So richtig hat wohl nie­mand am ver­gan­genen Sonntag mit einem Sieg Ser­biens über Por­tugal gerechnet. Zu über­mächtig schien der Gegner rund um Super­star Cris­tiano Ronaldo, zu schwierig die Auf­gabe Por­tugal im Estadio da Luz zu bezwingen. Dabei hatte die Aus­gangs­lage ein span­nendes Finale in der WM-Quali-Gruppe A ver­spro­chen. Punkt­gleich lagen Por­tugal und Ser­bien an der Tabel­len­spitze. Den Por­tu­giesen hätte im Grup­pen­fi­nale schon ein Remis genügt, da sie eine bes­sere Tor­dif­fe­renz vor­zu­weisen hatten. Das Unent­schieden hielten sie auch. Bis zur 90. Minute.

Da flankte Dušan Tadić den Ball aus dem rechten Halb­feld prä­zise vor den zweiten Pfosten. Trip­pelnd erwar­tete Alek­sandar Mitrović die anflie­gende Kugel und köpfte sie wuchtig per Auf­setzer mitten ins por­tu­gie­si­sche Herz. Die weißen Adler schoben sich in buch­stäb­lich letzter Minute an Por­tugal vorbei und sicherten sich die direkte Qua­li­fi­ka­tion für die Welt­meis­ter­schaft in Katar. Sieg­tor­schütze Mitrović sagte im Inter­view nach dem Spiel: Wir ernten jetzt die Früchte für unsere harte Arbeit und vor allem für unseren Glauben daran, dass wir ent­gegen aller Zweifel Por­tugal schlagen können.“ Danach ließ er sich in Unter­hose von den eigenen Fans zur Melodie von Freed from desire“ feiern, die wie einst die nord­iri­schen Fans bei Will Grigg den Refrain kur­zer­hand auf ihren Stürmer umtex­teten.

Zusätz­liche Moti­va­tion

Bereits vor dem Spiel ging auf Twitter ein Video viral, in dem der ser­bi­sche Prä­si­dent Alek­sandar Vučić im Flug­zeug der Natio­nal­mann­schaft den Spie­lern einen gewissen Moti­va­ti­ons­schub gab. Sollte ihnen die Über­ra­schung gegen Por­tugal gelingen, ver­sprach er dem Team eine Prämie in Höhe von einer Mil­lion Euro: Ich bin hier, um euch zu sagen, wie sehr wir eure Bemü­hungen, eure Arbeit und Auf­op­fe­rung auf dem Rasen schätzen. Die Prämie soll euch zeigen, wie wichtig es für Ser­bien ist, dass ihr gewinnt.“

Der zusätz­liche Ansporn ver­fehlte nicht seine Wir­kung. Doch die gewon­nene Prämie wollten die Spieler nicht für sich behalten. Medi­en­be­richten zufolge hat sich die Mann­schaft geschlossen dazu ent­schieden, die kom­plette Summe zu spenden. Das Geld soll für die Behand­lung kranker Kinder in Ser­bien ein­ge­setzt werden. Der ser­bi­sche Ver­band will in den nächsten Tagen bekannt­geben an welche Orga­ni­sa­tion das Geld gehen soll.

Dem Druck stand­ge­halten

Wäh­rend Por­tugal im kom­menden Jahr noch in den Play­offs zit­tern muss, kann sich Ser­bien in der Zeit schon in Test­par­tien auf das Tur­nier im Winter ein­spielen. Die erfolg­reiche Qua­li­fi­ka­tion sei voll­kommen ver­dient, meint ihr Trainer Dragan Sto­j­ković, der in seinem Hei­mat­land nur Piksi“ genannt wird: Wir haben uns den Sieg heute red­lich ver­dient, weil die Jungs so viel Cha­rakter gezeigt haben. Das ist ein enormer Erfolg für den ser­bi­schen Fuß­ball. Wir sind gut mit dem Druck umge­gangen und haben Reife bewiesen. Ich wäre aber auch genauso stolz, wenn es beim Unent­schieden geblieben wäre.“ So aber konnte sich die ser­bi­sche Mann­schaft nicht nur für die Welt­meis­ter­schaft qua­li­fi­zieren, son­dern auch abseits des Rasens für posi­tive Schlag­zeilen sorgen.