Seite 2: "Sind Sie in Ihrem Kopf net normal oder was?“

Konrad schaut ihn abfällig an. Was fällt dieser daher­ge­lau­fenen Bazille ein, ihn, den Geschäfts­mann von Welt, von der Seite anzu­spre­chen?

Isch hab ka Geld über­wiese, was soll denn die doofe Frage?, blafft Konrad.

Und dann dreht er auf. Eine Schimpf­kas­kade, die sich Bade­salz“ nicht besser hätten aus­denken können.

Sind Sie in Ihrem Kopf net normal oder was?“

Konrad trägt ein tür­kises Sakko und eine expres­sio­nis­ti­sche Kra­watte. Sein ver­blie­benes Rest­haar steht zu einem gro­tesken Kranz ab, der ein wenig an wild wach­sendes Schilf an einem See­ufer erin­nert.

Unver­schämt mir so a Frage zu stellen. Isch hau Ihnen in die Fresse, mehr sind se net wert.“

Im Hin­ter­grund geiern Kon­rads Entou­rage und Leute vom Sicher­heits­dienst herum, Vokuhila-Typen mit Säge­werk-Gesich­tern in Leder­ja­cken- und/​oder Bom­ber­ja­cken-Jeans-Kra­watten-Kom­bi­na­tion. 

Konrad schlägt auf das Mikrofon wie auf ein läs­tiges Insekt. Weg!“, sagt er, und weil nie­mand weg geht, auch er selbst nicht, blökt er weiter: Schi­cken Sie mir den Chef­re­dak­teur, wie können Sie mich auf so etwas anspre­chen? Hab in meinem ganzen Leben noch kein Geld in die Schweiz über­wiesen. Dreck­schwein!“

Dann könnte es vorbei sein, aber Willi will’s nun wissen. Der getrof­fene Köter bellt. Er bedrängt den Reporter, der irgend­wann nur noch stam­melt: Es ist doch gut!“

Nach 39 Sekunden ist diese Szene vorbei, und man ist ein wenig ent­täuscht, denn sie könnte ewig wei­ter­gehen. Ver­tragen sich die beiden? Holt Konrad doch noch zu einem Faust­schlag aus? Ver­prü­gelt sich das Sicher­heits­per­sonal selbst?

Das beste Resümee zieht ein User unter dem Video: Auf­grund Kon­rads völlig nüch­ternen und sach­li­chen Reak­tion auf die Frage muss man zwei­fellos davon aus­gehen, dass die Beschul­di­gungen nicht der Wahr­heit ent­spre­chen.“

1995 musste sich Konrad, der unschul­dige und ehren­werte Geschäfts­mann, trotzdem vor Gericht ver­ant­worten. Nun gab er klein­laut zu, dass die Pro­vi­sionen der Trans­fers mir 250.000 Mark im Jahr gebracht haben“. Zehn Jahre später starb er an Herz­ver­sagen. Auch sein Partner in Crime, Rolf-Jürgen Otto, ist mitt­ler­weile ver­storben. In seiner Trau­er­an­zeige schrieb seine Witwe: Sein Leben war schön, aber teuer.“ Was über Kon­rads Trau­er­an­zeige stand, wissen wir nicht. Viel­leicht dies: Willi war ein beschei­dener und ent­spannter Zeit­ge­nosse, der durch nichts aus der Ruhe zu bringen war.“