Der Weg zu Chris­tian Leyk führt über die Schalker Meile. Einen Tag nach dem Derby ist die Straße aus­ge­storben, es ist ein kühler Sonn­tag­mittag, nur ein paar Leute sind unter­wegs. An der Kneipe Auf Schalke“ rechts ab, von dort sind es knapp 15 Minuten Auto­fahrt zur Sport­an­lage Im Emscher­bruch“. Dort sitzt Leyk, der Vor­sit­zende des Kreis­ju­gend­aus­schusses Gel­sen­kir­chen, und spricht von einer mög­li­chen DFB-Reform, die schon als Revo­lu­tion im Kin­der­fuß­ball beti­telt wurde

Die Reform­vor­schläge des Ver­bandes zusam­men­ge­fasst: In den Mann­schaften in der G‑Jugend sollen nur noch zwei oder drei Spieler spielen, die Teams sollen dann schritt­weise auf die übli­chen neun in der D‑Jugend anwachsen. Tor­warte würde es in der G- und teils F‑Jugend nicht mehr geben, die Ligen durch Tur­niere ersetzt und Mini-Tore ein­ge­führt werden. Und nach jedem Tor, spä­tes­tens aber nach zwei Minuten, soll nach einem festen Rota­ti­ons­prinzip gewech­selt werden.

Es wird im Moment eine Idee dis­ku­tiert“ sagt Leyk und gibt sich wenig dog­ma­tisch. Selbst die Grund­lagen dürfen ver­än­dert werden“. Am Vortag hat eine F‑Jugend die Spiel­form getestet, manche Schwach­stelle wurde offen­sicht­lich. Die Mini-Tore sind viel zu klein, die Kinder treffen kaum!“ hat Leyk fest­ge­stellt. Außerdem: Die Spiel­zeit war vor­ge­geben mit teils sieben mal sieben Minuten, da können wir die Kin­dern auch zur Leicht­ath­letik schi­cken.“ Nun sollen die Regeln und Bedin­gungen ver­fei­nert werden. 

Betreuung: Trainer oder Auf­passer?

Sport­lich macht die Reform durchaus Sinn. Die Spieler laufen mehr, haben öfter Ball­kon­takte, drib­beln und treffen häu­figer. Das Ziel hinter alledem: Am Ende sollen die Kinder schlicht Spaß daran haben.

Mehr Spaß? Stefan Keppel ist skep­tisch. Der Coach hat gerade mit seiner F‑Jugend der DJK Blau-Weiß Min­tard ein Aus­wärts­spiel absol­viert, nun lehnt er an einer wack­ligen Plas­tik­bank im Essener Süden und spart nicht mit deut­li­cher Kritik: In meinen Augen ist das Schwach­sinn. Im Trai­ning finde ich das voll­kommen in Ord­nung, aber im Spiel muss es schon wie ein Fuß­ball­spiel sein.“

Ein rich­tiges Fuß­ball­spiel, das braucht laut Keppel zwei Tore und zwei Tor­hüter. Und natür­lich Trainer und Betreuer, die jetzt schon hän­de­rin­gend von den Klubs gesucht werden. Die Reform könnte den Not­stand noch ver­schärfen. Wenn die Teams kleiner werden und in mehr For­ma­tionen bei Tur­nieren auf­schlagen, braucht es mehr Per­sonal zur Betreuung. Trainer zu kriegen, ist bei jedem Verein schwierig,“ sagt Keppel. Zumal sich ihre Auf­gabe ver­än­dern könnte. Die Trainer, alter­nativ auch Eltern, könnten bei den Par­tien eher zu Auf­pas­sern als zu Aus­bil­dern werden.