Jan-Ingwer Callsen-Bra­cker, die Öffent­lich­keit rät­selt über den dritten Platz des FC Augs­burg. Was macht Ihre Mann­schaft so stark?
Wir haben ein­fach einen sehr guten Team­geist. Dabei spreche ich nicht nur von der Mann­schaft, son­dern auch vom Trai­ner­team, dem Manage­ment, den Fans, ein­fach allen. Wir sind ein Klub zum Anfassen. Ich bin jetzt vier Jahre in Augs­burg, der Zusam­men­halt hier ist außer­ge­wöhn­lich. Das ist anders als bei meinen vor­he­rigen Sta­tionen in Lever­kusen und Mön­chen­glad­bach.
 
Wie macht sich der Team­geist kon­kret bemerkbar?
In der ver­gan­genen Saison hatten wir bei­spiels­weise mal eine schlechte Phase, in der die Ergeb­nisse nicht stimmten. Wir sind dann mit der gesamten Truppe zum Eis­ho­ckey gegangen und haben uns die Augs­burg Pan­ther ange­schaut. Das hat uns auf andere Gedanken gebracht – und danach lief es. In diesem Sommer lud uns ein Frei­zeit­park ein und die gesamte Mann­schaft ist hin­ge­fahren. Alle waren dabei, auch der Trainer und der Manager. Wir ver­brachten das gesamte Wochen­ende dort, klet­terten, schwammen und waren stun­den­lang beim Blop­ping.
 
Was ist das?
Beim Blop­ping liegt einer auf einer Art Luft­kissen im Wasser, wäh­rend der andere von einem Turm aufs Kissen springt und ihn nach vorne kata­pul­tiert. Das hat Spaß gemacht.
 
Es soll auch einen Wan­der­pokal in der Kabine geben namens Drei­fache Robbe“. Was hat es damit auf sich?
Den gibt es aktuell leider nicht mehr. Damals hat sich unser Mit­spieler Sebas­tian Lang­kamp bei einem eher harm­losen Foul mehr­mals auf dem Rasen gewälzt. Wir haben ihn für diese Aktion auf die Schippe genommen und ihm Die drei­fache Robbe“ ver­liehen. Danach wurde der Pokal wei­ter­ge­reicht. Diesen spe­zi­ellen Preis haben wir zwar nicht mehr, aber wir prä­mieren andere Leis­tungen im Trai­ning und Spiel. (lacht.) Von denen sollte ich hier aber besser nicht berichten.
 
Stammt dieser beson­dere Team­geist auch aus der Rück­runde vor zwei Jahren, als die Mann­schaft mit einer unglaub­li­chen Auf­hol­jagd noch den Klas­sen­er­halt schaffte?
Ja, sehr viel aus dieser Zeit steckt immer noch in uns. Wir haben aus dieser Phase sehr viel gelernt, uns mehr Dis­zi­plin auf­er­legt. Es ging auch um kleine Details mit einer großen Wir­kung: Damals hat der Trainer einige Dinge geän­dert. Unter anderem müssen wir jetzt immer min­des­tens eine Stunde vor dem Trai­ning in der Kabine sein. So ver­bringen wir als Mann­schaft viel Zeit mit­ein­ander.
 
Sie haben mal gesagt: Gewinner werden in schlechten Zeiten geboren.“
Das trifft voll­kommen auf uns zu. Wenn wir damals nicht alle offen und ehr­lich mit­ein­ander umge­gangen wären, dann wären wir aus­ein­ander gebro­chen. Das hätte den Abstieg bedeutet. Aber wir haben am letzten Spieltag den Klas­sen­er­halt geschafft und ich bin sicher: Das hat uns zusammen geschweißt und zu der Ein­heit gemacht, die wir heute sind.
 
Welche Rolle spielt Trainer Markus Wein­zierl?
Er ist der Trainer und gibt die Rich­tung vor: Die Struktur in unserem Spiel erwächst aus seinen Ana­lysen. Er bereitet uns sehr gewis­sen­haft auf die Par­tien vor – mit Video­ana­lysen, Infos zu unseren Gegen­spie­lern und beson­deren tak­ti­schen Maß­nahmen. Unser Video­ana­lyst schickt uns per Mail Videos, die per­sön­lich auf uns zuge­schnitten sind. Wir sind also immer gut vor­be­reitet und wissen, was wir tun müssen. Ich per­sön­lich gehe dadurch immer mit einem guten Gefühl ins Spiel. Das ist ein wich­tiger Faktor.
 
Die Sta­tistik des FC Augs­burg ist über­ra­schend: Viele Ball­ge­winne, gutes Kopf­ball­spiel, aber sehr viele Angriffe über links und eine ver­gleichs­weise geringe Lauf­leis­tung.
Jetzt dürfen Sie nicht alles ver­raten (lacht.) Mich über­rascht das nicht, weil wir bestimmte Spiel­züge seit Jahren kon­ti­nu­ier­lich trai­nieren, auch jene über links. Und zur Lauf­leis­tung: Es ist nicht ent­schei­dend, wie viel, son­dern wohin man läuft. Wir müssen im Ver­bund richtig laufen. Die Auto­ma­tismen greifen in unserer Mann­schaft, weil wir uns auch schon länger kennen. Wir ver­su­chen ins­ge­samt, erst einmal gut zu stehen. Dadurch hat der Gegner auch einen Tick mehr Ball­be­sitz, doch wir kon­tern dann kurz und kna­ckig.
 
Sie sind in der Innen­ver­tei­di­gung eine Stütze des Teams. Zusammen mit Ihrem Kol­legen Ragnar Klavan haben Sie beide eine außer­ge­wöhn­lich gute Quote im Kopf­ball­spiel, aber auch im Pass­spiel.
Als Innen­ver­tei­diger sollte man ein Augen­merk darauf haben, ball­si­cher zu sein. Schließ­lich sind wir auch für den Spiel­aufbau mit­ver­ant­wort­lich. Aber da haben wir nun einmal den Vor­teil, dass wir sehr ein­ge­spielt sind. Wenn ich den Ball habe, weiß mein Mit­spieler intuitiv, wie er sich anbieten muss. Wir trai­nieren das schon sehr lange, das Pass­spiel ist für den Trainer sehr wichtig.
 
Wie ver­stän­digen Sie sich mit Ihrem Kol­legen Klavan?
Mal auf deutsch, mal auf eng­lisch. Ragnar kann sehr gut deutsch, aber auf est­nisch gibt er nicht so viel preis. Sonst würde ich jetzt schon flie­ßend est­nisch spre­chen. (lacht.)