Lieber Fuß­ball,

Jahr für Jahr stol­pern wir auf den letzten Drü­cker in den Blu­men­laden um die Ecke, wo uns zyni­sche Händ­le­rinnen in unserer Not erkennen und das eigent­lich für den Kom­post­müll gedachte Gebinde als ulti­ma­tiven Lie­bes­be­weis andrehen. Nicht ohne uns das eigenen Ver­sagen vor Augen zu führen: Welche Blumen mag ihre Liebste denn“, fragen sie uns. Wir würden dann gern sagen: Keine Ahnung. Und sagen: Rote“. Wir kaufen Pra­linen, buchen Restau­rants und beschreiben kit­schige Karten mit Text­bau­steinen aus dem Internet.

Wir bereuen nichts!

Wir leiden an den Erwar­tungen, die nie­mand erfüllen kann, und wissen, dass unser Schei­tern pro­gram­ma­tisch ist. Wir wollen gut­ma­chen, dass wir auch im ver­gan­genen Jahr wieder viel zu viel Zeit mit unserer Affäre ver­bracht haben: Fuß­ball. Und haben keine Chance. Wir waren zu oft bei Dir. Zur Bun­des­liga, zur Cham­pions League, zum Län­der­spiel. Wir bereuen keine Sekunde.

Klar, manchmal hassen wir Dich. Wenn unser Verein mal wieder seit Wochen von Nie­der­lage zu Nie­der­lage düm­pelt, der Sta­di­on­be­such unsere vom Winter tief gefro­renen Glieder mit einem chan­cen­armen 0:1 dankt oder wir stun­den­lang durchs Land gurken und unsere Leber­werte ins Frag­wür­dige erheben, weil wir darauf hoffen bei den Bayern zu gewinnen. Aber Hass ist auch nichts weiter als die Kehr­seite der Lei­den­schaft. Des­in­ter­esse wäre unser Ende. Aber davon keine Spur.