern gespielt, also fast zwei Drittel meiner Kar­riere, und ich habe dort Dis­zi­plin und Serio­sität gelernt. Fuß­ball ohne Dis­zi­plin geht für mich nicht, dann kann man keinen Erfolg haben.

Sie gelten als Dis­zi­plin­fa­na­tiker.

In Frank­reich ist Dis­zi­plin manchmal nur ein Wort. Und ja, Dis­zi­plin ist schwierig für einen Spieler, sie nervt ihn. Ich bin mir aber sicher, dass die neue Genera­tion viel Dis­zi­plin braucht – und dass sie das auch wollen.

Man hört gerade aus Frank­reich viel von Ver­hal­tens­auf­fäl­lig­keiten junger Spieler. Ist das ein fran­zö­si­sches Pro­blem?
Es ist ein Pro­blem der neuen Genera­tion, das auch Deutsch­land betrifft.

Ist es schwierig für Sie als Trainer, mit den jungen Spie­lern zurecht­zu­kommen?
Manchmal schon. Aber ein Trainer muss sich anpassen können. Die Jungen werden nie wie die Alten sein. Also müssen wir uns auf sie ein­stellen. Und zwar schnell.

Gibt es einen Trainer, der Sie beson­ders geprägt hat?
Ottmar Hitz­feld war für mich der abso­lute Top-Trainer. Er hatte immer 20, 22 Natio­nal­spieler, und dabei hat er einen Oliver Kahn genauso behan­delt wie einen Spieler, der nur zwei Spiele pro Saison gemacht hat. Das war genial. Auch von Felix Magath habe ich viel gelernt, etwa dass ein Spieler jeden Tag an sich arbeiten muss. Magath war hart, aber sehr fair.

Sind Mann­schaften heute anders gestrickt als früher?
Ich denke schon. Alles hat sich geän­dert. Die Kom­mu­ni­ka­tion, das Leben, auch die Erwar­tungen der Spieler. Fuß­ball bedeutet heute für einen Spieler etwas anderes als vor zehn oder fünf­zehn Jahren. Für frü­here Genera­tionen war Fuß­ball eine Frage des Erfolgs. Und Erfolg hieß, Titel zu gewinnen. Heute geht es viel mehr um Image und Geld. Weil die Welt nun mal so geworden ist. Vor zehn Jahren gab es kein Face­book oder Twitter.

Sind Sie dort aktiv?
Nein. Ich ver­stehe nicht, warum Leute soziale Netz­werke benutzen. Ich halte sie für gefähr­lich.

Beson­ders für einen Trainer?
Für alle. Twitter ist immer eine spon­tane Reak­tion auf eine Nach­richt – und eine spon­tane Reak­tion ist immer gefähr­lich. Weil wir meis­tens mit dem Herzen reagieren und weniger mit dem Kopf.

Sind Sie auch als Trainer Ratio­na­list?
Ich habe meine Phi­lo­so­phie. Wenn die aber nicht zu meiner Mann­schaft passt, funk­tio­niert es nicht. Ein guter Trainer ist jemand, der sich seiner Truppe anpassen kann.