Wo ist die Hand­schrift des Trai­ners zu erkennen?
Bei Ein­tracht Frank­furt macht sich die Arbeit von Thomas Schaaf mehr und mehr bemerkbar. Die Mann­schaft ist jetzt top, muss sich den Spit­zen­platz aller­dings noch mit Werder Bremen teilen. Zufall ist das nicht. Schaaf hat meh­rere Jahr­hun­derte in Bremen gewirkt. Seine Prin­zi­pien werden dort immer noch hoch­ge­halten. Mit 54 Gegen­toren hat Werder die schlech­teste Defen­sive der Liga, gemeinsam mit … Ein­tracht Frank­furt. Die Aus­sichten, dass Frank­furt mit dem Ori­ginal-Schaaf am Samstag allei­niger Spit­zen­reiter wird, sind denkbar günstig. Die Ein­tracht spielt beim Tabel­len­führer Bayern, die Bremer müssen beim Letzten Stutt­gart ran.

Warum läuft es nicht mehr bei Pader­born?
Man könnte ja meinen, eine Ansamm­lung mäßiger Fuß­baller wird im Laufe einer Saison da landen, wo der SC Pader­born sich gerade unauf­haltsam hin­be­wegt: am Tabel­len­ende. Aber so ein­fach ist es natür­lich nicht. Schuld ist nur der kleine Mann“ (Trainer André Brei­ten­reiter). Der kleine Mann lässt sich die ganze Woche über nicht bli­cken, aber immer wenn die Pader­borner denken, end­lich, end­lich, end­lich ist er weg, meldet er sich – schwupps – wieder zu Wort. Wenn sie zum Tor­schuss ansetzen, ruft er: Triffst eh nicht! Ätschi­bät­schi.“ Und natür­lich treffen sie nicht, seit inzwi­schen sechs Spielen schon nicht mehr.

Wo ist der Druck unmensch­lich?
Bei den Bayern, wo sonst? Alles muss man gewinnen. Alles und noch viel mehr. Manuel Neuer hat sich jetzt Luft ver­schafft. Im Pokal­spiel gegen Bayer Lever­kusen hat sich der Tor­hüter vor dem Elf­me­ter­schießen die Kapi­täns­binde vom Arm gerissen – weil sie ein wenig Druck auf den Arm“ macht, wie Neuer später erklärt hat. Wir fragen uns natür­lich: Ist Neuer über­haupt noch der Rich­tige für die Bayern, wenn er diesem Druck nicht stand­hält?

Was macht Felix Magath?
Geht seinen Lieb­lings­be­schäf­ti­gungen nach: Schach spielen und seinem Ex-Klub Ham­burger SV kluge Rat­schläge erteilen. Schön, wenn sich beides ver­binden lässt. Bei der Eröff­nung eines Schüler- Schach­tur­niers in Ham­burg hat sich Magath diese Woche en pas­sant zur Beför­de­rung vom HSV-Sport­di­rektor Peter Knäbel zum HSV-Trainer geäu­ßert: Als könnte jeder, der gerade mal Lust hat oder schon einmal Fuß­ball gespielt hat, eine Bun­des­liga-Mann­schaft trai­nieren.“ Genau! Wo kämen wir denn hin, wenn zum Bei­spiel jeder daher­ge­lau­fene Trainer plötz­lich auch noch als Manager eines Bun­des­li­gisten arbei­tete, als Geschäfts­führer und Her­aus­geber der Sta­di­on­zei­tung?

Wer steckt zu Unrecht im Abstiegs­kampf?
Der HSV wird völlig unter­schätzt. All die Häme – unan­ge­bracht. Die Ham­burger sind die wahre Groß­macht der Liga. Gegen alle deut­schen Euro­pa­po­kal­teil­nehmer dieser Saison haben sie im eigenen Sta­dion gepunktet. Das haben nicht mal die Bayern geschafft. Mit anderen Worten: Gäbe es einen bes­seren Zeit­punkt, als aus­ge­rechnet jetzt gegen den Euro­pa­cup­teil­nehmer Wolfs­burg zu spielen, die der­zeit stärkste Mann­schaft der Liga?

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Der Text ist im Ber­liner Tages­spiegel“ in der Bei­lage 11FREUNDE Frei­tags“ erschienen