Seite 2: Besser als romantische Liebe

Très chic in dieser Hin­sicht war zuletzt jede Form der Drei­er­kette. Wer die nicht hatte, hatte nichts mehr, jeden­falls keine guten Argu­mente an den Stamm­ti­schen und erstaun­li­cher­weise auch in vielen Redak­tionen der Repu­blik. Dass ein Sieg auch dann noch drei Punkte ein­brachte, wenn er mit einer Vie­rer­kette oder gar keiner Kette errungen wurde, viel­leicht auch nur, weil man schlicht die bes­seren Fuß­ball­spieler in den eigenen Reihen hatte, ganz egal in wel­cher For­ma­tion die nun über den Platz liefen, mutete fast schon wun­der­lich an.

Aber die Jagd nach der Moderne hat auch einen Vor­teil. Denn das Ide­en­re­ser­voir ist end­lich und so kommt irgend­wann ein­fach alles wieder und manchmal ist man gnädig und nennt es Renais­sance. 

So erleben wir der­zeit eine der Dop­pel­spitze! Das ist nicht nur schön, weil es modern ist, son­dern auch ein­fach so. Weil dop­pelt fast immer besser ist. Weil dop­pelt besser hält und dop­pelt glück­lich macht. Gleich zehn Bun­des­li­ga­mann­schaften haben am ver­gan­genen Spieltag mit zwei Stür­mern gespielt. Rich­tige Stürmer. Keine inverse Außen, keine abkip­pende Irgendwas. Ein­fach: Stürmer. Zumin­dest, wenn man den Taktik-Tafeln der Magazin gewor­denen Fuß­ball­bibel des Kicker“ glauben schenkt.

Ying und Yang des Rasens

Der VfL Wolfs­burg etwa spielt schon seit einiger Zeit mit gleich zwei Stür­mern. Selbst dann, wenn der etat­mä­ßige Stürmer Nummer zwei, wenn Daniel Gin­czek ver­letzt aus­fällt. Und neben der nie­der­län­di­schen Men­schen­mühle Wout Weg­horst (1,97 Meter!) ein kleiner Schweizer namens Renato Steffen (1,70 Meter) wuseln darf.

Aber genau das ist ja die Magie der Dop­pel­spitze. Dieses Ying und Yang, ein­ge­fangen im Rechteck des Rasens. Wenn aus zwei unter­schied­li­chen (Spieler-)Typen eine bes­sere Ein­heit wird. Das ewige Lie­bes­ver­spre­chen, das in der Liebe, also der roman­ti­schen, so aus­sichtslos scheint und im Fuß­ball zur Wahr­heit wird: Wenn aus zwei Indi­vi­duen ein bes­seres, gemein­sames Ich wird.

Gerd Müller und Uli Hoeneß. Romario und Bebeto. Und viel­leicht sogar Ebbe Sand und Emile Mpenza.

Schön ist, was modern ist. So wie die Dop­pel­spitze. Viel­leicht erkennen ja bald schon noch mehr Trainer die Zei­chen der Zeit. Falls nicht, ist Trost jedoch schnell bei der Hand. Denn min­des­tens genauso wahr ist schließ­lich: Schön ist, was erfolg­reich ist.