Seite 2: Richtiger Hinweis trotz Spielverwechslung

Klar, gerade beim ersten Tor geht alles rasend schnell: Genau neun Sekunden liegen in der 18. Spiel­mi­nute zwi­schen einem Foul von Wolf­gang Overath an Bobby Moore und dem Kopf­balltor, das Geoff Hurst nach dem fäl­ligen Frei­stoß zum 1:1 erzielt. Natür­lich durfte man auch damals einen Frei­stoß schnell aus­führen, also ohne zu warten, dass der Schieds­richter zum zweiten Mal pfeift. Aber die deut­schen Spieler waren es gewohnt, dass sich der Referee die Aus­füh­rung eines Frei­stoßes in Tor­nähe zumin­dest anschaut und dass er nicht, dem Schützen den Rücken zukeh­rend, davon­läuft und mit einem Akteur der ver­tei­di­genden Mann­schaft dis­ku­tiert. Auch des­halb zeigt Tor­hüter Hans Til­kowski keine Reak­tion und die deut­schen Abwehr­spieler erstarren bei­nahe im ungläu­bigen Staunen. Bei vielen Fern­seh­zu­schauern bleibt zumin­dest eine vage Irri­ta­tion.

Rich­tiger Hin­weis trotz Spiel­ver­wechs­lung

Helmut Weber ist damals ver­mut­lich der ein­zige Jour­na­list, der diese Szene in Gänze kri­tisch bewertet. Seine Kol­legen kon­zen­trieren sich ganz auf das 3:2 und finden gele­gent­lich noch ein paar kri­ti­sche Worte zum letzten Tor der Eng­länder. Wenn sie über­haupt über das 1:1 berichten, tun sie das feh­ler­haft und ver­nach­läs­sigen wich­tige Fakten. Womit wir beim zumin­dest an diesem Tag reich­lich indis­po­nierten Rudi Michel wären, der das Finale für die ARD kom­men­tiert und das Tor fälsch­li­cher­weise Roger Hunt zuspricht.

Noch bizarrer geht es in ver­schie­denen deutsch­spra­chigen Büchern über das Tur­nier zu. Im von Frie­de­bert Becker her­aus­ge­ge­benen WM-Buch des damals die Fuß­ball­pu­bli­zistik domi­nie­renden Ver­lags Copress heißt es lapidar: Hoch flog der Ball dem Elf­me­ter­punkt ent­gegen. Til­kowski und seine Vor­der­leute standen wie ver­stei­nert, Hurst schal­tete dafür um so schneller.“ Dass es einen Grund für dieses Her­um­stehen gab, wird nicht weiter ver­tieft. In einem Kon­kur­renz­pro­dukt, dem im Lingen Verlag erschie­nenen Buch vom Ernst Huberty, beging Höttges und nicht Overath ein unnö­tiges Foul“. Dann segelte Moores Frei­stoß in den deut­schen Straf­raum, wo Hurst – aller­dings in abseits­ver­däch­tiger Posi­tion – lauert.“ Trotz Spie­ler­ver­wechs­lung wird hier immerhin die Abseits­frage zag­haft ange­schnitten.